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Until Dawn

Originaltitel: Until Dawn__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: David F. Sandberg__Darsteller: Ella Rubin, Odessa A’zion, Michael Cimino, Ji-young Yoo, Belmont Cameli, Maia Mitchell, Peter Stormare u.a.
Until Dawn

In der Videospielverfilmung „Until Dawn“ von David F. Sandberg gerät eine Gruppe junger Leute in eine mörderische Zeitschleife

Der Schwede David F. Sandberg begann seine Karriere mit Horror-Kurzfilmen, adaptierte einen davon, „Lights Out“, in den USA als Langfilmdebüt, blieb dem Genre mit „Annabelle: Creation“ treu, ehe er sich mit „Shazam!“ und dessen Sequel dann dem Superheldenfilm zuwandte. Mit der Videospielverfilmung „Until Dawn“ kehrte er zum Horror zurück.

College-Studentin Clover (Ella Rubin) sucht nach ihrer verschwundenen Schwester Melanie (Maia Mitchell) – das Publikum kann sich schon denken, dass dies jene Frau ist, die sich in Anfangsszene eher schlecht als recht eines maskierten Psychopathen erwehren musste. Im Gepäck bei der Suchaktion hat Clover ihren Ex-Freund Max (Michael Cimino), dessen Stiefschwester Megan (Ji-young Joo), ihre beste Freundin Nina (Odessa A’zion) und deren Freund Abe (Belmont Cameli). Die sind auch als emotionaler Support für die etwas labile junge Frau dabei, denn die Schwester verschwand bereits vor einem Jahr und bei der Spurensuche bleibt nur noch ein Ort übrig. Hier trifft man auf einen Tankwart, den Peter Stormare spielt, und bei dem man dann raten darf, ob er nun als horrortypischer Prophet of Doom fungiert oder vielleicht sogar mehr mit dem ganzen Budenzauber zu tun hat.

Die Hinweise führen die Gruppe jedenfalls zu einem seltsamen Haus im Wald, in dessen Umgebung es auf magische Weise nicht regnet, während es überall sonst wie aus Eimern schüttet. Drinnen finden sich reihenweise Vermisstenposter, aber auch die Unterschrift Maias in einem Gästebuch. Anstelle eines Concierge stapft in dem verlassenen Haus allerdings bald der maskierte Killer aus der Eingangssequenz um die Ecke, der auf ausgesprochene rabiate Weise mit den Youngstern kurzen Prozess macht. Mit allen, inklusive Clover, was natürlich eine veritable Überraschung oder ein derber Schock wäre, würde die Zeitschleifenprämisse nicht einer der Hauptverkaufspunkte von „Until Dawn“ sein.

Nach der Bluttat finden sich Clover und ihre Freunde nämlich in dem Haus wieder, bis ins Mark erschrocken, aber am Leben. Sie müssen feststellen, dass es einen Reset gab, aber dass die Nacht nicht wie beim ersten Mal verläuft. Stattdessen kommen in jeder Zeitschleife neue Bedrohungen auf sie zu…

Schaut euch den Trailer zu „Until Dawn“ an

Das gleichnamige, zugrundeliegende Playstation-Spiel von 2015 wurde als eine Art interaktiver Film beschrieben, stark beeinflusst von Werken wie „Poltergeist“ und der „Tanz der Teufel“-Reihe. Da darf man schon Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer Filmadaption äußern, zumal sich beim Film „Until Dawn“ gleich mehrere weitere Inspirationsquellen aufdrängen: Die Bedrohung durch ein ganzes Panoptikum verschiedener Gefahren in einem abgeschiedenen Haus in Wald schreit geradezu nach Drew Goddards smartem Meta-Horror „Cabin in the Woods“, die Verbindung von Zeitschleife und Horror- bzw. Slasherfilm wurde von „Happy Deathday“ und dessen Sequel in den letzten Jahren emsig durchexerziert. Immerhin bringt „Until Dawn“ durch die jeweils neue Bedrohung frischen Wind in die Formel, die einen jeweiligen Game-Neustart simulieren und damit ein paar Videospielmechaniken im Film installieren soll. Allerdings geht dadurch auch der primäre Anreiz des Zeitschleifenfilms verloren, nämlich die akribische Arbeit an Details durch die Protagonisten, die mit jeder Wiederholung nach der perfekten Lösung suchen. Damit es bei den ganzen Loops noch eine Fallhöhe gibt, wird irgendwann festgestellt, dass jede Wiederholung die Protagonisten schwächt – also so wie bei „Happy Deathday“.

Until Dawn

Clover (Ella Rubin) sucht nach ihrer verschwundenen Schwester

Dummerweise schert sich das Script aus der Feder von Gary Dauberman („Es“) und Blair Butler („Hell Fest“) nicht allzu sehr um innere Logik. Irgendwann gegen Ende erwähnen die Figuren, dass sie die Geschehnisse der Durchläufe immer wieder vergessen, obwohl sie beim ersten Reset ziemlich genau auf dem Schirm haben, was mit ihnen passiert ist. Ist es also ein partielles Vergessen? Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, scheint der Reset die Technik nicht zu betreffen, denn auf Abes Handy können sie sich Videos vergangener Durchläufe ansehen. Das ist in erster Linie dazu da, um noch ein Best Of an Todesszenen zu präsentieren, was allerdings zu weiteren logischen Knacksern führt. Haben sie sich an genug erinnert, um wichtige Momente aufzuzeichnen? Oder ist es ihr natürlicher Instinkt immer draufzuhalten, wenn es sie selbst oder ihre Freunde blutig erwischt? Da scheint das Script einfach mit der heißen Nadel gestrickt zu sein, Hauptsache der Plotmotor läuft einigermaßen und man kommt zum nächsten Set Piece.

Ähnlich stiefmütterlich wie die Logik werden allerdings auch Plot und Figuren behandelt. Zum Hintergrund des Ortes erfährt man kaum mehr, als dass es ein Minenunglück gab, am Ende gibt es noch eine pflichtschuldige Erklärung für den ganzen Reset-Zinnober und eine schnell herbeigezauberte Schurkenfigur, an der man das Ganze festmachen kann. Zuvor müssen die College-Studis sich halt mit maskierten Killern, Wendigos, Hexen und anderen Bedrohungen rumschlagen, die zwar schick designt sind, aber etwas beliebig in den Film geworfen. Obendrauf gibt es noch etwas Küchentischpsychologie um manifestierte Ängste und etwas Mythologie von wegen, dass man selbst Teil jener Horrornacht wird, wenn man zu oft in ihr umkommt. Warum? Weil das eben so ist. Melanie taucht irgendwann auch wieder auf, immerhin auf konsequente Weise, aber kann dann auch keine großen Emotionen beim Publikum wecken.

Until Dawn

Nina (Odessa A’zion) weiß den Wert einer Spitzhacke im Überlebenskampf zu schätzen

Denn leider sind Charaktere viel zu schlapp ausgearbeitet für einen Film, der sich auch Themen wie Traumata auf die Fahnen geschrieben hat – Clovers Suche ist auch darin begründet, dass sie nach dem Verschwinden ihrer Schwester mit Depressionen und Selbstmordversuchen zu kämpfen hatte. Doch der Film definiert sie fast nur über die Suche nach ihrer Schwester, so wie ihre Kompagnons auch meist auf ein, zwei Eigenschaft reduziert werden: Max ist der treudoofe Ex, der Clover zurückgewinnen will, Megan die esoterisch angehauchte Spirituelle, Nina die offenherzige beste Freundin mit Bindungsangst und Abe der leicht selbstsüchtige Psychologie-Student. Mehr holt der Film aus seinen Figuren nicht raus, die dann vielleicht nicht ganz so schablonenhaft wie viele ihrer Eighties-Slasheropfer-Kollegen sind, aber auch nicht so rund wie Figuren aus Filmen wie „Scream“ oder „Candyman’s Fluch“.

Für das Personal setzte man auf unverbrauchte Gesichter, die allerdings dadurch etwas egal werden, dass hier jeder mehrfach durch den Wolf gedreht wird und dann wieder auftaucht, sodass die Frage, ob und wer den letzten Reset überlebt, gar nicht mehr so spannend ist. Ella Rubin („Fear Street: Prom Queen“) ist eine brauchbare Protagonistin, Odessa A’zion („Hellraiser – Das Schloss zur Hölle“) als patente beste Freundin setzt Akzente, eher mittelprächtig sind Michael Cimino („Annabelle 3“) – nicht mit dem verstorbenen Regisseur zu verwechseln – mit Dauerdackelblick, Ji-young Yoo („Freaky Tales“) als spirituelles Sensibelchen und Belmont Cameli („The Alto Knights“) als zwischen patent und polterig schwankender Freund. Der Rest vom Fest ist kaum der Rede wert, Peter Stormare („Stand Your Ground“) als größter Name holt sich mit wenigen Szenen, aber vorhandener Spielfreude den Gehaltsscheck ab. Fairerweise muss man allerdings auch sagen, dass hier nicht die Besetzung, sondern das Konzept und die Inszenierung die Stars sind.

Until Dawn

Kann man dem Tankwart (Peter Stormare) trauen?

Denn trotz aller Script-Probleme holt Sandbergs Inszenierung noch einiges aus dem Material heraus, in Verbindung mit dem starken Szenenbild von Jennifer Spence („The Forever Purge“). Das Haus und das umliegende Areal, das sich mit jedem Reset verändert und neue Schauplätze hinzufügt, sehen stimmig und creepy aus, was Sandberg auch atmosphärisch einfängt. Das Design der einzelnen Bedrohungen ist ebenfalls schick geraten, für einige effektive Schocks und Jump-Scares ist auch gesorgt. Und bei den Bluttaten ist „Until Dawn“ kein Kind von Traurigkeit, wobei der erste Durchlauf fast der heftigste ist, wenn Opfer mit einer Spitzhacke in zwei Hälften geteilt werden oder einen Stiel in die Rübe bekommen, an dem nachher noch ein Auge hängt. Das Killen ist recht kreativ (eine Bedrohung etwa bringt die Opfer zum Zerplatzen), der Mix aus CGI-Geschmadder und handgemachten FX geht meist in Ordnung, mit ein, zwei mäßig getricksten Ausnahmen.

Doch am Ende wünscht man der Atmosphäre, den Monstern und den Kills einen besseren erzählerischen Rahmen als das, was „Until Dawn“ aus seiner „Cabin in the Woods“-meets-„Happy Deathday“-Prämisse macht. Die innere Logik knarzt gewaltig, die Figuren sind unterentwickelt und wirklich viel Spannung zieht Sandbergs Film aus den Metzel-Loops nicht, sodass das Ganze eher wie eine Abfolge von Horrorszenarien als wie ein runder Film wird.

Sony/Plaion Pictures hat „Until Dawn“ in Deutschland auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar von David F. Sandberg und Lotta Loste, drei Featurettes sowie entfallene und erweiterte Szenen.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony/Plaion Pictures__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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