Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Talos – Die Mumie

Originaltitel: Tale of the Mummy__Herstellungsland: USA/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 1998__Regie: Russell Mulcahy__Darsteller: Jason Scott Lee, Louise Lombard, Sean Pertwee, Lysette Anthony, Michael Lerner, Honor Blackman, Christopher Lee, Shelley Duvall, Jack Davenport, Jon Polito, Gerard Butler, Ronan Vibert, Bill Treacher, Elizabeth Power u.a.
Talos - Die Mumie

In „Talos – Die Mumie“ von Russell Mulcahy spielt neben Jason Scott Lee, Sean Pertwee und Louise Lombard auch ein junger Gerard Butler mit

Dass Filmemachen durchaus therapeutisch sein kann, ist in der Filmgeschichte nicht selten. Dass allerdings auch Billigfilmemachen therapeutisch sein kann, das schon. Für Russell Mulcahy („Blue Ice“) war der kostengünstige Horrorfilm „Talos – Die Mumie“ wohl ein Weg, um über einen Skiunfall hinwegzukommen – schön, dass wenigstens einer was davon hatte.

Überraschenderweise kam „Talos“ nicht im Fahrwasser des Stephen-Sommers-Hits „Die Mumie“ raus, sondern ein Jahr früher. Mulcahy, der den Film nicht nur inszenierte, sondern auch gemeinsam mit John Esposito („Nachtschicht“) das Drehbuch schrieb, war vor allem von der Hammer-Studios-Umsetzung des Mumienstoffes inspiriert. Wohl auch ein Grund, warum Hammer-Studios-Star Christopher Lee („Das Haus der langen Schatten“) in der Anfangsszene als umsichtiger Archäologe Richard Turkel während einer Ausgrabung im Jahr 1948 zu sehen ist. Der Wissenschaftler liest die Hieroglyphen am Grab und empfiehlt angesichts der Botschaft einen Abbruch, ein Geier von Finanzier besteht aufs Weitermachen. Zum Dank werden alle drei Anwesenden von einer andersweltlichen Macht nach und nach versteinert, doch Richard kann noch mit letzter Kraft eine Explosion auslösen und die Grabkammer verschließen. Leicht verdientes Geld für Christopher Lee, der seine Gastrolle immerhin mit Gravitas absolviert.

50 Jahre später nimmt Richards Enkelin Samantha ‘Sam‘ Turkel (Louise Lombard) an einer erneuten Ausgrabung an der Stelle teil, zusammen mit ihrem Verlobten Burke (Gerard Butler), Professor Marcus (Michael Lerner), dem Archäologen Bradley Cortese (Sean Pertwee) und der Medizinerin Dr. Claire Mulrooney (Lysette Anthony). Sie stoßen in die Grabkammer vor, finden die Überreste des mumifizierten Talos (in erster Linie Mullbinden) sowie zahlreiche gepfählte Handlanger des grausigen Herrschers. Außerdem ereilen Cortese seltsame Visionen. Die nächste prominente Gastrolle ist nur aus heutiger Sicht eine, denn damals war der spätere Actionstar Gerard Butler („Greenland 2“) noch unbekannt. Hier macht er nach Kraxeleien in der Grabkammer den Absturz und geht offscreen drauf.

Sieben Monate später knabbert Sam immer noch an dem Verlust, Cortese erscheint durchgedreht und die Ausgrabungsstücke werden in London ausgestellt. Eines Nachts brechen Talos‘ Überreste aus und suchen sich Opfer, mit deren Organen die Mumie wieder lebendig werden will. Da das erste Opfer ein amerikanischer Diplomat ist, ermittelt US-Detective Riley (Jason Scott Lee) in dem Fall…

Schaut euch den Trailer zu „Talos – Die Mumie“ an

Für das nicht ganz schmale, aber auch nicht gerade üppige Budget von 8 bis 10 Millionen Dollar bekam Mulcahy für „Talos“ ein Ensemble zusammen, das für damalige Verhältnisse halbwegs prominent war und aus heutiger Sicht noch mehr ist. Dummerweise schien ihm dabei das Gespür für Schauspielführung abhandengekommen zu sein. Jason Scott Lee („Star Force Soldier“) wirkt fehlbesetzt und steif in der männlichen Hauptrolle, kann noch nicht einmal die generischen Oneliner des Drehbuchs überzeugend aufsagen. Louise Lombard („Oppenheimer“) ist komplett blass in der weiblichen Hauptrolle. Sean Pertwee („Shopping“) wird zum peinlichen Overacting-Rumpelstilzchen, vor allem in der Szene mit Shelley Duvall („Shining“). Die ist auch mäßig überzeugend, Michael Lerner („X-Men – Zukunft ist Vergangenheit“) nur eine Randnotiz. Lysette Anthony („Insemination – Wiege des Grauens“) ist als einzige recht gut, Jack Davenport („Kingsman: The Secret Service“) als britischer Ermittler ganz okay. Erschreckend mies gespielt dagegen die wenigen Szenen von Ex-Bondgirl Honor Blackman („Die Braut des Satans“) als Polizeichefin, Jon Polito („Gangster Squad“) findet mit noch weniger Screentime kaum statt.

In den USA wurde der eigentlich knapp zwei Stunden lange Film um über 20 Minuten Handlungsszenen gekürzt und kam in dieser Version in vielen Ländern (beispielsweise in Deutschland, wo „Talos“ eine Videopremiere war) heraus; auf der deutschen Special-Edition-DVD erschien dann der Director’s Cut. Der ist bisweilen sinniger, verschärft aber die Tempoprobleme des Films noch weiter, denn in „Talos“ schleppt sich doch eher dahin. Der untote Mullbinden-Zausel geht in klassischer Mumienfilm-Tradition zum Organ-Shopping bei unfreiwilligen Opfern, die im Schlussspurt als Reinkarnationen seiner Anhänger identifiziert werden. Das weiß bis dahin nur keiner, weshalb die Cops eigentlich nur Leichen aufsammeln dürfen. Die Angriffe sind mal mehr, mal weniger gut inszeniert und trotz der im Vorspann prominenten Beteiligung der KNB FX Group sollte man keine Gore-Effekte im Stil von „From Dusk Till Dawn“ oder „Wishmaster“ erwarten. Meist sieht man nur fliegende CGI-Mullbinden und Wackelkamera, immerhin mit ein paar netten Ideen, etwa wenn Talos skorpionartig an der Decke kraxelt oder die Mullbinden aus einem Handtuchspender kommen, ehe sie ein Opfer ins Klo ziehen. An handgemachten Effekten gibt es in erster Linie ein paar Genickbrüche und mehrere Leichen. Im Finale ist dann fast nur Kollege Computer dran und präsentiert mit unecht aussehenden CGI-Raben und einer eher unfreiwillig komischen finalen Inkarnation von Talos ausgerecht die schlechtesten Effekte des Films.

Im Finale gibt es dann immerhin zwei, drei handfeste Überraschungen, die aber zu spät kommen, um noch groß etwas reißen zu können. Viel zu lange schleppt der Film sich bis zu diesem Punkt hin, zumal alle Handlungsstränge zwar verbunden sind, aber irgendwie nebeneinanderher laufen. Talos killt seine Opfer, die von den Helden aber (fast) nicht vorausgesehen werden können, Riley und sein Kollege Detective Bartone (Jack Davenport) halten den durchgeknallten Cortese für den Täter und die Helden sammeln Hintergrundinformationen zu Talos, die aber den Plot kaum vorantreiben. Dass eine besondere Planetenkonstellation für die Wiedergeburt wichtig ist und kurz bevorsteht, ist von Anfang an klar, alles weitere ist bloß Ausschmückung und Hintergrundrauschen, was immerhin für eine halbwegs glaubwürdig gemachte Rückblende aus dem alten Ägypten sorgt. Manches Werkzeug, um Plot und Ermittlungen heranzutreiben, wirkt dagegen aus dem Hut gezaubert, etwa die Medium-Fähigkeiten von Edith Butrose (Shelley Duvall), mit deren Hilfe man durch die Augen anderer Leute sehen kann und die praktischerweise auch bei Leichen funktionieren (warum auch immer).

Vor allem aber kann „Talos“ nie ein Gefühl von Dringlichkeit vermitteln. Was die Wiedergeburt des titelgebenden dämonischen Prinzen bedeuten würde, wird nur so halb gesagt, aber auch jeden Fall nicht das sofortige Ende der Welt. Die ersten Opfer sind irgendwelche Nasen, die man nie zuvor gesehen hat; erst bei der Suche nach dem sechsten und letzten Organ (dem Herz) gerät die Gruppe ins Visier der Mumie, sodass erst gegen Ende etwas Tempo und ein bisschen Spannung aufkommt. Leider ist Mulcahys Inszenierung genauso dröge und bieder wie der Storyfluss: Von den ungewöhnlichen Kameraperspektiven, der expressiven Ausleuchtung und dem dynamischen Schnitt früherer Werke ist bei „Talos“ wenig zu sehen, stattdessen ist das standardisierte Handarbeit, die auch fast jeder andere genauso eigenschaftslos hinbekommen hätte.

So gehört der vor sich hinplätschernde und trotz prominenter Besetzung bisweilen erschreckend schlecht gespielte „Talos“ zu den Tiefpunkten in der Filmographie seines Regisseurs, der direkt davor mit dem Actionkracher „Silent Trigger“ und direkt danach mit dem stilvollen Serienkillerthriller „Resurrection“ wesentlich Besseres ablieferte. „Talos“ dagegen ist bieder inszeniertes Einerlei, mit einigen Überraschungen gegen Ende und ein paar netten Mumienangriffen. Dass Mulcahy dann auch für das Drehbuch mitverantwortlich war, macht die Schmach nur größer.

Die verbreitetste Fassung von „Talos – Die Mumie“ ist die Kinofassung, die auf Video, bei Fernsehausstrahlungen und der Einzel-DVD von Laser Paradise zu finden ist, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Die gleiche Freigabe trägt der Director’s Cut, der auf der Special Edition von Laser Paradise neben der Kinofassung zu finden ist. Bei der mir vorliegenden Version sind die DVDs allerdings falsch gestaltet: Die Kinofassung findet sich auf der Disc, auf der angeblich der Director’s Cut ist, und andersrum. Als Extras gibt es Filmographien und einen DVD-Rom-Part.

© Nils Bothmann (McClane)

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Laser Paradise__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

Tagged as: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Categorised in: Reviews, the Horror Pit

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 23837848 andere Actionnerds