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Fear Street – Teil 2: 1978

Originaltitel: Fear Street: 1978__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Leigh Janiak__Darsteller: Sadie Sink, Emily Rudd, Ryan Simpkins, Ted Sutherland, McCabe Slye, Brandon Spink, Gillian Jacobs, Kiana Madeira, Benjamin Flores Jr., Olivia Scott Welch, Eden Campbell, Marcelle LeBlanc, Ashley Zukerman, Chiara Aurelia, Michael Provost, Drew Scheid u.a.
Fear Street – Teil 2: 1978

In „Fear Street – Teil 2: 1978“ verlagern sich die Ereignisse in ein Ferienlager

Obwohl die „Fear Street“-Reihe ursprünglich als Kino-Event geplant war, erwies sich der Aufkauf durch Netflix als beinahe zwingende Konsequenz, war es doch ideales Futter für ein serien- und bingewatching-gewöhntes Publikum, das nur eine Woche nach dem Erstling dann für „Fear Street – Teil 2: 1978“ wieder einschalten konnte.

So kommt dann auch ein serienartiges, auf Wunsch überspringbares „Previously On“ zu Beginn des zweiten Films, der dann da einsetzt, wo „Fear Street – Teil 1: 1994“ aufhörte. Deena (Kiana Madeira) und Josh Johnson (Benjamin Flores jr.) haben mit der besessenen Sam (Olivia Scott Welch) im Schlepptau C. Berman (Gillian Jacobs) ausfindig gemacht, die Überlebende des Camp-Massakers von 1978. Diese hat eine Begegnung mit der Hexe überlebt und soll nun Rat geben, nur hat die Gute schwer an den Ereignissen zu knabbern. Wie eine Einsiedlerin lebt sie ihn ihrem Haus, zählt die Tage seit den Bluttaten im Kalender, sichert die Tür mit unzähligen Schlössern und muss sich von Weckern an die Erfüllung täglicher Routine erinnern lassen. Mal keines von diesen Final Girls, die den Tod des mindestens halben Freundeskreises spätestens zum Sequel weggesteckt hat – wobei die eigentliche Geschichte ja noch kommt.

Denn „Fear Street – Teil 2: 1978“ ist abgesehen von der 1994er-Rahmung zu Anfang und Ende eine einzige Rückblende in das titelgebende Jahr. Damals kam „Halloween“ raus, der den Slasher-Boom startete, in dessen Verlauf sich das Feriencamp als beliebter Schlitzer-Schauplatz etablierte, man denke an die „Freitag, der 13te“-Filme, „Brennende Rache“ oder die „Sleepaway Camp“-Reihe. Hier heißt die Location Camp Nightwing und wird von Kindern und Jugendlichen aus der Saubermannstadt Sunnyvale und dem Unglücksrabenörtchen Shadyside besucht. Aus letzterem stammen auch die Berman-Schwestern Cindy (Emily Rudd) und Ziggy (Sadie Sank). Die ältere ist Teil des Aufpasserteams, gemeinsam mit ihrem Freund Tommy Slater (McCabe Slye), die jüngere ist Gast im Ferienlager, gerät allerdings regelmäßig in Schwierigkeiten, meist mit den Sunnyvale-Teens.

Während sich das Camp auf einen großen Capture-the-Flag-Wettbewerb (den Sunnyvale traditionell im gewinnt) vorbereitet, häufen sich die unguten Vorfälle. Der grausame Höhepunkt ist erreicht, als der Fluch von einem Camper Besitz ergreift und diesen zum Axtmörder werden lässt…

Schaut euch den Trailer zur „Fear Street“-Trilogie an

Gab es im Vorgänger noch dezente Meta-Elemente, so verlegt sich „Fear Street – Teil 2: 1978“ in erster Linie auf den Nachbau der 1970er. Die Optik ist etwas körniger (aber wesentlich glatter als etwa bei Ti Wests Seventies-Retro-Slasher „X“), auf der Tonspur wird man mit einer prominenten Auswahl von Rocksongs der Ära versorgt, darunter „Don’t Fear the Reaper“ von Blue Öyster Cult, „The First Cut is the Deepest“ von Cat Stevens oder „Moonage Daydream“ von David Bowie.

Der Klangteppich wird ähnlich dick aufgetragen wie die Nineties-Mucke im Vorgänger, mancher Song wurde auch schon prominent anderweitig verwendet: „Cherry Bomb“ von den Runaways erlebte in „Guardians of the Galaxy“ seine Renaissance, „Carry On Wayward Son“ von Kansas ist die Hymne der Serie „Supernatural“. Apropos übernatürlich: Das Rezept des Hexenfluchs als Ursache für die Bluttaten bindet den Film an die größere „Fear Street“-Mythologie und hebt ihn etwas von anderen Feriencamp-Slashern ab, sonst befolgt der Film eher Genreformeln als dass er sie aufbricht.

So ist es vielleicht ein kleiner Überraschungseffekt, wer denn hier die Axt schwingt, da man den Killer zuvor nur einer Jutesack-Maske (hallo, „Freitag, der 13te – Teil 2“) sah. Das Holzhackgerät bleibt dann auch das Haupt-Mordinstrument, sodass viele Chancen des Creative Killing verschenkt werden – Pfeil und Bogen etwa kommen tatsächlich nur beim Bogenschießen zu Beginn zum Einsatz. Dafür ist „Fear Street – Teil 2: 1978“ merklich drastischer als der Vorgänger, denn hier wird auch vor Kindern nicht haltgemacht, wobei diese Morde dann nur im Off stattfinden. Ältere Opfer werden dagegen explizit enthauptet oder mit Axt perforiert, wobei der Mörder in der Tradition der Reihe sich nur die Shadysider vornimmt. Das ist selten auf Spannung gezirkelt, da es meist sehr schnell das nächste Opfer erwischt, ohne große Stalking- oder Verfolgungspassagen, aber immerhin effektiv gemacht, gerade in seiner überraschenden Schonungslosigkeit.

Natürlich hätte es „Fear Street – Teil 2: 1978“ etwas besser zu Gesicht gestanden, wenn große Teile der Opfer mehr als nur Metzelmasse wären. Entweder sie haben gar keine Eigenschaften oder sind auf Stereotypen wie die sexuell Offenherzige, den Spaßvogel oder den Kiffer reduziert. Dabei kann der Film Charakterzeichnung und wenn es eine solche Figur trifft (etwa kurz vorm Finale), dann hat er wesentlich mehr Impact. Gerade bei den Hauptfiguren legt das Script von Zak Olkewicz („Bullet Train“) und Regisseurin Leigh Janiak („Honeymoon“) erfreulich viel Sorgfalt an den Tag. Der Vater der Berman-Schwestern ist fort, die Mutter deswegen unter die Schluckspechte gegangen, weshalb der Aufenthalt im Camp Nightwing auch als Entlastung für die alkoholkranke Mama gedacht ist.

Mit dem familiären Abgrund geht jede Schwester anders um: Cindy will besonders brav sein, besteht auf Zucht und Ordnung, während sie ihr Taschengeld für ein biederes Shirt zusammengespart hat, Ziggy agiert mit No-Future-Attitüde, steht kurz vorm Camp-Verweis und wird wegen ihrer roten Haare als potentielle Hexe angefeindet. Die Verletzungen der Gegenwart, aber auch der Sunnyvale-Shadyside-Vergangenheit prägen die oft versehrten Figuren. Zum Aufpasserteam gehört auch Cindys Jugendfreundin Alice (Ryan Simpkins), mit der sie sich mittlerweile zerstritten hat, was allerdings komplexere Hintergründe hat, Ziggy findet an unerwarteter Stelle eine verwandte Seele. Das gibt dem Film eine erfreuliche Tiefe, der wenig auf Fun oder Meta-Ebenen setzt, dafür aber die Teenage Angst der 1970er gut rüberbringt.

Allerdings bedeutet das auch, dass die Subplots alle etwas interessanter und lebendiger daherkommen als der Haupthandlungsstrang. Hier ist es eben nur ein einziger Killer, der auch schon im Vorläufer als monströse Reinkarnation auftrat, das Ergebnis des Ganzen ist durch vorige Erklärungen zumindest grob bekannt: Der Axtschwinger tötete mehrere Menschen, darunter eine der Berman-Schwestern. Dieses Foreshadowing gibt dem Treiben eine düstere Note, da man von Anfang an weiß, dass eines der sympathischen Mädels die Credits nicht erleben wird, aber insgesamt ist das Gehacke dadurch etwas erwartbar. Andere, reinkarnierte Psychos haben Gastauftritte im Finale, handwerklich ist das alles sauber gemacht und hat ein paar Spannungspassagen, wenn die Protagonistinnen vor dem Killer fliehen müssen oder Katz und Maus mit ihm spielen. Das ehemalige Hexenhaus von Sarah Fier und ein Tunnelsystem mit Ausgangspunkt im Plumpsklo des Ferienlagers sind stimmige Locations, ebenso wie Camp Nightwing, das natürlich stilecht mit Badesee, Versammlungshalle und Übernachtungshütten daherkommt.

Nach der Kleinstrolle von Maya Hawke im Vorgänger darf hier mit Sadie Sink die nächste „Stranger Things“-Entdeckung reüssieren, hier sogar in einer Hauptrolle, welche die talentierte Jungschauspielerin dankbar annimmt. Als missverstandene, krawallige Schwester, die ebenso derbe austeilen kann wie sie einstecken muss, ist sie darstellerisch das große Pfund des Films. Emily Rudd („One Piece“) hat die etwas langweiligere Sauberfrau-Rolle bekommen, kann aber ebenfalls überzeugen, während der Rest vom Fest eher zweite Geige spielt. Gillian Jacobs („The Contractor“) macht in der Rahmenhandlung noch ein paar Punkte, die Belegschaft des Vorgängers hat dagegen kaum was zu tun oder Raum zum Glänzen. Kleinere Akzente setzen Ryan Simpkins („Twixt“) als Ex-Beste-Freundin mit Rauschmittelvorliebe und Ted Sutherland („Plötzlich Gigolo“) als Jugendausgabe des Sunnyvale-Sheriffs, ein Schwachpunkt dagegen ist McCabe Slye („Destroyer“), dessen mimisches Repertoire nur anderthalb Gesichtsausdrücke herzugeben scheint.

„Fear Street – Teil 2: 1978“ ist ein Mittelteilfilm, der den Vorgänger fortsetzen und das Finale vorbereiten muss, ansonsten ein eher geradliniger Slasher ist, der trotz der Zeitebenenthematik und des traditionsreichen Ferienlager-Schauplatzes auf große Metaebenen verzichtet. In Sachen Figurenzeichnung steht er allerdings die beiden anderen Filme der Trilogie klar in die Tasche, ist für ein Werk nach R.L.-Stine-Vorlage unerwartet deftig und stimmig inszeniert, was dann auch für den eher geradlinigen Mainplot entschädigt.

Als Netflix-Produktion ist „Fear Street – Teil 2: 1978“ aktuell nur dort zu sehen und wurde bisher nicht von der FSK geprüft. Der Streamingdienst empfiehlt ihn ab 18 Jahren.

© Nils Bothmann (McClane)

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