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Retrograde

Originaltitel: Retrograde__Herstellungsland: Luxemburg, USA __Erscheinungsjahr: 2004__Regie: Christopher Kulikowski__Darsteller: Dolph Lundgren, Silvia De Santis, James Chalke, Gary Daniels, Nicolas de Pruyssenaere, Dean Gregory, Scott Joseph, Lex Kreps, Derek Kueter u.a.
Retrograde mit Dolph Lundgren und Gary Daniels

“Retrograde” brachte Dolph Lundgren und Gary Daniels in einem Film zusammen. Mehr Gutes fällt einem hierzu nicht ein.

Um die Jahrtausendwende explodiert irgendwo im weiten Universum ein Stern. Einzelne Gesteinsbrocken des Himmelskörpers treiben daraufhin im All umher und eine Handvoll schlägt auf unserer Erde ein. Dummerweise bringen diese Gesteinsbrocken eine vollkommen neue Bakterienart mit sich. 200 Jahre später haben diese Bakterien fast die gesamte Menschheit ausgelöscht.

2204 wird daraufhin John Foster mit einer Spezialeinheit entsandt, um die Ursache dieser Katastrophe zu verhindern. Dementsprechend schickt man sie zurück in der Zeit, wo sie verhindern sollen, dass das Forschungsteam, das auf die Meteoriten treffen wird und sich mit den Bakterien infiziert, das Massensterben auslösen kann.

Dummerweise sehen die Special Forces John Foster als lästigen Störenfried und wollen auf eigene Faust den Auftrag ausführen. Dazu killen sie das Team um John Foster und lassen ihn angeschossen in der Eiswüste der Antarktis zurück. Hier wird er von dem Forschungsteam aufgelesen, das für das Aussterben der Menschheit verantwortlich zeichnen wird.

Fortan ist es an John, dieses Unglück zu verhindern und den Special Forces Einhalt zu gebieten. Und die Zeit drängt, denn die ersten Forschungsmitglieder tragen die Seuche bereits in sich.

Schaut in den Actioner mit Dolph Lundgren und Gary Daniels hinein

Ja, eigentlich stimmt hier von der Ausgangssituation her alles. Das Setting der Antarktis ist immer interessant und auch relativ unverbraucht. Die Bezugnahmen auf den größten Klassiker im ewigen Eis – „Das Ding aus einer anderen Welt“ – sind offensichtlich und auch die Grundlagen für eine nette Menschenhatz in den eisigsten Gefilden der Welt sind recht schnell gelegt. Somit stehen die Weichen früh auf solide B-Unterhaltung von bestem Schrot und Korn. Doch leider kommt es erstens anders und zweitens kommt es gaaaaanz anders.

Denn bei „Retrograde“ will so gar nichts wirklich zusammengehen. Das beginnt bereits bei der Story, die von der Grundidee her echt nett geraten ist. Denn Zeitreisen nehmen wir immer gern, sich wegen einer Infektion verändernde Charaktere sowieso und das Ganze verpackt man mit viel Geballer. Was will man(n) mehr?

Leider kommt der Film einfach nicht zu Potte. Schnell ist klar, auf was alles hinausläuft, nur dem Drehbuch scheint sich diese Einsicht zu entziehen. Stattdessen lauschen wir megadämlichen Dialogen von Pseudowissenschaftlern. Die Special Forces, die John Foster jagen, sind ein Musterbeispiel für Idiotie. Und Foster selbst – und damit auch Lundgren – wirkt in dem Film wie ein Fremdkörper. Und das nicht nur, weil er aus einer anderen Zeit kommt.

Mitnichten. Alles scheint an ihm vorbeizulaufen. Er kommt auf die alte Erde, um einen Seuchenausbruch zu verhindern. Ein Arzt in seiner Nähe bekommt einen Anruf, dass ein Passagier des Forschungsschiffes, auf dem „Retrograde“ in weiten Teilen spielt, sich verändere. Bei Foster kommt NULL Beunruhigung auf! Er spricht keine Warnungen an den Rest der Besatzung aus. NICHTS! Er schleicht dafür irgendwann ziellos durch irgendwelche dunklen Abschnitte des Schiffes – nur mit dem Aufhalten der Seuche hat das alles nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Die Seuche selber ist auch so ein Ding: In der Zukunft scheinen die Menschen an den Bakterien friedlich zu Grunde zu gehen. Sie sind zwar durch Ausschläge gekennzeichnet, aber so aggressiv wie die Forscher, die sich verändern, reagiert keiner. Scheinbar wusste man wohl selber nicht so genau, was das nun für eine Seuche sein sollte.

Und derlei Ungereimtheiten findet man in „Retrograde“ leider zuhauf. Erst am Ende kommt dann endlich auch mal so etwas wie Action auf, wenn John Foster die Special Forces dezimiert. Nur da hat man als Zuschauer eh schon innerlich abgeschaltet, ist doch obendrein ein durchgängiger Spannungsbogen dem Film ebenso fremd, wie diverse Logikfallen rund um Zeitreisen tief sind.

Zu der storytechnischen Armutserklärung kommt dann ganz schnell auch die optische hinzu. Die Interieurs des Raumschiffes, die zukünftige Welt, die Innereien des Forschungsschiffes, nichts schaut hier nicht trashig aus und nichts funktioniert in der Art, wie es funktionieren sollte. Wenn dann die Action im Schiff losbricht, mutiert dieses auch mehr zu einer Art Fabrikhalle und bestätigt den Eindruck, dass hier wirklich kaum Geld vorhanden war, um eine halbwegs glaubwürdige Filmwelt zu erschaffen.

Was funktioniert und dem Film auch etwas Flair gibt, sind die Szenen im ewigen Eis – allerdings nur so lange, wie keine Menschen zu sehen sind. Denn hier sieht man dann, dass man eher in etwas wärmeren Gefilden gedreht hat und nicht in der Antarktis. Deutlich zu erkennen am ins Gesicht geklebten Kunstschnee, der gefrorene Barthaare symbolisieren soll.

Die Special Effects passen sich dem miesen Niveau des Restes an und kulminieren in Raumschiff-Aufnahmen, die in Uralt PC Games wie Wing Commander (1. Teil!!!) schon besser aussahen. Die uninspirierte Kamera fängt das ganze auch noch auf absolutem Fernsehniveau ein, was in seiner Ungelacktheit die offensichtlichen Mängel der Kulissen und Effekte noch mehr entlarvt.

Was unisono für die megamiese Musik gilt. 0815 Keyboardgediller, das obendrein vollkommen falsch eingesetzt wird. Bei belanglosen Szenen dudelt im Hintergrund fast immer Musik, bei Action und Spannungselementen, wo man die Musik wirklich gebraucht hätte, lässt man sie einfach weg. Keine Ahnung, was die Filmemacher hier geritten hat.

Auch bei den Schauspielern wird es zappenduster! Dolph Lundgren hätte sich für seine damaligen Comeback-Bemühungen nach seinen ersten Anläufen mit „Detention“ und „Direct Action“ keinen schlimmeren Folgefilm wünschen können. Er lässt sich auch gar nicht erst bei irgendwelchen Versuchen, Formen der Schauspielerei anzutäuschen, erwischen und bekommt noch nicht einmal das zugeschanzt, was er am besten kann: Action ohne Ende.

Zumeist steht er mit lustiger Frisur (nahe an seiner „Masters of the Universe“-Matte) in den Kulissen herum, schert sich einen Dreck darum, was um ihn herum passiert und sondert Verbalmüll ab. Mehr ist da nicht! Der Rest des Castes dilettiert ebenfalls auf niedrigstem Niveau vor sich hin.

Nur Gary Daniels („Recoil“), der hier – wie in „Submerged“ – neben einem der Großen des B-Bereichs auftreten darf und auch weitaus mehr Screentime als in dem Seagal-Vehikel bekommen hat, überzeugt mit einer grundsympathischen Performance. Bei der aber vor allem seine Kampfsportfähigkeiten massivst außen vor gelassen werden. Seine einzige Actionszene wirkt obendrein unbeholfen choreographiert und inszeniert. Dennoch bleibt sein Charakter am längsten in Erinnerung.

Richtig das Genick gebrochen bekommt „Retrograde“ in der deutschen Synchronfassung. Etwas Mieseres habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr hören müssen. Da stimmt gar nichts. Hier bewegen sich die Lippen noch munter weiter, während der Synchronsprecher nichts mehr zu sagen hat. Manchmal bewegen sich die Lippen auch einfach so, ohne das irgendwer spricht. ALLE Stimmen und Charaktere passen NULL zusammen.

Lundgren hat nach „Joshua Tree“ zum zweiten mal eine vollkommen unpassende, einschläfernde Stimme bekommen und allgemein wird hier so emotionslos irgendwelcher Ruß als Text aufgesagt, dass jeder Porno dagegen klingt wie ein Synchronmeisterwerk. Zum Glück liefert die deutsche DVD den englischen Originalton mit.

„Retrograde“ geht als einer der miesesten Lundgren-Filme durch

Was bleibt, ist ein storytechnisch gar nicht mal soooo schlecht klingender B-Film, der mit Gary Daniels und Dolph Lundgren zudem zwei namhafte B-Stars im Gepäck hat, allerdings in ALLEN filmtechnisch relevanten Punkten wie Inszenierung, Spannungsaufbau, Figurencharakterisierung, Actionchoreographie, Effekte, Optik, Musik, Logik und Schauspiel massivst danebengreift! Fraglos einer der schlechtesten Lundgrens überhaupt.

2 von 10

Die DVD kam bereits von verschiedensten Labels wie MIG oder Best Entertainment. Eine Blu-ray erschien von Deutsche Austrophon GmbH und Great Movies. Die Datenträger sind mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Deutsche Austrophon/Great Movies__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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