| Originaltitel: Southland Tales__ Herstellungsland: USA-Frankreich-Deutschland__ Erscheinungsjahr: 2008__ Regie: Richard Kelly__ Darsteller: Dwayne Johnson, Seann William Scott, Sarah Michelle Gellar, Justin Timberlake, Holmes Osborne, Wallace Shawn, Miranda Richardson, Nora Dunn, Cheri Oteri, John Larroquette, Mandy Moore, Bai Ling, Jon Lovitz, Zelda Rubinstein, Lou Taylor Pucci, Christopher Lambert, Kevin Smith, Beth Grant, Will Sasso, Amy Poehler, Curtis Armstrong, Todd Berger, Janeane Garofalo, Eli Roth, … |

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Nachdem Regisseur und Drehbuchautor Richard Kelly 2001 mit seinem zum Philosophieren und Diskutieren anregenden Indie-Kult-Klassiker „Donnie Darko“ debütierte und sich auf diesem Wege den mit großer Hoffnung verbundenen Ruf eines „neuen cineastischen Wunderkinds“ erwarb, präsentierte er der erwartungsvoll gespannten Öffentlichkeit am 21. Mai 2006 auf dem Filmfestival in Cannes dann erstmals sein zweites abendfüllendes Werk: Den gewagten, ungewöhnlichen Genremix „Southland Tales“. Leider entwickelte sich die Vorführung zu einem inzwischen legendären Desaster von nahezu „the Brown Bunny“-artigen Ausmaßen: Am Ende jener drei schwierig zu kategorisierenden Stunden hagelte es seitens der weitestgehend überforderten Zuschauer Pfiffe, Buhrufe und mehrheitlich vernichtende Kritiken – mit bis zu einhundert Personen, die den Saal gar vorzeitig verlassen haben sollen. Urplötzlich war die Produktion verschrien und Kelly in Zugzwang – so dass er sein Opus infolge dessen fast 18 Monate lang überarbeitete. „Sony“ gewährte ihm dafür etwas über eine weitere Million Dollar für zusätzliche und verbesserte visuelle Effekte, er selbst begab sich an Reshoots, fügte erläuternde Voiceover-Kommentare hinzu und fertigte eine um rund 20 Minuten (auf nun „nur noch“ 144) erleichtere alternative Schnittfassung an – welche schließlich im November 2007 einen limitierten Kino-Release erhielt sowie an der US-Boxoffice geradezu wie ein Bleigewicht versank: Im Grunde keine wirkliche Überraschung, denn unkonventionelle Projekte haben es bekanntlich ja nie leicht, ein größeres Publikum zu finden – selbst ohne überdies noch eine solch ausgefallen-eigenwillige Beschaffenheit und gebrandmarkte Reputation aufzuweisen…

This is the Story of the Journey down the Road not taken…
In 29 Tagen für eine (speziell für ein Unterfangen dieser Ambitionsgröße) eher niedrige Summe von $15 Millionen realisiert, hatte Kelly zuvor (nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001) weite Teile seines ursprünglichen (u.a. kleiner skalierten) Konzepts zugunsten einer veränderten, sich brisanten „frisch aufgewühlten“ Thematiken á la Propaganda, Krieg, Politik, Religion, Überwachungs-Techniken sowie der manipulativen Macht und Rolle der Medien annehmenden Ausrichtung verworfen und diese in eine komplexe Vision eingebettet, die weit über den eigentlichen Streifen hinausreicht. Innerhalb dieses ehrgeizigen Rahmens liefern drei die Vorgeschichte aufzeigende sowie vielerlei Hintergründe preisgebende Comics bzw. Graphic Novels einen zentralen „Schlüssel“ zu der Materie: Die Titel „Two Roads Diverge“, „Fingerprints“ und „the Mechanicals“ tragend, verbanden sich jene gemeinsam mit dem Content der informativ und schick gestalteten offiziellen Website zu einem reichhaltigen „multimedialen Erlebnis“. Entsprechend untergliedert sich das vorliegende Werk in die Kapitel IV, V und VI – welche jeweils nach einem Musik-Tack benannt wurden: „Temptation Waits“ von Garbage, Moby’s „Memory Gospel“ sowie „Wave of Mutilation“ der Pixies. Unglücklicherweise waren allerdings bloß die wenigsten dazu bereit, sich auf das alles in seiner Gänze einzulassen. Heute, in 2026 – also zwei Dekaden nach seiner Entstehung – sind viele der konkreten Inhalte übrigens erneut (oder besser gesagt: noch immer) topaktuell – siehe diesbezüglich nur mal bspw.: US-Angriffe auf den Iran, Blockade der Straße von Hormus sowie rekordhohe Benzinpreise…
We saw the Shadows of the Morning Light, the Shadows of the Evening Sun – till the Shadows and the Light were one…
Eröffnet wird mit einer am 04. Juli 2005 angesiedelten, dank ihrer Inszenierungsweise durchaus ein Stück weit beklemmenden Pre-Credits-Sequenz, die aus den Aufnahmen einer auf einem Kindergeburtstag in Texas herumgereichten Videokamera besteht, welche zufällig die Detonation einer von Terroristen über die mexikanische Grenze ins Land geschmuggelten Atombombe festhält. In den folgenden (bis zur Gegenwart verstrichenen) drei Jahren war daraufhin der dritte Weltkrieg ausgebrochen – was die Staatsführung, Wirtschaft und Volksmeinung gleichermaßen beeinflusst und verändert hat: Zwangsrekrutierte amerikanische Soldaten kämpfen fernab der Heimat simultan an mehreren Fronten (u.a. in Afghanistan, Syrien und Korea), die Regierung hat die Kontrolle über das Internet übernommen und überwacht seine Bürger nun via verschiedener Instrumente, das Voranschreiten der Erderwärmung verschlimmert sich stetig und kapitalismusfeindliche militante Untergrund-Organisationen (darunter die von Venice Beach aus geführten „Neo-Marxisten“) gewinnen aus den Reihen der Bevölkerung immer mehr Anhänger und Sympathien. Inmitten all dem bildet Kalifornien „das Zünglein an der Waage“ bei der laufenden Präsidentschaftswahl, bei der die Förderung alternativer Energiequellen ein zentrales Thema markiert (um die Abhängigkeit von Öllieferungen, die aus Krisenregionen stammen, zu beenden). Letzteres Problem scheint jedoch vor seiner Lösung zu stehen, da es dem deutschen Baron von Westphalen (Wallace Shawn) gelungen ist, eine Methode zu entwickeln, mit der sich aus der Kraft des Ozeans eine schier unerschöpfliche („Fluid Karma“ genannte) Energieform gewinnen lässt. Das also ist die Ausgangssituation, in der sich die aufgezeigten Ereignisse entfalten…
Don’t look so scared, Mr. Santaros – the Future is just like you imagined…
Kürzlich ist der mit Madeline Frost Santaros (Mandy Moore), Tochter des republikanischen Vizepräsidentschafts-Kandidaten Senator Bobby Frost (Holmes Osborne) verheiratete Action-Schauspieler Boxer Santaros (Dwayne Johnson) irgendwo in der Wüste Nevadas nach einem dreitägigen Verschwinden erwacht, ohne sich an bestimmte Dinge erinnern zu können. Gemeinsam mit Porno-Darstellerin, Sängerin, Talkshow-Moderatorin und Media-Darling Krysta Now (Sarah Michelle Gellar) hat er seither eine Skript-Vorlage mit dem Titel „the Power“ verfasst, in welcher es u.a. um eine sich nähernde „Apokalypse“ geht – weswegen er nun (in Vorbereitung auf seinen Part) den rassistischen Polizisten Taverner (Seann William Scott) bei dessen Dienst auf den Straßen der „brodelnden“ Metropole begleitet. Was er aber nicht weiß, ist dass jener in Wahrheit Taverner’s (ebenfalls von Scott gemimter) Zwilling ist: Ein Fallujah-Veteran, der für die „Neo-Marxisten“ agiert und für deren Sache die Identität seines Ebenbilds angenommen hat, da jene Gruppierung Senator Frost mit kompromittierenden Aufnahmen erpressen sowie zum Zurücknehmen einer die Freiheiten der Menschen einschränkenden Verordnung zwingen will. Als Baron von Westphalen auf Boxer’s geradezu „prophetische Züge“ besitzendes Drehbuch aufmerksam wird, gerät dessen Autor vollends ins Visier diverser Interessensgruppen: Die meisten jagen ihn – nur wenige wollen ihm in irgendeiner Weise (tatsächlich) helfen. Immer neue Schichten unterschiedlicher Agenden, Verstrickungen und Motive (inklusive weiterer Fragen und Verwirrungen) kommen ans Tageslicht: Bspw. ist von einem Riss im Raum/Zeit-Kontinuum die Rede, stellt sich „Fluid Karma“ außerdem als halluzinogene Droge nutzbar heraus, mit der illegal an verwundeten Soldaten (unter ihnen Justin Timberlake) experimentiert wurde – und kündigt sich obendrein (so wie’s aussieht) sowohl eine „Messias-Gestalt“ als auch das Ende der Welt an…

This is the Way the World ends: Not with a Whimper – but with a Bang…
Indirekt sagt diese mehrfach im Verlauf wiederholte Umkehr der Schlusszeilen des 1925er T.S. Eliot Gedichts „the Hollow Man“ viel über die Beschaffenheit dieser ungewöhnlichen Produktion aus – denn einerseits wird die richtungsweisende „Doomsday-Thematik“ veranschaulicht; auf der anderen markiert die Verwendung und Einbindung des Zitats eine der multiplen „Spitzen“ des Massivs an Theorien, Gedankenkonstrukten und Inspirationen, welche Kelly in seiner schwer zu klassifizierenden Geschichte vereinte, von der meine gelieferte Inhaltsangabe bestenfalls die Schale ankratzt. „Southland Tales“ ist eine wüste, nichtsdestotrotz beseelte Kombination aus Gesellschaftskritik, schwarzer Komödie, Satire, Drama sowie Polit- und Paranoia-Thriller – angereichert mit Soap-Opera-, Musical-, Science-Fiction- und Fantasy-Elementen. Mehr oder minder offensichtliche Verbeugungen und Anspielungen an solch individuelle Vorbilder wie Andy Warhol, Alex Cox, David Lynch, Robert Frost, Thomas Pychnon, Philip K. Dick, Kurt Vonnegut, George Orwell, Stanley Kubrick oder Kathryn Bigelow’s „Strange Days“ sind in fast jeder Passage auszumachen. Die Dichte dieser Verknüpfungen ist beeindruckend – zumal da noch unzählige weitere (u.a. aus der Bibel, Pop-Kultur, aktuellen Weltlage sowie den neuen Medien) hinzukommen. Mit einer intensiven Analyse ließe sich eine Diplomarbeit bündig ausfüllen. So bemerkenswert sich das alles auch lesen bzw. anhören mag, muss ich allerdings ebenso denjenigen durchaus Recht geben, die (nicht nur in Anbetracht der Zuschauerreaktionen und Kritikerstimmen zum Teil bereits im Vorfeld) zu der Auffassung gelangt sind, dass es Kelly wohl nicht unbedingt gelungen ist, seine kreativen Ideen und Plotstränge optimal miteinander zu verweben – ansonsten hätten wir es hier nämlich mit einem bahnbrechenden Meisterwerk zu tun, das untrüglich auch als solches anerkannt worden wäre. So manches mutet tatsächlich verhältnismäßig überfrachtet, bruchstückhaft oder „zu lose verschnürt“ an – bloß verfügt das Gebotene dennoch über einen derart stattlichen Qualitäts- und Entertainmentgrad, dass man beileibe nicht von einem „Desaster“ sprechen kann; bestenfalls von einem gewissen Scheitern auf hohem Niveau…
I’m a Pimp – and Pimps don’t commit Suicide…
„Southland Tales“ wartet mit einem gut aufgelegten sowie reizvoll zusammengestellten Cast-Ensemble auf, das dank der kollektiven Hingabe und Spielfreude eine Menge zur Wirkung des extravaganten Ganzen beiträgt. Der erstmals ohne seinem prominenten Namenszusatz „The Rock“ in den Credits gelistete Dwayne Johnson („San Andreas“) überzeugt neben anderem mit Charisma und amüsanten Manierismen in der augenfällig an Arnold Schwarzenegger angelehnten Hauptrolle: Boxer Santaros ist ein erfolgreicher Hollywood-Actionstar, der in eine mächtige politische Familie eingeheiratet hat und selbst entsprechende Ambitionen hegt. Außerdem heißt seine Figur in „the Power“ Jericho Kane – siehe dazu „End of Days“. Ihm zur Seite steht sein „the Rundown“-Screen-Partner Seann William Scott, der in manchen Szenen seine Fähigkeiten im dramatischen Fach überraschend kompetent zur Schau stellt. Als Krysta ist Sarah Michelle Gellar („Ready or Not 2: Here I come“) einfach klasse und verkörpert so ungefähr eine Mischung aus Paris Hilton, Jenna Jameson und Arianna Huffington: Sie sieht blendend aus, ihr komödiantisches Timing passt – und es bereitet einem Laune, sie etwa beim Trinken ihres eigenen Energy-Drinks, Diskutieren in einer Blondinen-Talkshow-Runde, Plaudern über ihre Beteiligung an „Cockchuggers 2: Cockchuggin“ oder beim Singen des Songs „Teen Horniness in not a Crime!“ zu erleben…
Die restlichen Parts sind zwar deutlich weniger reichhaltig ausgestaltet geraten – doch wurden diverse der bekannten Gesichter/Aktuere nett „gegen den Strich“ besetzt. Nora Dunn („Three Kings“) und Cheri Oteri („Surveillance“) sind hier als zwei „Neo-Marxisten“ zu sehen, Jon Lovitz („Trapped in Paradise“) verkörpert einen eiskalten Killer, die wunderbare Mandy Moore („47 Meters Down“) Boxer’s Ehefrau Madeline, Holmes Osborne („Identity“) Senator Frost, John Larroquette („Richie Rich“) einen nicht unsympathischen Freund der Familie, Christopher Lambert („Resurrection”) einen aus einem Ice-Cream-Van heraus operierenden Waffenhändler, Bai Ling („Everlasting“) ein „sexy Anhängsel“ sowie Kevin Smith („Yoga Hosers“) einen Terror-Chef mit Rauschebart und ohne Beine. Neben „Poltergeist“-Medium Zelda Rubinstein’s Auftritt und einem Cameo von Horror-Spezi Eli Roth („Aftershock“) müssen überdies auf jeden Fall der köstlich überzogen agierende Wallace Shawn („Clueless“) als Baron von Westphalen, Miranda Richardson („Sleepy Hollow“) als wachsame Leiterin der „Big Brother is watching you“-Überwachungszentrale sowie Multi-Talent Justin Timberlake („the Social Network“) als von Narben gezeichneter Pilot Abilene positive Erwähnung finden – worüber hinaus ebenso noch u.a. Lou Taylor Pucci („Evil Dead“), Beth Grant („Flags of our Fathers“), Will Sasso („Clown in a Cornfield“) und Amy Poehler („Moxie“) mit von der Partie sind…
History repeats itself – first as Tragedy, second as Farce…
Während „Donnie Darko“ bewusst zu Zeiten Ronald Reagans spielt(e), wurde „Southland Tales“ gleichsam nicht ohne Grund sowohl in der wahrscheinlich „oberflächlichsten“ City des Landes als auch in der nach „9/11“ vorherrschenden George Walker Bush Ära angesiedelt. Gezielt griff Kelly verschiedene in den Medien sowie den Köpfen der Menschen damals präsente Themen auf und verarbeitete diese zu einer Thriller-Satire, welche – so mancher skurrilen, absurden oder humorvoll emporgetriebenen Ausprägung zum Trotz – niemals „zu utopisch-abstrakt“ anmutet. Dem Betrachter bietet sich eine zynische, mit Ironie verdichtete Posse, die einen auf fantasievolle Weise in ihren Bann zieht. Kapitalismus und Konsumismus werden aufs Korn genommen, Staatsmänner opfern für wirtschaftliche Macht gar eigene Gliedmaße und Werbeprodukte benötigen nicht einmal mehr menschliche Testimonials, da sich die moderne Technik quasi selbst vermarktet, verkauft und reproduziert: Ein kurzer Clip, der den Sex zweier Fahrzeuge (!) zeigt, veranschaulicht das perfekt – genauso wie ein vom „Hustler“-Magazin gesponserter Kampfpanzer die Tatsache, dass kommerzielle Interessen selbst vorm Krieg nicht Halt machen. Terroristen haben erfolgreich Schrecken und Paranoia gesät, Nachrichten-Sendungen schüren im Zuge ihrer reißerischen Berichterstattung diese Ängste zusätzlich – und so schränkt die Regierung die Freiheiten der Bürger ein und dringt in deren Privatsphären vor; selbstverständlich „zu ihrem eigenen Wohle“…
Generell greifen die Leute in Phasen der Verunsicherung und Furcht seit jeher gern auf ihren Glauben zurück, der sie schützen und von der harten Realität ablenken soll: „Opium fürs Volk“. All diese Fäden, Ansätze und Denkanstöße laufen bei einer Figur zusammen: Pilot Abilene, der Erzähler dieser Geschichte – ein verwundeter, entstellter, zu Testzwecken missbrauchter und dadurch abhängig gewordener Irak-Veteran, der nun am Strand die Offshore-Einrichtung des Barons mit einem großkalibrigen Gewehr bewacht. Sein mit Zitaten (u.a. aus dem Buch der Offenbarung) angereichertes, gefühlskaltes Voiceover zeigt uns geradezu „den Weg“ auf: Ohne seine Worte wären wir, die Zuschauer, tendenziell verloren. Ferner sorgt er für den wohl brillantesten Moment des Streifens, als er (im Drogenrausch) plötzlich aus dem Nichts heraus den The Killers Song „All these Things that I’ve done“ (in Vollplayback) zum Besten gibt und dabei eine ausgezeichnet choreographierte surreale Sequenz durchläuft, welche symbolische Dinge wie Blut, Arcade-Geräte, Army-Erkennungsmarken, Budweiser-Bier, Marilyn-Monroe-Krankenschwestern sowie zig amerikanische Flaggen umfasst. Genial – besonders die finalen (eindringlich-vielsagenden) Sekunden dieser (am Stück) rund 2,5 Minuten…

Scientists are saying the Future is going to be far more futuristic than they originally predicted…
In handwerklicher bzw. technischer Hinsicht gibt es eigentlich so gut wie nichts an dem Endergebnis zu beanstanden. Sicher, einige Effekte besitzen keine Referenzqualität – bloß fallen diese nie irgendwie Unmut erzeugend ins Gewicht. Cinematographer Steven B. Poster („Amityville: The Awakening“) rückte die Geschehnisse ansprechend ins Bild, die Ausstattung schmeichelt dem Auge und Sam Bauer’s („the Box“) Editing ist angepasst stimmig – ebenso wie die inspirierte Musikuntermalung, welche sowohl Moby’s anregend-atmosphärischen Score als auch eine originell gewählte Track-Auswahl umfasst. Der gesamte, sich hauptsächlich in des Barons „Megazeppelin“ entfaltende Schlussakt ist förmlich ein optischer wie auditiver Leckerbissen – vorrangig dank des Interieurdesigns, einer netten Tanznummer sowie einer coolen Variante der US-Nationalhymne von Rebekah Del Rio (unvergessen: ihre Gesangseinlage in „Mulholland Dr.”). Den konkreten Showdown sehe ich indes als „okay“ an – nur wäre es meiner Meinung nach besser gewesen, wenn man sich für jene Phase mehr Zeit genommen und sie zudem noch etwas zuspitzend intensiver gestaltet hätte…
Wie man persönlich die Sache mit einem schwebenden Eiscreme-Wagen sieht, bleibt jedem selbst überlassen: Für mich ist sie ein weiterer Punkt auf der langen Liste an schrägen Einfällen, die einen speziellen Reiz ausüben, weil sie im Kontext miteinander harmonieren sowie von einem Level an Kreativität zeugen, den man so kaum mehr gewohnt ist. Es ist schier unmöglich, all diese Phänomene (wie ein verzögertes Spiegelbild), Gags, Gadgets (Waffen, mit denen man um die Ecke zielen und schließen kann), versteckte Hinweise und Details (einzelne Zeilen der News-Einblendungen, Boxer’s religiöse Tattoos, ein lateinisches Caligula-Zitat an der Seite eines Streifenwagens etc.) zu entdecken und entsprechend zu würdigen: Wiederholte Sichtungen bieten sich dahingehend definitiv an – sofern man denn dazu bereit ist. Das Ganze ist schlichtweg zu komplex dafür, dass man es in dieser Lauflänge sinnvoll hätte aufarbeiten können – weshalb manchmal ein leicht episodenhafter Eindruck entsteht, der einigen garantiert missfallen dürfte. Nicht wenige werden vor der Flut an Protagonisten, Handlungssträngen und Informationen kapitulieren sowie die Schuld daran weit von sich weisen. Gern würde ich mal die Langfassung (also den „Cannes-Cut“) zu Gesicht bekommen – nicht nur um Janeane Garofalo („Cop Land“) häufiger zu sehen, welcher man viel ihrer Screentime „geraubt“ hat, sondern um Zeuge der gewiss interessanten „vollständigeren“ Vision ihres Schöpfers zu werden…
If „Donnie Darko“ was Kelly’s „Eraserhead“ – then maybe „Southland Tales“ is his „Dune“…
Dieser Satz eines Kritikers trifft den Kern der Angelegenheit meines Erachtens relativ gut – wobei jeder seine eigenen Schlüsse daraus ziehen kann (ich selbst mag Lynch’s Version des Frank Herbert Stoffes, welche damals an den Kinokassen ebenfalls übel floppte). So einige im Erstlingswerk des Regisseurs zu entdeckende und angegangene Elemente griff Kelly im Zuge seines zweiten Spielfilms erneut auf: Eingebettet in einem vollkommen anderen Kontext, wird einem der „Zugang“ zur Materie dieses Mal jedoch von dem weitaus größeren inhaltlich-konzeptionellen Umfang sowie dem Fehlen einer prägnanten Identifikations-Komponente (á la Vorstadt, High School, Familie, heranwachsender Außenseiter) erschwert. Aufmerksamkeit ist gefragt – passives Konsumieren dagegen nicht. Antworten müssen aktiv angestrebt werden, da man sie nicht „auf einem Silbertablett“ präsentiert erhält – doch die Mühe lohnt sich. Alles in allem ist „Southland Tales“ eine einzigartige, mehrschichtige, unvorhersehbare, sich von der Masse der faden wie konventionellen cineastischen Kost da draußen abhebende Produktion: U.a. aufgrund ihrer überfrachtet anmutenden Beschaffenheit zwar beileibe nicht perfekt – unabhängig dessen allerdings löblich ambitioniert, auf stattlichem Niveau inszeniert sowie durchweg unterhaltsam…
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Hierzulande ist „Southland Tales“ auf DVD und BluRay erhältlich.
Stefan Seidl

(© Samuel Goldwyn & Destination Films sowie Sony & Universal Pictures)
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| Copyright der „Southland Tales“ Cover-/Postermotive und Pics: Cherry Road Films / Darko Ent. / MHF Zweite Academy Film / Eden Roc Prod. / Persistent Ent. / Academy Film / Inferno Distribution / Wild Bunch / Graphitti Designs (Comics) / Samuel Goldwyn Films, Destination Films, Sony Pictures (US) / Universal Pictures (D)__ Freigabe der dt. VÖ: FSK-16__ DVD/BluRay: ja/ja |





