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Spenser Confidential

„Spenser Confidential“ markiert die fünfte Zusammenarbeit von Mark Wahlberg und Regisseur Peter Berg. Der Actionstar schlüpft in diesem für Netflix produzierten Hard-Boiled-Krimi in die Rolle von Robert B. Parkers Romanheld Spenser. Der Ex-Cop kommt nach fünf Jahren aus dem Knast, muss jedoch nach seiner Entlassung auf eigene Faust ermitteln, als sein früherer Vorgesetzter ermordet wird.

Originaltitel: Spenser Confidential__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: Peter Berg__Darsteller: Mark Wahlberg, Winston Duke, Alan Arkin, Iliza Shlesinger, Michael Gaston, Bokeem Woodbine, Marc Maron, James DuMont, Post Malone, Colleen Camp, Hope Olaide Wilson, Kip Weeks, Thomas Rosales Jr. u.a.
Spenser Confidential

In der fünften Kooperation von Mark Wahlberg und Peter Berg, “Spenser Confidential”, verkörpert der Star Robert B. Parkers Romanhelden

Es fing 2013 mit „Lone Survivor“ an: Die Zusammenarbeit von Mark Wahlberg und Regisseur Peter Berg, der seitdem quasi nur noch mit seinem Star dreht („Deepwater Horizon“, „Boston“ und „Mile 22“). Bei so viel Vertrautheit kann man auch mal neues Terrain betreten, etwa zusammen den ersten Netflix-Film der jeweiligen Karriere drehen; in diesem Falle den Hard-Boiled-Krimi „Spenser Confidential“.

Dieser könnte Testballon für eine ganze Reihe von (Netflix-)Filmen sein, denn die zugrundeliegende Figur entspringt der Feder Robert B. Parkers und trat in bisher 48 Romanen auf. Die ersten 40 schrieb Parker selbst, seit seinem Tod im Jahr 2010 führt Ace Atkins die Reihe weiter. Spenser (Mark Wahlberg) ist gemäß seiner Vorlage ein harter Kerl der alten Schule. Einer, der seinen Vorgesetzten bei der Polizei, Captain Boylan (Michael Gaston), krankenhausreif prügelt, als dieser die Ermittlungen in einem Mordfall blockiert und die eigene Ehefrau schlägt. Einer, der dies jederzeit wieder tun würde, aber auch ohne mit der Wimper zu zucken die Konsequenzen dafür trägt: Verlust der Polizeimarke und fünf Jahre Knast.

So ein Kerl braucht nicht viel, wenn er aus dem Bau kommt: Einige Stunden in der LKW-Fahrschule, um einen neuen Job anfangen zu können, die Zuwendung seiner Hündin und die Hilfe eines alten Kumpels, bis er wieder auf die Beine kommt. Für letzteren Support sorgt Spensers Mentor Boxtrainer Henry (Alan Arkin), bei dem der Ex-Cop unterkommt. Allerdings läuft nicht alles wie geplant: Spenser hat einen Zimmernachbarn, den hünenhaften Hawk (Winston Duke). Der sorgt für das Buddy-Element, das mit seiner Figur auch schon in den Romanvorlagen angelegt war – ein schwarz-weißes Ermittlerduo in der Art von „Lethal Weapon“ und Co., wenngleich Spenser die klare Hauptfigur und Hawk sein Sidekick ist.

Denn Spensers Gerechtigkeitssinn hindert ihn an der neuen Truckerkarriere: Als Boylan ermordet wird und die Bostoner Polizei einen Kollegen, der angeblich direkt darauf Selbstmord beging, als Täter präsentiert, riecht der Ex-Cop Lunte. Bei seinen Nachforschungen muss er feststellen, dass auch ein Fall aus seiner eigenen Vergangenheit mit in die Angelegenheit hineinspielt…

Spenser Confidential

Buddy-Duo: Spenser (Mark Wahlberg) und Hawk (Winston Duke)

„Spenser Confidential“ ist ein Hard-Boiled-Actionkrimi der alten Schule – im positiven wie im negativen Sinne. Gerade plotseitig ist das Ganze Hausmannskost nach ganz altbekanntem Rezept. Schon wenn ein geheimnisvoller Anrufer Boylan zu dem Busdepot beordert, wo er verhackstückt wird, ahnt man bereits, dass korrupte Cops hinter der Sache stecken. Sobald die Polizei nach halbgaren Ermittlungen ihren Sündenbock hat, wird die Ahnung zur Gewissheit – und zu diesem Zeitpunkt ist der Film quasi immer noch in der Exposition. Auch sonst reißen die Twists der Story beileibe keine Bäume aus, zumal das Drehbuch wenig echtes Interesse daran zeigt: Ein ortsansässiger Kingpin mit Sportwagen und Zuhälteroutfit sowie eine Machetengang sind die Partners in Crime der Korrumpels, es geht um einen Casinobau und wirklich tiefer ins Detail gehen die Erläuterungen des Drehbuchs dann nicht, für das man neben Drehbuchdebütant Sean O’Keefe immerhin Brian Helgeland („Fletchers Visionen“) verpflichtete. Die schurkischen Cops weisen sich zudem offensichtlich durch ihr Verhalten aus, weshalb es weder für den Zuschauer noch für Spenser eine große Überraschung ist, wer da genau Dreck am Stecken hat.

Wesentlich interessanter als der Plot ist da das Figureninventar. Gerade die Paarung von Spenser und Hawk überzeugt. Auf der einen Seite der etwas ältere Ex-Cop, der seine Ruhe möchte, Ur-Bostoner ist und seinem Ehrenkodex folgt. Auf der anderen Seite der von Hip Hop und exotischer Küche begeisterte Jüngere, der gerne MMA-Champ werden möchte. Spenser ist dagegen der klassische Boxer, aber das gemeinsame Techniktraining sorgt dann für das Bonding, während ihre Gegensätze und Wortgefechte Raum für Buddy-Komik lassen. Mit seinem lakonischen Mentor Henry und seiner streitbaren, aufbrausenden Ex-Freundin Cissy Davis (Iliza Shlesinger) hat Spenser noch zwei weitere Anspielpartner, womit für einige flotte Sprüche und humorvolle Situationen gesorgt ist, etwa beim Wiedersehen von Spenser und der Verflossenen in einem Diner.

Spenser Confidential

Henry (Alan Arkin) ist Spensers Mentor und Box-Trainer

Diese Herangehensweise erinnert an „Jack Reacher“: Ein ironisch gebrochener Pulp-Held in einem Hard-Boiled-Film. So ist Spenser zwar ein tougher Typ, aber kriegt öfter eine aufs Maul – Hawk merkt an einer Stelle auch kritisch an, dass Spenser für jemanden, der sich so viel prügelt, mäßig erfolgreich ist. Ähnlich humorvoll geht der Film die zahlreichen Einschüchterungsversuche vonseiten Spensers Gegnern an: Ein Running Gag besteht darin, dass ihm immer wieder ans Herz gelegt wird Boston zu verlassen, was der Ex-Cop eigentlich vorhat – erst nach das Nachhaken macht ihn misstrauisch. Ebenfalls sehr amüsant ist Hawks Reaktion, als er von den Untaten eines Gangsters hört: Die Geschichten über Mord und Einschüchterung hört er stoisch an, doch als er erfährt, dass der Übelwicht eine Katze als Warnung gemeuchelt hat, marschiert zu dessen Prollkarre und kratzt ein Katzengesicht in den Lack.

Doch trotz des Humors und der ironischen Brechungen vergisst „Spenser Confidential“ seine Wurzeln als zupackender Hard-Boiled-Krimi nicht und erzählt von Korruption, der ein einsamer Held der Arbeiterklasse mit Herz und Hand beikommen will. Mit Mark Wahlberg ist dafür der ideale Star gefunden, der für Peter Berg auch schon in früheren Kooperationen den Malocher-(Action-)Helden gab, als Ermittler mit einfachen Methoden und abgesägter Schrotflinte aber auch stark an seine „Vier Brüder“-Rolle erinnert. Mit Winston Duke („Avengers: Endgame“) hat er einen hervorragenden Partner gefunden, mit dem er nicht nur wunderbar frotzeln kann, sondern der auch die spezielle Mischung aus Zen-haftem Ruhepol und MMA-Wüterich grandios verkörpert. Alan Arkin („Zwei vom alten Schlag“) als lakonischer alter Sack ist in seinem Element, während Iliza Shlesingers („Plötzlich Familie“) Crissy mit ihrer Mischung aus Herzigkeit und Wutanfällen ebenfalls eine Marke ist. Leider fehlt es diesem Protagonistenquartett an gleichwertigen Gegenspielern, denn die Fieslingsriege kann dem kaum etwas entgegensetzen, denn es fehlt an wirklich herausragenden Antagonisten, auch wenn in schurkischen bis zumindest zwiespältigen Rollen immerhin Bokeem Woodbine („The Big Hit“), Michael Gaston („Cop Land“) und Post Malone („Spider-Man: Into the Spider-Verse“) kleinere Akzente setzen.

Spenser Confidential, Mark Wahlberg

Spensers Ex-Freundin Cissy Davis (Iliza Shlesinger) kann zuckersüß, aber auch sehr aufbrausend sein

Wenn Spenser es aber mit fiesen Schurken oder grantigen Ex-Kollegen zu tun bekommt, dann fliegen durchaus mal die Fäuste oder die Kugeln. Das alles auf eher bodenständige Weise, ähnlich Old School und Down to Earth wie der Held an sich. Ein Faustkampf auf dem Kneipenklo, eine Wemmserei mit machetenbewehrten Schurken im Imbiss und das Finale mit ein paar gecrashten Autos stehen unter anderem auf dem Speiseplan, auf angenehm altmodische Art, mit gelungener Stunt- und Fight-Arbeit unter der Aufsicht von Wayne Dalglish („Wonder Woman“) und Marco Morales („Bright“), untermalt von einem treibenden Score von Steve Jablonsky („Transfomers“). Aber die Actionszenen setzen nur gelegentliche Akzente, zum reinen Genrereißer wird „Spenser Confidential“ dadurch freilich nicht.

Wenn man aber nicht das große Spektakel, sondern einen Hard-Boiled-Krimi der alten Schule mit gelegentlichen Kämpfen, Schießereien und Stunts erwartet, dann liefert „Spenser Confidential“ durchaus. Der Plot ist freilich nur Genrestandard, die Bösen schnell als solche identifizierbar, aber nicht allzu charismatisch. Da reißt es dann das Quartett aus Spenser und seinen Sidekicks heraus, die frotzelnd und streitend für Unterhaltungswert sorgen. Nicht so gut wie der artverwandte „Jack Reacher“, aber eine solide Basis für eventuelle Nachfolger – mit Luft nach oben.

Da „Spenser Confidential“ ein Netflix-Film ist, gibt es ihn nur bei dem Streamingdienst zu sehen. Eine offizielle FSK-Prüfung gab es nicht, Netflix schlägt eine Freigabe ab 16 Jahren vor, die passend erscheint.

© Nils Bothmann (McClane)

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