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Die’ced – Night of the Scarecrow

Originaltitel: Die’ced: Reloaded__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Jeremy Rudd__Darsteller: Eden Campbell, Jason Brooks, Christine Rose Allen, John Karyus, Nigel Vonas, Collin Fischer, Esha More, Ryan Chen, Nika Kleiman, Mahsa Shokri, Marie Bergenholtz, Amy L. Erickson u.a.
Die'ced - Night of the Scarecrow Artwork

In „Die’ced“ geht ein Killer im Kostüm einer Vogelschauche auf eine brutale Mordtour durch Seattle.

Ich denke, über DAS neue Horrorfranchise „Terrifier“ muss ich an dieser Stelle keine großen Worte mehr verlieren. Aufgrund des Erfolges des neuen Splatter-Stars Art the Clown reibt sich auch und vor allem das Studio Epic Pictures (unter seinem Label „Dread“) die Hände, ließen die Streifen um den Killerclown doch ordentlich die Kassen klingeln. Derartige Erfolge müssten doch aber auch mit anderen Figuren zu wiederholen sein, oder?

Auftritt Benjamin Newman. Der Serienkiller durfte 2023 erstmals in dem Kurzfilm „Die’ced“ seinem wahnsinnigen Tun nachgehen. Der einstündige Streifen versammelte eine kleine Fangemeinde um sich und Epic Pictures / Dread wurden auf ihn aufmerksam. Sie orderten eine Spielfilm-lange Version des Kurzfilmes. Dafür eisten sie auch etwas Budget los.

Regisseur Jeremy Rudd zog darum noch einmal große Teile von Cast und Crew seines Kurzfilmes zusammen und drehte etwa 25 Minuten an neuem Filmszenen. Parallel wurde das Material des Kurzfilmes professionell überarbeitet und remastered. Dann wurden „altes“ und „neues“ Material sinnig zu „Die’ced: Reloaded“ vereint und das Ergebnis erzählt folgende Geschichte:

Serienkiller Benjamin sitzt seit 17 Jahren in einer Psychiatrie ein. Er leidet unter einer dissoziativen Identitätsstörung und hält sich selbst für ein Kind. Als sich ihm kurz vor Halloween die Möglichkeit zur Flucht offeriert, greift er brutal zu. Wieder in Freiheit, killt er unversehens einen Typen, der Halloween als Vogelscheuche kostümiert feiern wollte.

Benjamin schmeißt sich in das Kostüm und zieht eine blutige Spur durch Seattle. Sein Ziel: Die Familie von Cassandra. Warum ausgerechnet die auf Benjamins To-Do-Liste so weit oben steht, ist das große Rätsel von „Die’ced“.

Schaut in den Film hinein

Blutiger Horror auf den Spuren von „Terrifier“

Dass der Killerclown und das um ihn herum gesponnene Franchise eindeutig Pate für „Die’ced“ standen, bekommt man schon beim expliziten Opening brachial aufs Butterbrot geschmiert. Denn Benjamin kennt mit seinen Opfern genauso wenig Gnade wie Art. Und „Die’ced“ ist nicht nur ein Möchtegernabklatsch, der in Sachen Härte nicht einmal in die Nähe des Vorbildes kommt. Fürwahr nicht.

Wenn einem Mann Wachsmalstifte in Ohren und Nasenlöcher gerammt werden, der Arm gebrochen und ein Finger abgerissen wird, nur um hernach mit dem Opfer Tic Tac Toe zu spielen, hat sicher auch Art the Clown ein Grinsen im Gesicht. Wenn diese Szenerie im weiteren Verlauf des Filmes sogar noch gesteigert wird, indem Gesichtshäute ekeligst abgetrennt und beinahe kunstvoll an den Leichen drapiert werden, ist auch klar, warum „Die’ced“ in Deutschland bei der FSK durchgescheitert ist.

Benjamin hat Spaß an seinem Tun. Erst recht, wenn er dann als Vogelscheuche unterwegs ist. Diese erinnert in ihrem Verhalten und Auftreten überdeutlich an Art. Wird also als eine Art Pantomime gereicht, spricht nicht und hat so manche Grimasse für ihre Opfer in petto. Freilich kann man so direkt bemängeln, dass Benjamin eher eine recht offensichtliche Kopie und weniger eine neue Ikone fürs Genre ist.

Handlungstechnisch kann man im Vergleich zum großen Vorbild zumindest konstatieren, dass sich Regisseur Jeremy Rudd nach eigenem Drehbuch eher kurz hält. Sein „aufgeblasener Langfilm“ hat gerade mal 75 Nettominuten auf der Uhr. Entsprechend flott landet man auch im Showdown. Bis dahin wurde man mit den Genre-Klischees eines Slashers zugeballert und im Zuge dessen ganz nett unterhalten, wenngleich bis auf Killer Benjamin keine Figur irgendeinen echten Background bekommt.

Ist dann der Showdown durchgestanden, fängt „Die’ced“ auf einmal das Erzählen an. Direkt fragt man sich, wieso Jeremy Rudd mit all diesen Entwicklungen erst so spät kommt. Sie hätten dem Film gut gestanden. Freilich soll so ein zweiter Teil eingeleitet werden. Wobei freilich fraglich ist, ob der je kommt. Kurzum: Hier wird eine Menge in den letzten Minuten verschenkt.

Problematisch für die Gesamtwahrnehmung ist, dass die positiv besetzten Figuren, wie soeben angedeutet, keine Vertiefung erfahren. Entsprechend sitzt man etwas teilnahmslos vor der Glotze, selbst wenn es dem Papier nach durchaus wichtige Figuren erwischt. Nicht nur hier kann der Film keine Spannung aufbauen. Auch bei den Kills lässt er Körner liegen. Diese kommen teils etwas zu sehr aus dem Nichts. Es fehlt also ein „Kriegt er sie oder kriegt er sie nicht?“-Aufbau. Dadurch mangelt es an Intensität. Hier ist ein Art the Clown doch weitaus besser getaktet.

Das weitaus gewichtigere Problem, vor allem für einen Film dieser Machart, ist, dass „Die’ced“ in Richtung Finale immer mehr an Schwung verliert, was die Brutalität angeht. Ungefähr ab der Filmmitte ist auf einmal der Wurm drin. Die Kills hauen nicht mehr so rein und vor allem der Showdown ist schon eine echte Enttäuschung, was das Explizite angeht.

Und das ist echt schade, denn der für die Special Effects zuständige Jason Brooks, der im Übrigen auch Benjamin spielt, lässt sich eigentlich nicht lumpen und matscht zumeist beherzt mit Lack, Latex und Kunstblut herum. Das ist durchgehend handgemacht und sieht richtig toll aus. Chapeau. Darstellerisch macht Brooks seine Sache im Übrigen auch gut, leidet aber halt darunter, dass sein schräg maskierter Vogelscheuchen-Benjamin zu sehr als Kopie von Art angelegt ist.

Die übrigen Darsteller sind durch die Bank okay. Hier stinkt dann eher „Terrifier“ ab, dessen Darsteller dagegen doch deutlich amateuriger wirken. Vor allem Eden Campbell („Fear Street: Part Two – 1978“) hat mir als Cassandra richtig gut gefallen. Einzig ein paar größere Massenszenen – etwa Partys der hier präsentierten Jugendlichen – wirken doch seltsam steif. Ein weiteres echtes Highlight ist der Score von „Night Wolf“, der sich durchgehend aus coolen Synthwave-Stücken speist.

„Die’ced“ muss sich nicht vor „Terrifier“ verstecken

Man merkt von Anfang an, dass „Die’ced“ sowohl als große Verbeugung vor den Slashern dieser Welt im Allgemeinen und ihrer neuen Ikone Art the Clown im Besonderen angelegt ist. Der brutale Horrorfilm bedient die gängigen Klischees souverän, schwächelt aber in seiner Dramaturgie. Dass die interessantesten Entwicklungen in den letzten fünf Minuten steigen, entlässt einen unbefriedigt aus der Story. Auch die Figuren wirken arg desolat. Zumindest wird der Film sehr kurzweilig runtererzählt.

Wo er richtig einen raushaut, sind die harschen, liebevoll in Handarbeit umgesetzten Splattereinlagen. Die machen richtig Spaß und müssen sich vor „Terrifier“ definitiv nicht verstecken. Leider zieht Regisseur Jeremy Rudd nach furiosem Auftakt ungefähr auf der Filmmitte die Handbremse und nimmt deutlich den Furor raus. Gute Darsteller und ein schöner Soundtrack bilden dafür echte Pluspunkte.

Das Ergebnis ist mitnichten eine neue Ikone des Horrorfilmes, aber zumindest ein „Terrifier“-Trittbrettfahrer, der sich sehen lassen kann. Ganz im Gegenteil etwa zu „Screamboat“, der ja zuletzt damit prahlte, von den Machern von „Terrifier 2 + 3“ zu stammen und dann kein Stück zu liefern wusste.

06 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film kommt am 02. April 2026 von Tiberius Film. Der Film hat ungeschnitten eine SPIO/JK-Freigabe. Am 12. März startete er bereits in seine digitale Auswertung.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film__Freigabe: SPIO/JK__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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