Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Dragon Wars – D-Wars

Originaltitel: D-War__Herstellungsland: Südkorea__Erscheinungsjahr: 2007__Regie: Shim Hyung-rae__Darsteller: Jason Behr, Amanda Brooks, Robert Forster, Craig Robinson, Aimee Garcia, Chris Mulkey, John Ales, Elizabeth Peña, Billy Gardell, Holmes Osborne, NiCole Robinson, Geoff Pierson, Cody Arens, Kevin Breznahan, Jody Carlson, Matthias Hues, Derek Mears u.a.
Dragon Wars - D-Wars

Zum Cast des Monsterfilms „Dragon Wars – D-Wars“ gehört neben Jason Behr, Amanda Brooks und Robert Foster auch Matthias Hues

Der koreanische Regisseur Shim Hyung-rae arbeitete von 2001 an am Monsterfilm „Dragon Wars – D-Wars“, dem nach seiner Fertigstellung ein Kinostart in den USA vergönnt war, hierzulande nur die DVD-Premiere. Nachdem Columbia Tristar schon anno 1999 seinen vorigen Monsterfilm-Billighobel „Reptilian“ in westliche Videotheken gebracht hatte, war allerdings auch der Kontakt für den Vertrieb beim Mutterkonzern Sony da.

Eine Erzählerin führt kurz in die Mythologie der Imoogi ein – Riesenschlangen, die durch das Opfer einer Auserwählten an deren 20. Geburtstag zu mächtigen Drachen werden dürfen. Allerdings hat es bösartige Abtrünnige Buraki auch auf diese Macht abgesehen. Aber weil die Erklärung nicht reicht oder nicht gut genug aussieht, folgt man dem Reporter Ethan Kendrick (Jason Behr), der zum Ort einer Katastrophe kommt. Dort erinnert er sich daran, wie vor 15 Jahren mit seinem Vater im Laden von Jack (Robert Foster) war. Der wiederum weihte ihn in das Geheimnis der Imoogi ein, weil Ethan durch das Fummeln an einer mythischen Truhe seine wahre Natur offenbarte. So beginnt der Film mit einer Rückblende innerhalb einer Rückblende, die als rund 20-minütige Exposition für den nicht mal 90 Minuten langen Film fungiert.

Aber immerhin darf „Dragon Wars“ hier schon erstmals auf die Pauke hauen. Denn Jack und Ethan sind die Wiedergeburten eines Meisters und eines Schülers, die dereinst die vorige Auserwählten-Inkarnation beschützen sollten. Dummerweise verliebte sich der Schüler in die Holde und fand die Idee von deren Opferung daher bedeutend weniger geil. Als Buraki und seine Armee antrabten, die Stadt nebst Bewachern plattmachten und unter den Zivilisten nach der Auserwählten (erkennbar am angeborenen Drachentattoo) suchten, war der Liebe dann keine große Zukunft mehr beschieden, also entschlossen sich beide für den Freitod, sodass in jenem Zyklus keine Riesenschlange die Beförderung zum Drachen erhielt. Damit sorgt die Rückblende für die erste Action, die ersten Erklärungen (alle 500 Jahre wiederholt sich der ganze Zinnober) und die ersten Logiklücken, etwa warum die Figuren einer alten koreanischen Legende jetzt alle als US-Amerikaner wiedergeboren wurden. Das hat in erster Linie produktions- und vermarktungstechnische Gründe, denn die koreanische Crew drehte mit US-Cast am Handlungsort Los Angeles.

Wieder in der Gegenwart ist Ethan jedenfalls klar: Der Zwischenfall kann nur dem Wiederauftauchen Burakis geschuldet sein. Dummerweise hat sich Schnarchnase Ethan nicht wirklich darauf vorbereitet, sodass er nur den alltäglichen Vornamen der Auserwählten kennt: Sarah (Amanda Brooks). Auf die machen nun die Mächte des Guten und des Bösen Jagd…

Schaut euch den Trailer zu „Dragon Wars – D-Wars“ an

Auf den ersten Blick mag man sich noch wundern, dass ein Direct-to-Video-Filmchen wie „Dragon Wars“ so aufwändig daherkommt, doch mit etwas Recherche lernt man, dass der Film mit einem veranschlagten Budget von 35 Millionen Dollar gedreht wurde, das eventuell noch deutlich überzogen würde (verschiedene Quellen sprechen von einer Endsumme zwischen 70 und 99 Millionen Dollar). Mit ungefähr zeitgleich erschienenen Hollywood-Blockbustern wie „Transformers“ oder „Iron Man“ kann „Dragon Wars“ dann FX-technisch vielleicht nicht konkurrieren, doch meistens sehen die Tricks nach dem Budgetniveau aus, auf dem produziert wurde, denn die Riesenschlangen und andere Kreaturen fügen sich meist organisch in die Umgebungen ein. Eine Ausnahme ist das fast ausschließlich animierte Finale, das dann doch eher PC-Spiel-Qualität hat, was aber vielleicht auch an der Künstlichkeit des Ganzen liegen mag.

Allerdings merkt man schon am Aussehen und am Design vieler Kreaturen und dämonischer Heerscharen, dass Shim Hyung-rae kein allzu kreativer Kopf ist. Neben koreanischen Volkssagen stehen Blockbuster wie „Der Herr der Ringe“ und „Star Wars“ nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch Pate – bei den Dino-Viechern mit den Kanonen auf dem Rücken mag man an manche Gungan-Truppen aus „The Phantom Menace“ denken. Auch bei den generischen, schwarz gekleideten Butzemännern hat man Vorbilder wie Darth Vader, die Nazgul oder ein bisschen den Terminator vor Augen, bei fliegenden Monstren und kämpfenden Riesenschlangen das kreatürliche Personal aus Werken wie „Jurassic Park“ oder der „Godzilla“-Reihe. Filmisch setzt sich dies fort, denn ganze Einstellungen und Motive wirken wie kaum verhohlene Versionen der offensichtlichen Vorbilder.

Was man „Dragon Wars“ zugutehalten kann, ist, dass er zügig auf den Punkt geht. Die rund 90-minütige Laufzeit ist allerdings auch auf erste Testvorführungen zurückzuführen, nach denen rund 20 Minuten aus dem Film entfernt. Das mag auch der Grund dafür sein, dass B-Actionrecke Matthias Hues („Bloodsport: The Red Canvas“), Derek Mears („Shelby Oaks“) und drei weitere Darsteller im Abspann zwar als Kopfgeldjäger geführt werden, man diese im Film aber quasi gar nicht ausmachen kann. Ob die Straffung dem Film erzählerisch geschadet hat, ist allerdings zu bezweifeln, denn: Shim Hyung-rae kann einfach nicht erzählen. Das fängt schon bei ebenso abgeschmackten wie zusammengeklauten Fantasy-Plotte an, die ohne wirklichen Spannungsbogen erzählt wird. Nachdem sich Ethan und Sarah gefunden haben, rennen sie in einer Tour vor Buraki und dessen Schergen davon, während Soldaten und andere Figuren als Kanonenfutter für die Schurken dienen. Natürlich wiederholt sich die Liebesgeschichte zwischen der Auserwählten und ihrem Beschützer, weil Schicksal und so – nicht, dass man dies der Handlung, den Dialogen und den Schauspielleistungen wirklich abkaufen würde.

Denn selbst mit echten Könnern in der Hauptrolle würde das Drehbuchmaterial von Shim Hyung-rae nichts hergeben, doch anstelle von Könnern standen nur Jason Behr („Pleasantville“) und Amanda Brooks („Stiletto“) zur Verfügung, wie ein Großteil der Belegschaft in erster Linie im TV beheimatet. Beide spielen sich amateurhaft, hölzern und unglaubwürdig durch ihre Szenen. Robert Foster („Peacemaker“) macht noch das Beste aus seiner Rolle, bekannte Gesichter wie Chris Mulkey („Der Killer im System“) als FBI-Agent, Geoff Pierson („Jack und Jill“) als Verteidigungsminister und eine vollkommen lustlose Elizabeth Pena („Free Willy 2“) als FBI-Agentin werden völlig verschenkt. Für manche stand die größere Bekanntheit noch bevor: Komiker Craig Robinson („Songbird“) muss als Kameramann, der gleichzeitig auch noch Recherchekünstler ist (sind anscheinend Alleskönner bei Ethans Sender), ungewohnt ernst spielen und macht dabei eine semi-glückliche Figur, „Lucifer“-Forensikerin Aimee Garcia schaut kurz als Sarahs beste Freundin, Mitbewohnerin und Vornewegopfer für die Riesenschlange vorbei.

„Dragon Wars“ fühlt sich holprig zusammengeschrieben an, was durch das Fehlen einer konsistenten inneren Filmlogik noch verstärkt wird. Dass die böse Riesenschlange sich durch ein paar popelige Revolverkugeln ablenken lässt, wenn sie eigentlich am Ziel ist und die Auserwählte vor den Beißerchen hat, das kann man ja noch als monsterfilmtypisch durchgehen lassen. Anderes macht dagegen selbst filmintern null Sinn. Jack und Ethan sind also quasi Meister und Schüler, doch der Schüler ist nicht eingeweiht, wenn der Meister ihm in anderer Gestalt hilft. Das mag auch noch sinnig sein, wenn Jack sich als Arzt darstellt, um Ethan in den bewachten Flügel eines Krankenhauses zu schleusen. Warum der Meister in einer Szene als hilfreiche Autofahrerin vorbeischaut und nicht als er selbst, das weiß der Geier. Die größten Knaller kommen allerdings im Finale, wenn das Medaillon des Helden urplötzlich zum Leben erwacht und ohne irgendein Zutun fast die kompletten Heerscharen des Bösen einäschert. Urplötzlich schaut auch noch der gute Imoogi zwecks Hilfe vorbei, nachdem er den vorigen Film wohl auf der faulen Schlangenhaut lag. Wären Medaillon und Imoogi mal was früher aus dem Quark gekommen, dann wären Hunderte von Toten verhindert worden, aber ein bisschen Schwund ist ja immer. Das Bizarre daran ist: Meistens erzählt Shim Hyung-rae seinen Film mit heiligem Ernst, dass es fast unfreiwillig komisch ist, während die eingestreuten Comedy-Einlagen (alte Lady will einem Geisterkrieger folgen, der durch eine Wand geht; ein traumatisierter Zoowärter sieht die Riesenschlange genau in dem Moment, wo die Psychologin nicht hinschaut) dann bemüht und unlustig daherkommen.

Immerhin sieht man den Aufwand in den Spektakelszenen, die nicht allein aus dem Rechenknecht kommen, sondern manchmal auch echte Panzer und ein paar Animatronics neben lauter Viechern, Hubschraubern etc. aus dem PC auffahren. Die Auftaktschlacht ist ganz ansehnlich, noch etwas besser ist ein Wirework-lastiger Kampf zwischen den Heerscharen des Bösen und dem Meister-Schüler-Duo in der Rückblende. Zu Beginn des letzten Drittels kommt dann das Filetstück, eine Riesenschlacht zwischen Militär und Kreaturenhorden in Los Angeles, in dem sich Buraki um ein Gebäude windet, Hubschrauber und Flugechsen einander in Häuserschluchten bekriegen, Kanonen-Dinos durch die Straßen traben usw. Der Showdown ist, wie gesagt, versaubeuteltes Computerzeug, andere Set Pieces mäßig (etwa in der Buraki-Höhle). Einige nette Ideen sind dabei, etwa wenn Buraki zur Stärkung nach dem Wiedererwachen eine Handvoll Elefanten wegsnackt, wobei man davon nicht so viel sieht, ähnlich wie von den meisten menschlichen Opfern, denn da ist „Dragon Wars“ einfach harmloses Blockbusterzeug, nur eben aus Südkorea. Allerdings fällt selbst bei den aufwändigeren Actionszenen auf, dass es kaum einen Spannungsbogen gibt, man kaum mit den Figuren mitfiebert und einem sämtliche Verluste irgendwie am Popo vorbeigehen. Auch der Score von Steve Jablonsky („Borderlands“) kann da nur mäßig etwas verbessern, auch wenn der Komponist sich durchaus Mühe gibt.

Dementsprechend ist „Dragon Wars“ ein Beispiel für eine seelen- und ideenlose Großproduktion, nur eben aus Korea. Vieles ist eine Kopie besserer Vorbilder, Shim Hyung-rae kann weder als Drehbuchautor noch als Regisseur einen Spannungsbogen aufbauen oder eine fesselnde Geschichte erzählen, von den Blödheiten und Logikfehlern des Käses mal abgesehen. Immerhin macht „Dragon Wars“ in einigen Set Pieces durchaus Laune, gerade die Schlacht in L.A. holt noch ein wenig die Kohlen aus dem Feuer. Von den üblen Mängeln des Ganzen kann das aber nur teilweise ablenken.

„Dragon Wars – D-Wars“ wurde in Deutschland von Sony auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es ein Making Of, Storyboard-Film-Vergleiche, eine Bildergalerie mit Concept Art und Trailer.

© Nils Bothmann (McClane)

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Sony__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 24136949 andere Actionnerds