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Anaconda (2025)

Originaltitel: Anaconda__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Tom Gormican__Darsteller: Jack Black, Paul Rudd, Steve Zahn, Thandiwe Newton, Daniela Melchior, Selton Mello, Ione Skye, Ice Cube, Jennifer Lopez, Sebastian Sero u.a.
Anaconda

In Tom Gormicans Comedy-Reboot „Anaconda“ bekommen es Paul Rudd, Jack Black, Thandiwe Newton und Steve Zahn es mit einer Riesenschlange zu tun

Remakes und Reboots sind seit geraumer Zeit ein fester Bestandteil der Filmwelt, gerade die großen Klassiker erfahren meist Neuauflagen. Aber was ist mit Filmen, die von der Kritik eher abgestraft wurden und nur in bestimmten Kreisen Kultstatus genießen? Dieser Frage nimmt sich „Anaconda“ von 2025 an.

In der Filmwelt des Reboots verbinden die Jugendfreunde Doug McAllister (Jack Black), Ronald Griffin jr. (Paul Rudd), Claire Simons (Thandiwe Newton) und Kenny Trent (Steve Zahn) gute Erinnerungen mit dem Luis-Llosa-Original, Erinnerungen an wiederholte Sichtungen während der unbeschwerten Collegezeit. Aktuell sind die Zeiten nicht so rosig: Der passionierte Regisseur Doug dreht nur noch gleichförmige Hochzeitsvideos, Claire ist frisch geschieden und Kenny ist nach längerer Alkoholsucht trocken. Also Buffalo-trocken, nichts Härteres als Bier oder Wein. Ronald ist immerhin seinem Traum nach Hollywood gefolgt, wo er sich jedoch als mäßig erfolgreicher Schauspieler durchschlägt, dessen größter Stolz eine Rolle in vier Folgen von „S.W.A.T.“ ist, ehe seine Rolle aus der Serie geschrieben wurde. Alle sind mehr oder weniger in der Midlife-Crisis, insofern hat „Anaconda“ für sie einen großen emotional-nostalgischen Wert.

Noch größere nostalgische Gefühle brechen jedoch hervor, als sie sich zu Dougs Geburtstagsfeier in der alten Heimat wiedersehen und auf der Party einen Amateurfilm schauen, den sie unter Dougs Regie als Schüler gedreht haben. Ronald nutzt die Stimmung für eine Offenbarung: Er besitzt die Remakerechte an „Anaconda“ und will den Film gemeinsam mit ihnen machen. Doug sträubt sich erst, gibt aber nach, der Rest steigt und ein trotz eines überschaubaren Budgets bricht man in den Dschungel auf. Dort wird auch die Einheimische Ana Almeida (Daniela Melchior) von finsteren Gesellen verfolgt, wie man aus der Auftaktsequenz weiß, womit „Anaconda“ schon früh auf seine Abenteuer- und Horrorparts hinweist, ehe erstmal eine kurze Weile amerikanische Vorstadtidylle und Midlife-Crisis angesagt ist.

Das US-Quartett engagiert einen Schlangenexperten inklusive Anaconda und chartert ein Boot, um den Amazonas hinab zu fahren und zu drehen. Die flüchtige Ana gibt sich als Kapitänin aus und alles läuft gut, bis es Schlangenprobleme gibt. Nicht nur mit dem mitgebrachten Exemplar, sondern auch einem wesentlich größeren Verwandten, der in der Wildnis lebt…

Schaut euch den Trailer zu „Anaconda“ an

Mit „Massive Talent“ hatte Regisseur und Co-Autor Tom Gormican schon einen Metakomödie über das Filmemachen gedreht, weshalb er vielleicht prädestiniert für dieses augenzwinkernde Reboot war, das er gemeinsam mit Kevin Etten („Beverly Hills Cop: Axel F“) verfasste. Wobei Nicolas Cage ein dankbareres Popkulturphänomen ist als Llosas Monsterhorror von 1997. Gelegentlich werden Szenen des Originals im Dialog besprochen oder anderweitig zitiert, während es sonst die Prämisse von den Normalos ist, die trotz eingeschränkter Mittel ihren großen Filmtraum verwirklichen wollen. Hin und wieder gibt es Szenen vom Film-im-Film-Dreh, die sich jedoch weniger mit dem Filmemachen an sich oder mit „Anaconda“ auseinandersetzen, sondern eher die Figurendynamiken unterstreichen: Ronald und Claire, die als Schüler mal was hatten, spielen im Film ein Paar und nähern sich auch so wieder an, Entscheidungen über Screentime und dergleichen stellen die realen Freundschaften auf die Probe usw. Denn alle vier bringen ihr Päckchen mit: Ronald gab es alles für seinen Traum auf, Doug folgte ihm nicht, Doug musste Kenny wegen Trunkenheit beim Hochzeitsvideogeschäft feuern usw.

Anaconda

Die Jugendfreunde Doug McAllister (Jack Black) und Ronald Griffin jr. (Paul Rudd) kommen dem Horror näher als ursprünglich angedacht

Es spricht für das Talent des Cast, dass all diese Elemente auch im überdrehteren Comedy-Kontext funktionieren. Paul Rudd („Ghostbusters: Frozen Empire“) spielt mal wieder den sympathischen Hallodri und Lebenskünstler, dem man auch seine schlechten Seiten gern verzeiht. Jack Black („Jumanji – The Next Level“) hält sich zurück, gibt hier nicht die Wildsau, sondern den braven Familienvater, ist aber auch in dieser Rolle sehr souverän und muss nicht auf wilde Szenen verzichten – die wohl einprägsamste hat sogar ein Wildschwein parat. Steve Zahn („Eenie Meanie“) gibt es den selbstzerstörerischen Chaoten als Mischung aus Comedic Sidekick und ansatzweise tragischer Figur, Thandiwe Newton („Solo: A Star Wars Story“) ist die patente Frau, die Teil der Gruppe ist: Keine klassische Stimme der Vernunft oder ein sonstiges Klischee, sondern ebenso enthusiastisch bei dem Unternehmen dabei wie die Jungs. Daniela Melchior („Road House“) setzt Akzente als geheimnisvolle Flüchtige, Selton Mello („Für immer hier“) kaspert etwas durchwachsen als spleeniger Schlangentrainer. Der Rest vom Cast hat wenig Screentime, auch Ione Skye („Wayne’s World“) als Dougs Ehefrau nicht, während mit Jennifer Lopez („The Mother“) und Ice Cube („Ride Along – Next Level Miami“) zwei Darsteller des Originals Cameos haben – wobei letzterer gleich noch seinen Cameo aus „xXx 3: The Return of Xander Cage“ mitzuzitieren scheint.

Als Horrorkomödie wiederum schreibt „Anaconda“ die Komödie wesentlich größer als den Horror, was angesichts von Cast und Trailer allerdings auch wenig verwunderlich ist. Das merkt man schon am Design der titelgebenden Schlange, die nicht nur eine reine CGI-Kreatur ist, sondern zu überlebensgroßen Proportionen aufgeblasen wurde. Wo das Original oft auf Animatronics setzte und zumindest ein gewisses Maß an Furcht und Schrecken aus dem Tier kitzeln wollte, da ist dies hier ein reines Monster, das meist offscreen killt, selten für wirklich explizite Ekelmomente da ist und in erster Linie entbehrliche Nebenfiguren weghappst. Die Schlange sorgt für ein paar derbe Gags, wenn mal wieder jemand überraschend weggeschnappt oder unverdaut ausgespuckt wird, außerdem für ein großes, explosionslastiges und effektreiches Finale, ist dann insgesamt aber ein Aufhänger für Action und Gags.

Anaconda

Claire Simons (Thandiwe Newton) und Kenny Trent (Steve Zahn) wollen bei der Umsetzung von Ronalds Reboot-Träumen helfen und geraten mit in Teufels Küche

Als Komödie ist „Anaconda“ aber doch ein ganz netter Schmunzelfilm geworden, dessen Story eher sekundär ist, aber immerhin ein, zwei recht überraschende Plottwists parat hat. Mindestens einer davon wäre sogar noch überraschender, wenn man ihm nicht im Trailer spoilern würde. Doch das Timing aller Beteiligten stimmt, manche Slapstickeinlage ist auch witzig (etwa der schiefgelaufene Dreh am Bootsheck). Sicher, die große Komik ist das nicht, vieles davon ist hektisches Rumgerenne und -geschreie, was vielleicht eine Parodie auf Figuren in klassischen Monsterfilmen ist, vielleicht aber einfach nur der laute Comedy-Stil des Ganzen, zwischen dem sich leise Zwischentöne zu (geplatzten) Lebensträumen einschleichen. Dass „Anaconda“ den Hang zu großen Themen in Blockbustern auf die Schippe nimmt (für Doug und Ronald darf ihr Remake nicht einfach nur ein Film über eine Schlange, die Leute frisst, sein), ist da ein nettes Augenzwinkern.

Das „Anaconda“-Reboot ist also ein Film, der sehr genau weiß, wo er steht und was er will: Comedy mit Horrortouch bieten, etwas Ironie auf Filmemachen im Allgemeinen und „Anaconda“ im Speziellen einflechten und die Komiker in den Hauptrollen ihren gewohnten Stiefel runterspielen lassen. Nichts daran ist allzu clever, die Trefferquote der Gags ist okay, ohne allzu große Brüller aufzufahren, während der Cast immerhin gut abliefert. „Anaconda“ ist beim Schauen ganz nett, aber alles andere als nachhaltig. Einen Kultfaktor unter Genrefans wie das Original wird sich diese Komödie am Ende des Tages dann wohl nicht erarbeiten.

Starke:

Sony bringt „Anaconda“ am 25. Dezember 2025 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 25.12.2025

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