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Bullet in the Dark

Originaltitel: When the Bullet Hits the Bone__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 1996__Regie: Damian Lee__Darsteller: Jeff Wincott, Michelle Johnson, Douglas O’Keeffe, Richard Fitzpatrick, Phillip Jarrett, Roy Lewis, Howard Jerome, Torri Higginson, Jennifer Pisana, Jack Jessop, Eileen Sword u.a.
Bullet in the Dark

In Damian Lees “Bullet in the Dark” sagt Jeff Wincott einem Drogensyndikat den Kampf an

Innerhalb von zwei Jahren drehte Jeff Wincott im Laufe seiner B-Actionkarriere vier Filme mit Regisseur Damian Lee („Moving Target“), wobei „Bullet in the Dark“, im Original treffender „When the Bullet Hits the Bone“ genannt, das Abschlussprojekt dieser Phase darstellt.

Mit Schusswunden und in Knochen steckenden Projektilen setzt sich der Arzt Jack Davies (Jeff Wincott) tagtäglich auseinander. Bei seiner Arbeit sieht er die Folgen des Drogenhandels: Überdosen und Opfer von Beschaffungskriminalität, wie er im Off-Kommentar erzählt, den der Film sporadisch einsetzt. Ein rüdes Erweckungserlebnis hat er, als er Lisa (Michelle Johnson) helfen will, die in einer Gasse bedrängt wird. Die junge Mutter arbeitet gezwungenermaßen für den Drogenbaron Nick Turner (Douglas O’Keffee) und will sich absetzen, doch seine Schergen holen sie zurück. Jack ist dabei im Weg und erhält von Daemon (Roy Lewis) eine Kugel.

Allerdings überlebt der Arzt, dem eine Not-OP das Leben rettet. Schlechte Nachrichten für Turner und seine Crew, die gerade einen Deal mit korrupten Politikern wie Senator Striker (Richard Fitzpatrick) am Laufen haben, der besser nicht auffliegen soll. Der erste Mordversuch an dem unliebsamen Zeugen hat allerdings direkt das Potential Unmengen weiterer unliebsamer Zeugen zu produzieren, wenn Daemon und seine Jungs Jacks Krankenzimmer mit gezogenen Wummen stürmen und wild herumballern. Gut, dass der Arzt vorher die Kurve gekratzt hat und mit Hilfe der Krankenschwester Allison (Torri Higginson) entkommt. Seltsamerweise produziert was Geballer im Krankenhaus und auf dem Parkplatz keine weiteren Zeugen, da großer Statistenmangel herrscht und beides menschenleer ist. Allerdings kennt Jack auch das Kennzeichen von Turners Limousine, was ihn besonders unliebsam macht, wie das von Damian Lee verfasste Script erklärt.

Verwundeter Held flieht mit Krankenschwester, wird bei ihr aufgepäppelt und entwickelt Gefühle für sie – das kennen wir doch aus „Hard to Kill“. Die entsprechenden Parallelen sind jedoch passé, als Turners Killer Allison beim nächsten Mordversuch an Jack über den Haufen schießen. Der wiederum will seinen persönlichen Kreuzzug gegen die Drogen damit beginnen, dass er Lisa aus Turners Gewalt befreit…

Bullet in the Dark

Arzt Jack Davies (Jeff Wincott) greift im Drogenkrieg zur Waffe

Der Everyman als Actionheld – spätestens seit dem Erfolg von „Auf der Flucht“ ein etabliertes Konzept, das Damian Lee hier auf B-Niveau zu kopieren versucht. Das schlägt sich in den Actionszenen dann dergestalt nieder, dass man von den Martial-Arts-Fähigkeiten des Hauptdarstellers nichts sieht. Außerdem erschießt er höchst selten Gegner, sondern bedroht diese mit der Waffe. Daher kommen die meisten Feinde zu Tode, wenn sich eine dritte Partei in den Streit einmischt und die Schurken einander über den Haufen ballern. Das hat den einen oder anderen blutigen Einschuss zur Folge. Hinzu kommen ein paar Härten durch den Sadismus der Übelwichte, die bei Befragungen auch schon mal Finger abschneiden oder gierige Informanten bei lebendigem Leibe verbrennen, wenn die zu unverschämte Forderungen stellen. Vieles davon passiert allerdings auch in der ungekürzten Fassung offscreen, sodass die Härten eher durch den Sadismus der Schurken und weniger durch explizite Darstellungen kommen. Dementsprechend ist der Actiongehalt auch nicht allzu hoch: Eine Schießerei hier, eine Verfolgungsjagd da.

Also besitzt „Bullet in the Dark“ einen hohen Thrilleranteil und das wird zum Problem, denn oft zeigen sich die schreiberischen Inkonsequenzen des Films. Lisa ist mal eine toughe Handlangerin, die einen Senator zusammenschlägt und entführt, dann ein Psychowrack, das einen General vertrimmt, dem sie sexuell gefällig sein soll, an anderer Stelle ein verheultes, hilfloses Nervenbündel. Ähnlich sieht es bei dem Helden aus, der erst schwört, dass er als Arzt keinen sinnvollen Beitrag im Drogenkrieg geleistet hat und nun richtig ins Feld ziehen will, dessen Kampf gegen die Sucht im Lande dann aber darin bestehen soll Lisa plus Tochter aus Turners Gewalt herauszuschlagen. Auch dolle ist das Gimmick, dass Jack seine Ausweise wegwirft, um das John Doe unerkannt in den Kampf zu ziehen, dank eines verschreibungspflichtigen Medikaments aber bei erster Gelegenheit wieder als Jack Davies identifiziert werden kann, weshalb die Schurken alsbald seinen Eltern auf der Matte stehen. So steckt der Film voller halbherzig angedachter, aber nie wirklich konsequent fortgeführter Ideen – ähnlich sieht es mit der bereits erwähnten, sporadischen Verwendung von Off-Kommentaren aus.

Bullet in the Dark

Nur von kurzer Dauer: Jacks Glück mit Krankenschwester Allison (Torri Higginson)

So hält sich die Spannung in Grenzen, wenn Lisa und ihre Tochter wie zwei MacGuffins zwischen Jack und den Schurken hin und her geschoben werden. Immerhin überzeugt „Bullet in the Dark“ durch seine raue, gelegentlich fatalistische Stimmung, wenn Jack den vermeintlich aussichtslosen Kampf gegen das Syndikat angeht. Durch eine etwas absurde Wendung endet seine Befreiungsaktion dann mit einem Quasisieg über die Drogenkriminalität in ganz Amerika, was erstens nicht zur Stimmung des vorigen Films passt und zweitens naiv wirkt. Außerdem gibt es einige unlogische Szenen, etwa wenn Jack mit geklautem Polizeiauto und geklauter Polizeiuniform auf Turners Anwesen auftaucht und von Daemon erst auf den fünften Blick als Jack Davies identifiziert wird. Immerhin vermeidet „Bullet in the Dark“ allzu große Längen, für Befriedigung der niederen Unterhaltungsinstinkte muss in regelmäßigen Abständen wer dran glauben, und sei es nur durch einen Raubüberfall, an dem Jack zufällig vorbeikommt.

In der Hauptrolle will Jeff Wincott („Tödliche Wette“) dann wohl auch beweisen, dass er mehr kann als immer nur den Haudrauf machen, was ihm tatsächlich überzeugend gelingt – man würde ihm nur ein besseres Drehbuch im Rücken wünschen. Roy Lewis („Cybertech P.D.“) als Killer mit Faible für Präsidenten-Trivia ist als Filmfigur ein klarer Vertreter der Post-„Pulp Fiction“-Ära, aber macht auf herrlich-hassenswerte Art Laune, ähnlich wie Douglas O’Keffee („Running Out“) als Oberschurke. Michelle Johnson („Waxwork“) ist eher solala, was allerdings auch an der inkonsequenten Anlage ihrer Figur liegen könnte, Richard Fitzpatrick („Expect No Mercy“) durchaus charismatisch, in Sachen Screentime aber wenig präsent.

„Bullet in the Dark“ profitiert somit von seinem gut aufgelegten Hauptdarsteller, den herrlich fiesen Schurken und seiner düsteren Stimmung, ist aber doch nur ein unterdurchschnittliches B-Picture. Das Drehbuch ist zu wenig durchdacht für den hohen Thrilleranteil, die wenigen Actionszene solide, aber vollkommen statisch inszeniert und viele Ansätze des Drehbuchs nicht zu Ende gedacht. Da wäre mehr drin gewesen.

„Bullet in the Dark“ war auf VHS ab 18 und ungekürzt, erschien über Jahre aber nur als gekürzte FSK-16-DVD. Später folgte eine ungekürzte DVD von WMM, die sich jedoch später als Bootleg erwies. Ab September erscheint der Film als Mediabook ungekürzt und offiziell von NSM Recors in Deutschland.

© Nils Bothmann (McClane)

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