
Matthias Hues blickt auf seine Karrier zurück in „Shirtless in Hollywood“. Copyright: In Farbe und Bunt Verlag
Vor neun Jahren versuchte Matthias Hues, berühmt geworden als fieser Yuri in „Karate Tiger 2“ und als außerirdischer Drogenhändler in „Dark Angel“, erstmals, sein Leben in eine Biografie zu gießen. Wie er selbst sagt, wollte er jedoch zu viel. Der Zusammenhang zwischen den Storys fehlte und es sammelte sich schlicht und ergreifend viel zu viel Material an. Obschon ihm seine Ehefrau Leslie Carleton nach Kräften half, drückte Hues irgendwann die „Löschen“-Taste.
Kurz darauf ging er das Projekt neu an. Klarer in der Absicht und mit eindeutigerem Ziel vor Augen. Das Ergebnis heißt „Shirtless in Hollywood: Der Kampf um die Traumfabrik“ und zeichnet den Karriereweg von einem „der bekanntesten Stars der Welt, dessen Name niemand kannte“ (Matthias Hues) nach.
Von der schwierigen Karriere als Actionheld
Dabei beginnt die Biografie nicht wie vergleichbare Exemplare mit Fakten rund um seine Geburt, seine Eltern und den Verlauf seiner Kindheit. „Shirtless in Hollywood“ beginnt mit der „Geburt“ von Matthias Hues‘ Filmkarriere. Diese datiert auf das Jahr 1986, als Hues mit ein paar Dollar in der Tasche in Los Angeles landete. Hier ist der langmähnige Hüne mit seiner bayerischen Lederhose und dem festen Ziel vor Augen, Actionstar zu werden, sicherlich aufgefallen wie der sprichwörtliche bunte Hund, für eine Filmkarriere reichte das allerdings noch nicht.
Diese bittere Erkenntnis zieht sich nun durch zahlreiche Seiten in der Biografie. Denn der Start war für Hues alles andere als leicht. Eine fehlende Aufenthaltserlaubnis, sein breiter deutscher Akzent und so gut wie nicht vorhandene Englischkenntnisse waren extreme Hemmnisse, sowohl bei der Job- als auch bei der Wohnungssuche. Doch Hues findet immer wieder einen Weg. Er schlägt sich mit den kuriosesten Jobs durch, die er für seine Biografie noch einmal sehr lebendig nachzeichnet.
Dabei kennt Matthias Hues keinerlei Bitterkeit. Eher schaut er mit einem lachenden denn einem weinenden Auge zurück. Und er ist ehrlich. So gibt er unumwunden zu, dass er in seinen ersten Jahren in Los Angeles den Verlockungen der Stadt erlegen sei und sich lieber in Bars und an Stränden herumtrieb, anstelle zielgerichtet seinem Traum nachzueifern.
Ein Zufall führt zu „Karate Tiger 2“
Sein Filmdebüt feierte er als trainierender Bodybuilder im Hintergrund einer Szene von „Schlappe Bullen beißen nicht“. Sein Actionfilmdebüt gab er in „Boomer“ – als Handdouble von Ken Wahl. Momente, auf die er heute mit Humor blickt. Wissend, dass sie ihm nicht wirklich weiter geholfen haben.
Doch dann kündigte Jean-Claude Van Damme seine Mitwirkung an „Karate Tiger 2“ ultrakurz vor Beginn der Dreharbeiten auf. Händeringend wurde nun nach Ersatz gesucht. Zahlreiche Zufälle verschafften Hues seine erste große Rolle. In der durfte er als fieser Russe Yuri gegen Loren Avedon und Cynthia Rothrock kicken, ohne es richtig zu können.
Der größte Makel an „Shirtless in Hollywood“
Leider sind „Karate Tiger 2“, „Dark Angel“, „Digital Man“ und ausgerechnet „Watership Warrior“ und „Manege frei für Pee Wee“ die einzigen Filme, zu denen Matthias Hues Einblicke in die Entstehung gewährt. Gerade bei einem Mimen wie ihm, der sowohl echte Kracher als auch fiese Stinker in seiner B-Movie-Karriere auf den Weg gebracht hat, hätte ich mir mehr Informationen zu den Produktionsbedingungen der billigeren Streifen erwünscht. Zumal er die Hochzeiten im Genre ebenso mit erlebte wie dessen brutalen Niedergang.
Matthias Hues fokussiert stattdessen sehr gerne auf Filme, in denen er letztlich nicht mitwirken durfte. Hier gibt es dann auch immer mal wieder Einblicke dahingehend, wie Castings in Hollywood funktionieren. Blöderweise hätte ich aber lieber gelesen, wie er beispielsweise die Zusammenarbeit mit Don Wilson („Black Belt“) oder Billy Blanks („TC 2000“) gefunden hat.
„Trotz allem wurde ich über die Jahre ein fester Bestandteil der Karate-Filmwelt, weil ich es so wollte. Ich wurde der Typ, gegen den jeder Held antreten wollte.“ (Matthias Hues)
Ein weiterer Kritikpunkt an „Shirtless in Hollywood“ ist, dass die zunehmend losere Anekdotensammlung zeitlich recht vage bleibt. Meist muss als Orientierung reichen, was vor 1986 passiert ist und was danach. Schreibt er dann über die genannten fünf Filme, weiß man zumindest etwa, in welcher Zeit man sich gerade befindet. Mir erschließt sich nicht, warum nicht etwa die zahlreichen Kapitelüberschriften (50 an der Zahl) nicht auch für eine zeitliche Einordnung genutzt wurden.
Matthias Hues wird erwachsen
Moment, es gibt auch Informationen zu dem, was vor 1986 passiert ist? Ja, entgegen meines Hinweises, dass die Biografie im Jahr 1986 startet, gibt es ungefähr ab der Hälfte des Buches auch umfassende Rückblicke ins frühere Leben von Matthias Hues. Wie er Teil einer Teenie-Motorradgang war, den Pentathlon für sich entdeckte, die Hotelfachschule absolvierte, in Frankreich fünf Jahre in den edelsten Beherbergungsbetrieben arbeitete, in Deutschland erfolgreiche Fitnessstudios für Frauen aus dem Boden stampfte und dergleichen mehr.
Hues spart seine Kindheit und sein Erwachsenwerden also nicht wirklich aus. In diesen Abschnitten macht er immer wieder einen etwas unsteten Eindruck. Schon früh liebte er es, Träumen nachzujagen. Und er war sichtlich immer ein abenteuerlustiger Macher, der nicht lange überlegte.
Die Biografie rät: Niemals aufgeben!
Hierzu muss man festhalten, dass „Shirtless in Hollywood“ einige Male auch wie ein Lebensratgeber wirkt. Dadurch, dass Matthias Hues die negativen Seiten seiner Erlebnisse nicht ausspart, schwingt immer auch ein „Man muss nur an sich glauben“ zwischen den Zeilen mit. Das wird in den etwas unzusammenhängend wirkenden letzten Kapiteln am Offensichtlichsten. Wer sich also an solchem Pathos stört, muss hier das eine oder andere Mal die Augen zudrücken. Belehrend im Ton wird das Buch aber nie. Dazu erzählt Hues mit viel zu flotter Zunge und durchgehend humorigem Grundton. Wodurch man gut erkennt, dass der Mime sich selbst nicht zu ernst nimmt.
Entsprechend verwundert es auch nicht, dass man hier Kapitel liest, in denen er berichtet, wie er in Usbekistan von einer Hochzeit zur nächsten gelotst wird, um hier als Gaststar aufzutreten. Dass er arglos die Dreharbeiten von Ridley Scotts „Kingdom of Heaven“ sprengte. Wie er unvermutet in eine Schießerei geriet, Dolph Lundgren um einen Job anbettelte und von Slys Mutter angeflirtet wurde. Apropos Sly: Eine Affäre mit Brigitte Nielsen hatte er auch. Und das sind nur einige von zahlreichen verrückten Anekdoten aus dem Leben von Matthias Hues.
„Shirtless in Hollywood“ von Matthias Hues bietet prallen Lesespaß
Über 320 Seiten hat sich Matthias Hues Platz genommen, um sein Leben vor dem Leser auszubreiten. Hues berichtet mit zwinkerndem Auge vor allem von seiner Karriere, die zunächst enorm holprig anlief und dann leider nie so richtig durchstartete. Das arbeitet Matthias Hues enorm sympathisch in nur selten zusammenhängenden, sehr kurzweiligen und unterhaltsamen Anekdoten auf. Wer also auch einmal eine nicht ganz so typische Star-Karriere ergründen möchte, der hat dank „Shirtless in Hollywood“ eine tolle Möglichkeit dazu.
Genauso wie Hues‘ Karriere nie perfekt verlief, ist auch seine Biografie nicht perfekt. Einige Probleme habe ich bereits genannt, möchte aber noch ergänzen, dass ich kleinere Fotostrecken mit Bildern von Matthias Hues sehr begrüßt hätte. Und das Buch hätte noch ein intensiveres Lektorat benötigt. Fehlworte und Rechtschreibfehler seien verziehen, dass man Cynthia Rothrock aber einmal als Synthia Rothrock verkauft, finde ich schon schwierig. Zudem haben sich kleine sachliche Fehler eingeschrieben. So war Steven Seagal nie, wie im Buch behauptet, Teil der „Expendables“. Trotzdem: Ich kann für „Shirtless in Hollywood“ nur eine eindeutige Leseempfehlung aussprechen.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Shirtless in Hollywood“
Die Biografie wurde von Reinhard Prahl ins Deutsche übersetzt und erschien im Verlag von „In Farbe und Bunt“.
Titel: Shirtless in Hollywood – Der Kampf um die Traumfabrik
Autor: Matthias Hues; Übersetzung: Reinhard Prahl
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag; 1. Edition (12. August 2024)
Sprache: Deutsch
Taschenbuch: 330 Seiten
ISBN-13: 978-3959365284
In diesem Sinne:
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