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Red Sonja (2025)

Originaltitel: Red Sonja__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: M.J. Bassett__Darsteller: Matilda Lutz, Robert Sheehan, Wallis Day, Luca Pasqualino, Michael Bisping, Martyn Ford, Eliza Matengu, Danica Davis, Joana Nwamerue, Manal El-Feitury, Ben Radcliffe, Katrina Durden, Trevor Eve, Tim McMullan, Tihomir Vinchev, Rhona Mitra, Veronica Ferres u.a.
Red Sonja

Mit „Red Sonja“ liefert M.J. Bassett eine neue Adaption der Figur von Robert E. Howard

Red Sonja“ von 1985 war nicht sonderlich wohlgelitten, eine Neuverfilmung aber seit Ende der 2000er im Gespräch, damals noch mit Robert Rodriguez als Regisseur und Rose McGowan als Hauptdarstellerin angedacht. Mehrere Jahre, mehrere fehlgeschlagene Anläufe und ein übelst geflopptes Remake von „Conan“, einer weiteren Schöpfung von Robert E. Howard, später brachte die Produktionsfirma Millennium Films die Adaption dann ins Kino, mit erneut mäßigem Erfolg.

Auf dem Regiestuhl saß mittlerweile M.J. Bassett, Howard-erfahren durch „Solomon Kane“. Die Regisseurin erzählt zwar die Origin-Story der Pulp-Heldin, greift aber nicht auf den Film von 1985 zurück. Sonja (Matilda Lutz) ist auch hier die Überlebende eines Massakers an ihrem Volk, hat die Ihren allerdings schon im Kindesalter verloren und lebt seitdem im Wald, im Einklang mit der Natur. Auch sie isst Fleisch, tötet aber nur zum Überleben, im Gegensatz zu barbarischen Trophäenjägern, die sie bei der blutigen Arbeit beobachten muss. Schon mit „Rogue Hunter“ und „Danger Park“ hatte sich Basett als Verfechterin von Umwelt- und Tierschutz positioniert, hier eben im Fantasy-Kontext.

Als Sonja gefangene Tiere befreien und den Mordbuben zeigen will, was eine Harke ist, erlebt sie jedoch eine böse Überraschung: Die Schurken arbeiten für den Eroberer Draygan (Robert Sheehan) und nach dem Eindringen in das Lager der Bösewichte kann sie zwar einige von diesen töten, wird danach aber von Draygans Vollstreckerin Annisia (Wallis Day) gestellt und im Kampf besiegt. Ihr weiteres Schicksal scheint gleichsam von „Conan – Der Barbar“, „Gladiator“ und der „Spartacus“-TV-Serie inspiriert zu sein, denn Draygan will die naturverbundene Kriegerin als Arenakämpferin einsetzen, nachdem er ihre eine Karte des Waldes abgenommen hat, die bei seinen Eroberungsplänen nützlich sein könnte.

In den Katakomben der Hauptstadt von Draygans Reich wird Sonja in der Kriegskunst geschult und lernt weitere Gladiatoren wie Osin (Luca Pasqualino), Hawk (Michael Bisping) und Petra (Rhona Mitra) kennen, während sie auf die Chance wartet der Gefangenschaft zu entfliehen…

Schaut euch den Trailer zu „Red Sonja“ an

Aufgrund der zahlreichen Verschiebungen konnte „Red Sonja“ nicht mehr von dem großen Fantasy-Boom profitieren, der aber auch schon in den 2000ern viele Flops nicht verhindern konnte. Nun ist Bassett und ihrer Drehbuchautorin Tasha Hou („Tomb Raider: The Legend of Lara Croft“) auch nicht allzu viel eingefallen, denn die Plotte ist Barbaren-Standardkost. Die gemeuchelte Familie, die (hier vergleichsweise kurze) Zeit der Gefangenschaft, die Eroberungspläne des Schurken, die Patchwork-Truppe um die Heldin – alles altbekannt aus „Conan“ und Co. Selbst manche Anreicherung des Plots riecht nach Diebstahl, denn die Technikgläubigkeit des Schurken und seine rüde Abholzung des Waldes wirken wie eine Low-Budget-Sword-and-Socery-Variante von „Prinzessin Mononoke“. Insofern hakt „Red Sonja“ nur vorhersehbar altbekannte Plot Points ab und stattet diese noch nicht einmal mit viel Leben oder Glaubwürdigkeit aus. So erscheint es, als ob Sonja in ihrer Sklavenzeit gerade einmal drei Arenakämpfe absolvieren musss, wo Vorbildfilme das Verstreichen der Zeit mit einer entsprechenden Montage verdeutlichten. Die meisten Sidekicks bleiben blasse Pappkameraden, mit Osin als Love Interest, doch auch die sich anbahnende Romanze zwischen dem unberührbaren Krieger und der rothaarigen Widerstandskämpferin bleibt leblos, eine weitere Gegebenheit des Genres.

Red Sonja

Sonja (Matilda Lutz) als naturverbundene Waldläuferin…

Dass andere Subplots ähnlich wenig Kraft entfalten, hilft „Red Sonja“ auch nicht unbedingt weiter. Draygan hat eine etwas kompliziertere Hintergrundgeschichte, die immer in Häppchen aufgetischt wird, Annisia hört Stimmen und ist traumatisiert, kommt und geht aber so im Film, wie es dem Drehbuch gerade beliebt. Hinzu kommt ein bisschen Eso-Kram um jene Göttin, die Sonja und ihr größtenteils ausgelöschtes Volk anbeten, was aber in erster Linie für einige Kitsch-Einlagen da ist. Noch dazu ist „Red Sonja“ von einigen dramaturgischen Fehlentscheidungen gezeichnet – so liefert der Film der Heldin keinen vernünftigen Endkampf, was den Showdown zur Enttäuschung macht. Dabei hätte sich ein Hüne wie Martyn Ford, der schon als Antagonist in B-Actionfilmen wie „Undisputed IV“ oder „Final Score“ den Helden einheizte, geradezu dafür angeboten. Als General Karlak steht er als Mensch-Pavian-Kreatur in erster Linie bedrohlich da, greift gelegentlich ins Geschehen ein und wird im Finale dann sang- und klanglos von einer Nebenfigur gemeuchelt.

Wenig besser ergeht es Rhona Mitra („Hounds of War“) und Michael Bisping („Criminal Squad 2“), mit denen Bassett schon bei der Serie „Strike Back“ zusammenarbeitete. Mitra ist jedoch vollends verschenkt, der ehemalige UFC-Fighter Bisping wird als großer Kämpfer angekündigt, darf aber viel zu selten in Aktion treten, immerhin manchmal den rauen Gladiator mit Spielfreude geben. Matilda Lutz („Revenge“) kann die Hauptrolle dann auch bestenfalls mittelmäßig schultern, da man ihr die naturverbundene Waldläuferin zwar abkauft, die resolute Kriegerin weniger. Wesentlich stärker ist Wallis Day („Sheroes“) als psychopathisch Gegenspielerin, die aber nur so halb im Film ankommt, während Robert Sheehan („Geostorm“) als Oberschurke ganz okay, aber sich auch nicht gerade fürs Pantheon der memorablen Filmbösewichte empfiehlt. In einer Minirolle ist Veronica Ferres zu sehen, ist aber ähnlich wie in der Millennium-Produktion „The Bricklayer“ nur zum Gemeuchelt-Werden da.

Red Sonja

…und als Kriegerin

Nach dem derben Flop des 90 Millionen Dollar teuren „Conan“ von 2011 war Millennium Films sicher deutlich weniger spendabel mit dem Budget für Sword-and-Sorcery-Filme, was man „Red Sonja“ auch ansieht. Die CGI-Tricks, eh nie eine große Stärke von Millennium-Produktionen, sind von durchwachsener Qualität und sehen bisweilen künstlich aus, können aber im Fantasy-Kontext teilweise mehr überzeugen als die Fake-Explosionen in den Gegenwarts-Actionern des Studios. Einige Kreaturen sind ganz cool designt, teilweise erschafft M.J. Bassett durchaus auch eine halbwegs gelungene Atmosphäre. Im Gegensatz zur Erstverfilmung muss man auch keine rotznasigen Prinzen ertragen, die Titelheldin wird nicht nur Beinahe-Nebenfigur in ihrem eigenen Film neben einem größeren Star, sondern bleibt der Fokus des Films. Gegen Ende will sie aufbrechen, um den König der Cimmerier kennenzulernen, von dem sie so viel gehört hat, ein „Conan“-Seitenhieb, doch eine finale Sequenz teasert ein anderes Abenteuer an, zu dem es angesichts des bösen Flops wohl nicht mehr kommen wird. Ein wenig Augenzwinkern erlaubt sich der Film auch, etwa wenn Sonja vom Waffenmeister einen Metall-Bikini als Rüstung erhält und dieser erklärt, dass das Teil so gut wie keinen Schaden abhält, sondern dem Arena-Publikum was zu gucken geben soll. Wobei Sonjas spätere Outfits in Sachen Schutzwirkung kaum besser sind.

Bei den Schauwerten wechseln sich Licht und Schatten ab. Draygan kann durch seine Verwendung von Magie und Technik Elektrizität erzeugen und Fabelwesen kontrollieren, was aber an einem Riesenskorpion lediglich vorgeführt wird und nur bei Zyklopen wirklich in die Action integriert wird. Die Arenakämpfe sind meist kurz und lassen eine Spannungsdramaturgie wie in den Vorbildern (mit „Gladiator“ als Musterbeispiel) vermissen, andere Kampfszenen haben mehr Pfiff. Gerade wenn sich Sonja im Finale durch eine Horde von Schergen schlitzt, dann laufen die Stunt Coordinator Borislav Illiev („We Die Young“) und Kaloian Vodenicharov („Dirty Angels“) zu starker Form auf – auch wenn das kein Ersatz für einen zünftigen Final Fight ist. So hat die Action schon ihre Momente, aber insgesamt gibt es dann doch zu wenig Barbaren-Hack-and-Slay, hat die Hauptfigur zu wenige Bad-Ass-Momente, als dass der Film auch an dieser Front die Kohlen aus dem Feuer holen könnte.

„Red Sonja“ von 2025 ist weder groß besser noch groß schlechter als „Red Sonja“ von 1985, sondern einfach nur auf andere Weise mau. Die Hauptdarstellerin überzeugt nur mäßig, der CGI-Tricks sind durchwachsen, nur der Plot, der ist immer noch fader Fantasy-Standard. M.J. Bassett holt Atmosphäre aus den vorhandenen Mitteln und sorgt für einige ganz coole Kampfszenen, allerdings auch für einige eher öde Scharmützel, sodass „Red Sonja“ dann trotz einiger guter Ansätze ein Film der verschenkten Möglichkeiten bleibt.

„Red Sonja“ erscheint am 26. Februar 2026 bei Vuelta/AL!VE in Deutschland auf DVD und Blu-Ray, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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