| Originaltitel: Twisters__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Lee Isaac Chung__Darsteller: Glen Powell, Daisy Edgar-Jones, Maura Tierney, Katy O’Brian, Kiernan Shipka, David Corenswet, Sasha Lane, Anthony Ramos, Daryl McCormack, Paul Scheer, Brandon Perea u.a. |

„Twisters“ setzt Jan de Bonts Hit fort.
1996 ließ Jan de Bont in seinem „Twister“ sprichwörtlich die Kuh fliegen. Der Urvater aller Memes geriet zur Leistungsschau der Effektschmiede Industrial Light and Magic und lieferte grandiose Bilder von der Zerstörungskraft der Natur. Zwar wurde ein Sequel immer mal wieder angedacht, tatsächlich übernahmen nun aber eher kleine Studios die Regie und lieferten ihre ganz eigenen „Tornado-Filme“.
Vom „Stonado“ über den „Firenado“ oder „Alien Tornado“ bis hin zum „Monsternado“ und „Sharknado“ reichte die Palette schnell drehenden Mumpitzes. 2014 schickte Steven Quale einen ernster gemeinten, sehr unterhaltsamen quasi „Twister“-Nachfolger namens „Storm Hunters“ ins Rennen. Zehn Jahre später ist es doch noch so weit: „Twister“ erhält seine echte Fortsetzung: „Twisters“.
In diesem entwickelt die junge Kate ein Verfahren, um Tornados aufzulösen. Was in der Theorie gut funktioniert, führt beim ersten Feldversuch zu einem verheerenden Unglück, das auch Todesopfer fordert. Fünf Jahre später hat sich die Meteorologin komplett eingeigelt und verfolgt besondere Wetterphänomene nur noch von einem Computerbildschirm aus.
Da tritt eines Tages Javi an Kate heran. Er war bei dem damaligen Feldversuch dabei und ist den Tornados treu geblieben. Er hat ein Verfahren entwickelt, um Wirbelstürme extrem genau zu kartographieren. Seine Hoffnung: Dem Wetterphänomen seine letzten Geheimnisse zu entreißen und Tornados vorhersehbarer zu machen. Nach einiger Überzeugungsarbeit gelingt es ihm, Kate für sein Vorhaben zu begeistern. Sie soll ihm bei der Jagd nach Tornados helfen, damit er seine Technik zum Einsatz bringen kann.
Bei ihrer Jagd begegnen sie auch dem windigen Tyler. Einem Tornadojäger, der für seine Youtube-Follower den wagemutigen Heißsporn gibt. Doch – welch Überraschung – in Wirklichkeit ist er ein studierter Meteorologe, der in Kate die Idee weckt, ihr Verfahren zur Auflösung von Tornados neu anzugehen.
Stürmische Action aus dem Herzen der USA
Die von Joseph Kosinski („Top Gun: Maverick“) ersonnene Story von „Twisters“ bietet klassisches Erzählkino. Sie fokussiert auf Heldin Kate, die nach einem herben Rückschlag eine angenehm altmodisch wirkende Heldinnenreise erleben darf. Auf dem Weg zum offensichtlichen Ziel wird am Wegesrand ein charmanter Love-Interest eingesammelt, mit dem sie sich erst kabbeln und dann zunehmend besser verstehen darf. Der Rest des Filmes stellt vollkommen auf die Faszination der zerstörerischen Kraft unserer Umwelt ab.
Dem muss sich dann ziemlich viel unterordnen. Vor allem die Logik erwischt es dabei hart. Da wird dem Zuschauer weisgemacht, simple Bohrmechaniken könnten ein Auto vor dem Zugriff eines Tornados schützen. Dann scheinen sich Tornados gerne anzuschleichen. Selbst wenn sie gigantischste Ausmaße haben, wirbeln sie auf einmal vor vollkommen unvorbereiteten Kleinstädten, in denen scheinbar wirklich niemand Keller zu besitzen scheint. Und dies in Landstrichen, die als besonders Tornado-gefährdet umschrieben werden. Und die Auflösungstechnik von Kate ist auch kaum mehr als ein Handlungsvortrieb.

Schau, ein Wirbelsturm – ohne Haie!
Doch auch an anderer Stelle hakt es schnell. Wenn zum Beispiel klar wird, warum Javi die Tornados vermessen will und dies allen Charakteren im Film kaum mehr als ein Schulterzucken abringt, wird’s schon etwas arg unglaubwürdig. Aber, man muss auch neidlos anerkennen, dass Regisseur Lee Isaac Chung mit 155 Millionen Dollar Budget in der Hinterhand für derart fette Bilder sorgt, dass man sich an der deutlich von „Twister“ kopierten Handlung kaum stört. Sie tut, was sie tun muss: Sie hält das Spektakel am Laufen und versucht gar nicht erst, sich in zig Bezugnahmen auf das Original zu ergehen. Apropos Spektakel!
Wenn die Zauberer von ILM loslegen, hebt es das Kino aus den Angeln. Mit ohrenbetäubender Brachialität bahnen sich die Wirbelstürme hier ihren Weg und zerstören mit Urgewalt alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Die Desasterbilder sorgen für irres Augenfutter und dass unsere Helden immer wieder mitten in die Ungetüme hinein steuern (richtig gelesen!), sorgt für Bilder, die so auch „Twister“ nicht aufzubieten vermochte.
Daneben gibt es von kleineren Stürmen bis zu gewaltigen Monsterstürmen die gesammelte Palette zu bestaunen. Auch Zwillingstornados kommen zum Einsatz. Und ein Tornado sorgt dann auch noch für heftige Explosionen und Feuersäulen, die prächtigst über die Leinwand toben. Insgesamt bietet „Twisters“, seinem Titel entsprechend, deutlich mehr Wirbelstürme fürs Geld.

Lassen es auch mal romantisch knistern: Daisy Edgar-Jones und Glen Powell.
Mit diesem Feuerwerk der Effekte können auch die Figuren nicht mithalten. Vor allem die seltsam eindimensional geratene Kate verfing bei mir persönlich überhaupt nicht. Ich konnte ihr weder den Wissenschaftsbackground noch ihre Faszination für Tornados abnehmen. Dass die Figur nicht vollends scheitert, liegt daran, dass Daisy Edgar-Jones („Fresh“) ihrem höchst langweiligen Charakter zumindest im Zusammenspiel mit Glen Powell („The Expendables 3“) etwas Leben einzuhauchen vermag.
Glen Powell geht derweil als formvollendeter Gewinner aus diesem Film heraus. Sein charmanter Heißsporn Tyler ist rotzencool und bekommt vom Drehbuch doch deutlich mehr Facetten zugestanden als Kate. Und wenn Tyler mit breitem Grinsen in die gefährlichsten Stürme rast, wäre man beinahe gerne dabei. Aber nur beinahe. Denn wenn das riskante „Spiel“ mit den Kräften der Natur derart verharmlost wird, nur um dann ausgiebig mit Bildern der Verwüstung konterkariert zu werden, wird es tonal durchaus schwierig. Zudem fällt auf, dass immer mal wieder Leute in den Sturm gesogen werden, aber seltenst von Todesopfern gesprochen wird. Das passte dann wohl nicht so ganz in die heile Blockbuster-Welt.

Hier hat ein Wirbelsturm gewütet.
Nebendarsteller wie Anthony Ramos („Transformers – Aufstieg der Bestien“), Katy O’Brian („Ant-Man and the Wasp: Quantumania“) oder Maura Tierney („White Sands“) leisten ordentlichen Support, bleiben aber letztlich nur Staffage und Stichwortgeber.
„Twisters“ kommt mitten aus dem Herzen der USA und wurde überwiegend in Oklahoma gedreht. Die Gegend wird in absolut blockbustertauglichen Bildern eingefangen und sowohl abseits als auch in der Action absolut sauber und mit Sinn für große Momente inszeniert. Die Optimierung für IMAX-Leinwände erspart dem Zuschauer hässliche Schnitt-Stakkatos, wo sie nicht notwendig sind. Erdiger, immer ins Country-mäßige tendierender Rock dominiert die Tonspur. In der Action sorgt dann Benjamin Wallfisch für amtliches Soundtrack-Getöse.
„Twisters“ bietet unterhaltsame Katastrophenaction
Man kann an „Twisters“ eine Menge herummäkeln. Die Story reißt keine Bäume aus, die Figuren sind weitgehend kaum mehr als funktional und die Dialoge werden irgendwann eh nur noch geschrien und vom Krach der Action übertönt. Außerdem passen die zelebrierte Begeisterung am Wirbelsturmjägerirrsinn sowie die präsentierte Zerstörungskraft und deren auch mal beklemmenden Folgen tonal nicht so wirklich zusammen.
Dafür hat „Twisters“ ordentlich Pfeffer im Hintern, hetzt von Wirbelsturm zu Wirbelsturm und hat ein sympathisches Heldengespann aufzubieten. Hier funktioniert die Dame zwar weitaus schlechter als der Herr, aber irgendwie ziehen beide zusammen ganz ordentlich in den Film hinein. Und der fegt mit seinen grandiosen Spektakelbildern über zahlreiche Plot-Holes, Logikfehler und dumme Szenen mühelos hinweg. Mehr noch: Gegen die Art und Weise, wie hier die Urgewalt der Tornados zelebriert wird, kann in Teilen nicht einmal „Twister“ anpusten. Einzig eine fliegende Kuh fehlt.
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„Twisters“ läuft seit dem 17. Juli 2024 in den deutschen Kinos. Ungeschnitten und mit einer Freigabe ab 12 kommt der Film von Warner Bros. und Universal Pictures.
In diesem Sinne:
freeman
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