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White Sands – Der große Deal

In „White Sands“ findet Kleinstadt-Cop Willem Dafoe eine Leiche und eine halbe Million Dollar und nimmt die Identität des Toten für einen Undercovereinsatz an. Der führt ihn zu Gangsterboss Mickey Rourke und Finanzexpertin Mary Elizabeth Mastrantonio, doch es mischen noch viel mehr Parteien mit. Bald ist der Polizist in eine Sache verwickelt, die eigentlich zu groß für ihn ist, aus der er aber auch nicht so einfach rauskommt.

Originaltitel: White Sands__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1992__Regie: Roger Donaldson__Darsteller: Willem Dafoe, Mary Elizabeth Mastrantonio, Mickey Rourke, Samuel L. Jackson, M. Emmet Walsh, James Rebhorn, Maura Tierney, Beth Grant, Alexander Nicksay, Fredrick Lopez, Miguel Sandoval, John Lafayette, Mimi Rogers, John P. Ryan u.a.
White Sands

In Roger Donaldsons “White Sands” spielen Willem Dafoe, Mary Elizabeth Mastrantonio, Mickey Rourke und Samuel L. Jackson die Hauptrollen

Trotz einer ganzen Handvoll etablierter und kommender Stars in tragenden Rollen sowie dem Routinier Roger Donaldson („The November Man“) auf dem Regiestuhl hinterließ „White Sands“ bei Presse und Publikum nicht allzu großen Eindruck, was angesichts des Ergebnisses allerdings irgendwo auch zu verstehen ist.

Dabei fängt der von Daniel Pyne („Auf die harte Tour“) verfasste Thriller durchaus vielversprechend an: Deputy Sheriff Ray Dolezal (Willem Dafoe) findet in der Nähe des kleinen Wüstenstädtchens in New Mexico, in dem er lebt und arbeitet, einen Toten. Der hat eine halbe Million Dollar bei sich, seine Identität ist nicht festzustellen. Mit Hilfe des Gerichtsmediziners Bert Gibson (M. Emmet Walsh) und viel Kombinationsgabe kann Ray jedoch an eine Telefonnummer gelangen, die der Tote zu verbergen versuchte. Er ruft dort an und gibt sich als der Tote aus. Das ist eine fast schon schadenfrohe Prämisse: Der Kleinstadtbulle, der auch mal ein Abenteuer erleben will, der sich auf eine gewagte Aktion einlässt, aber bald merkt, dass das eine Nummer zu groß für ihn ist.

Denn kaum kommt Ray – unter dem Namen Bobby Spencer – am Treffpunkt an, wird er von seinen zwei Kontaktpersonen bedroht und gedemütigt, ehe sie ihm das Geld abnehmen. Nun steht Ray ohne die halbe Million da, als der FBI-Agent Greg Meeker (Samuel L. Jackson) mit seinem Partner aufkreuzt und ihn informiert, dass Spencer ein verdeckter Ermittler war. Der Thrillerlogik von „White Sands“ zufolge muss jetzt nächste die Umdrehung im Strudel des Verderbens folgen: Ray kann nicht einfach gedemütigt nach Hause gehen, sondern muss den Platz des Toten bei der Operation einnehmen.

Glücklicherweise will der Chef seiner Kontaktpersonen, der Gangster Gorman Lennox (Mickey Rourke), weiter mit Bobby Spencer zusammenarbeiten, die rüde Geldabnahme war nur ein Test. Also lässt sich Ray auf das Geschäft mit Gorman und der undurchsichtigen Lane Bodine (Mary Elizabeth Mastrantonio) ein, die einen großen Waffendeal über die Bühne bringen wollen…

White Sands

Der Beginn des Ganzen: Deputy Sheriff Ray Dolezal (Willem Dafoe) und Gerichtsmediziner Bert Gibson (M. Emmet Walsh) finden eine Leiche und viel Geld

„White Sands“ gehört zu jenen Filmen, die auf dem Papier besser funktionieren als in der Umsetzung. Denn nicht nur ist die Idee eines Normalos, der auf einmal mit den Haien in einem Becken aus Betrug und Mord schwimmen muss, eine reizvolle Anlage, „White Sands“ legt seine Karten im Gegensatz zu manch anderem Thriller nicht zu früh auf den Tisch. Mehrere Parteien mischen mit, nicht jeder ist das, was er zu sein vorgibt. So kreuzt etwa ein zweites FBI-Ermittlerduo auf, das behauptet, dass Meeker das Geld unterschlagen habe. Meeker hingegen erzählt, dass er die Operation ohne Genehmigung durchführe, um den gefährlichen Gorman dingfest zu machen, und deshalb das Geld habe entwenden müssen. Aber auch das kann natürlich eine Lüge sein. Das Problem dabei: „White Sands“ übertreibt es mit den doppelten und dreifachen Spielchen seiner Figuren, die fast alle noch eine andere Identität oder geheime Agenda haben. Dadurch steigt man irgendwann kaum noch durch, während einige Aspekte auf der Strecke bleiben: Dass es um Waffenhandel geht, bleibt eine Art Randnotiz, auch wenn einige Charaktere über die Bedeutung des Deals reden und in einer Szene sogar mal die Waffenhändler (John P. Ryan und Fred Thompson) mitsamt der Ware vorbeischauen.

So ist der Bogen dann auch etwas überspannt, wenn sich eine Figur aus CIA-Agent herausstellt, der aber (im Regierungsauftrag) nicht weniger skrupellos und eiskalt mordet als die Verbrecher – man merkt die Nachwirkungen der Iran-Contra-Affäre in „White Sands“. Immerhin passt dies zu dem rabenschwarzen Weltbild, das der Film zeichnet: Vertrauen, Freundschaften und Liebe gibt es in dieser Welt so gut wie gar nicht, nur Geschäfte, Gefallen und Erpressung. Fast jeder versucht den anderen auszuspielen oder übers Ohr zu hauen und das Motiv ist eigentlich immer das liebe Geld. Neben dieser Stimmung punktet der Film von Roger Donaldson vor allem mit einigen imposanten Bildern, gerade in den Wüstensettings. Herausragend etwa ist die Location des Finales: Ein verlassenes Gebäude inmitten der weißen Sandwüste, die dem Film seinen Namen gibt, umgeben von den Wracks alter Panzer.

White Sands

Der Gangster Gorman Lennox (Mickey Rourke) ist Rays Zielperson

Es ist schade, dass „White Sands“ aus diesen guten Anlagen nicht mehr macht, seine Prämisse und seine Stimmung immer wieder durchaus ausufernde Dialoge zerreden muss, in denen zwar viel gesabbelt, aber wenig gesagt wird, wenn die Figuren immer wieder das Offensichtliche aussprechen. Zumal einige Figuren sträflich vernachlässigt werden, etwa die geheimnisvolle Noreen (Maura Tierney), deren Name zwar schon früh fällt, die aber dann nur für zwei oder drei Szenen dabei ist. Große Action gibt es nicht, da müssen ein von der Straße gedrängtes Auto und ultrakurzer Schusswaffengebrauch reichen. Stattdessen verwendet der Film viel Zeit auf das Verhältnis von Ray und der Finanzspezialistin Lane, die als Verführerin auftritt und auch sofort von dem (verheirateten) Undercoverermittler angetan ist. Dummerweise ist dies genau ein Schwachpunkt von „White Sands“, denn Spannung oder Knistern zwischen den beiden ist kaum zu fühlen, sodass dieser Part eher wie ein Bremser wirkt.

Was teilweise auch am Casting liegt: Mary Elizabeth Mastrantonio („Der Sturm“) mag eine gute Schauspielerin sein, als Vielleicht-Femme-Fatale ist sie jedoch grandios fehlbesetzt. So stimmt die Chemie zwischen ihr Hauptdarsteller Willem Dafoe („Zack Snyder’s Justice League“) einfach nicht, der gerade in diesen Szenen etwas ungelenk agiert. Ansonsten ist seine Performance als Kleinstadtbulle, dem der Fall erst eine Nummer zu groß wird und der am Ende doch seine Souveränität findet, allerdings tadellos. Das große Highlight ist jedoch Mickey Rourke („Der Pfad des Legionärs“) als süffisant-eiskalter Gangster, der den Film an sich reißt. Ebenfalls sehr gut sind Samuel L. Jackson („Spider-Man: Far from Home“) als undurchsichtiger FBI-Agent und M. Emmet Walsh („The Scorpion King 4“) als Gerichtsmediziner, der andauernd anmerkt, dass es doch niemand bemerken würde, wenn 20.000 Dollar aus dem Koffer fehlen würden. Dazu kommt ein ganzer Haufen bekannter Charaktergesichter, die teilweise nur für wenige Szenen an Bord sind, darunter Maury Tierney („Emergency Room“), Miguel Sandoval („Death Wish V“), Beth Grant („Willy’s Wonderland“), James Rebhorn („24 Stunden in seiner Gewalt“), Mimi Rogers („Wedlock“) und John P. Ryan („Runaway Train“).

So erweist sich „White Sands“ als zweischneidiges Schwert: Mit Ausnahme von Mastrantonio hervorragend besetzt, mit einer pessimistischen, einnehmenden Grundstimmung versehen und einigen famos Passagen, jedoch vollkommen überkompliziert mit seinem Übermaß an Plottwists und teilweise viel zu zerredet. Licht und Schatten gleichen sich dermaßen aus, dass am Ende pures Mittelmaß herauskommt.

Die DVD-Erstauflage von „White Sands“ erschien bei Warner, inzwischen hat Studio Hamburg/HanseSound den Film neu auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht. Der Film ist ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Während die Warner-DVD gar kein Bonusmaterial bietet, gibt es auf der Neuauflage Trailer und eine Fotogalerie.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner/Studio Hamburg/HanseSound__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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