Mafia-Handlanger James Marsden staunt nicht schlecht, als es seinen Kumpel Vince Vaughn zweimal gibt. Der Grund: Einer kommt aus der Zukunft und will die Ermordung seines Freundes verhindern, an der er Schuld ist. Die dritte Titelfigur in der Gangster-Actionkomödie „Mike & Nick & Nick & Alice“ gibt Eiza González, außerdem wirken Keith David, Lewis Tan und Dolph Lundgren in Nebenrollen mit.
| Originaltitel: Mike & Nick & Nick & Alice__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: BenDavid Grabinski__Darsteller: Vince Vaughn, James Marsden, Eiza González, Keith David, Jimmy Tatro, Arturo Castro, Lewis Tan, Stephen Root, Dolph Lundgren, Ben Schwartz, Emily Hampshire u.a. |

James Marsden, Vince Vaughn und Eiza González sind „Mike & Nick & Nick & Alice“, während unter anderem Dolph Lundgren mitspielt
Schon in seinem Spielfilmdebüt „Happily“ hatte BenDavid Grabinski (romantische) Komödie und Thriller vermixt, mit seinem Zweitling, der Hulu-Produktion „Mike & Nick & Nick & Alice“ beschreitet er ähnliche Pfade.
Die Hauptfiguren entstammen alle dem Mafia-Umfeld, die alle zu Beginn auf einer Party erscheinen, auf welcher Syndikatschef Sosa (Keith David) die Entlassung seines Adoptivsohns Jimmy Boy (Jimmy Tatro) nach sieben Jahren Knast feiert. Gleichzeitig kündigt Sosan offen an, dass irgendjemand auf der Party Jimmy verpfiffen haben muss und dafür bezahlen werden. Nick (Vince Vaughn) verleiht Geld und erledigt weitere schmutzige Jobs für die Familie, sein Partner ist Quick Draw Mike (James Marsden). Auf der Party erscheint auch kurz Nicks wesentlich jüngere Frau Alice (Eiza González), die sich danach jedoch auf ein Hotelzimmer zurückzieht – für ein Schäferstündchen mit Mike. Es gibt also schon reichlich Konfliktpotential innerhalb weniger Minuten, denn trotz aller Comedy ist das organisierte Verbrechen in „Mike & Nick & Nick & Alice“ weiterhin ein Halsabschneidermilieu.
Insofern hat Mike kein gutes Gefühl, als Nick ihn spontan anruft und für einen Job mitnimmt. Trotz anfänglicher Bedenken kommt er mit, als Nick ihn mit einer Entführung beauftragt. Mike klingelt an der Tür und vor ihm steht: Nick. Die Entführung klappt nicht wie geplant, das Opfer entkommt und es werden Erklärungen fällig: Der eine Nick, das potentielle Opfer, stammt aus der Gegenwart, der andere Nick, der Auftraggeber, aus der Zukunft. Mittels einer Zeitmaschine konnte er zurückkehren, allerdings sind die Maschine kaputt und der Erfinder tot, weshalb „Mike & Nick & Nick & Alice“ die Erwartungen an einen Zeitschleifenfilm wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“, „Retroactive“ oder „Happy Deathday“ direkt wieder begräbt.
Der Nick auf der Zukunft rückt weiteren Infos raus: Aus Eifersucht habe er Mike den Verrat an Jimmy in die Schuhe geschoben, Mike sei getötet worden, doch danach habe es ihm unendlich leidgetan. Nun müssen sie den Fehler korrigieren, haben aber nur diese eine Chance…
Schaut euch den Trailer zu „Mike & Nick & Nick & Alice“ an
Ein Mix Gangsterkomödie und Actionfilm, mit leichten Anteilen von Romantik und Science Fiction. Auf den ersten Blick ist „Mike & Nick & Nick & Alice“ eine ziemlich wilde Mischung, die auf den zweiten Blick dann leider nur so semi funktioniert und nicht allen seiner Genres so wirklich gerecht wird. So ist das ganze Zeitreise-Element eigentlich ein reiner Plottrick, um die Handlung ans Laufen zu bekommen, ist meist für Verwechslungs- und Verwicklungsmomente zuständig und wird nur gegen Ende nochmal kurz aufgegriffen. Auch die aufrichtige Liebe, die Mike und Alice füreinander empfinden (im Gegensatz zur lieblosen Ehe mit Nick), ist doch eher Behauptung des Drehbuchs, das ebenfalls von Grabinski stammt, als tatsächlich fühlbar. Anderes wirkt dagegen reichlich forciert: Wenn sich die Helden dann dafür entscheiden am Ende die Gangster umzulegen (ergo: ihre Freunde und Kollegen), dann wirkt das auch eher der Notwendigkeit einer Endballerei für den Actionaspekt geschuldet. Die Erläuterungen für diesen Sinneswandel lapidar, im Raum steht zwar eine Drohung, aber gegen viele von den Antagonisten spürt nicht die notwendige Abneigung.
Bei der Zeichnung der Crime-Familie macht Grabinski einen auf Quentin Tarantino und Guy Ritchie. Die Verbrecher tragen illustre Namen wie Dumbass Tony (Arturo Castro) oder Roid Rage Ryan (Lewis Tan), führen oder weniger coole Gespräche und geraten in witzig gemeinte, aber nicht immer lustige Situationen. Etwa wenn Jimmy Boy nach sieben Jahren Knast auch seine sexuelle Freiheit mit einem ganzen Zimmer voller Prostituierter genießen soll, aber Performance-Angst bekommt. Popkultur-Bezüge gibt es auch, anstatt über Madonna-Songs oder Western wie beim Vorbild Tarantino wird hier vor allem über „Gilmore Girls“ und dessen Bedeutung philosophiert. Das alles ist manchmal ganz pfiffig, manchmal arg gewollt, aber fühlt sich oft wie ein Klon der großen Vorbilder an. Alles soll cool und irgendwie ironisch sein, fühlt sich aber nicht immer genuin cool und ironisch an, sondern eben eher gewollt. So gibt es einen wirklich emotionalen Moment gegen Ende, den „Mike & Nick & Nick & Alice“ allerdings gleich durch einen Plottwist wieder zu negieren weiß.
Ansonsten ist Ganze eine immerhin halbwegs flotte Hatz durch die Nacht und gegen die Uhr, denn Sosa hat versprochen, dass der Verräter bis zur After-After-Afterparty zur Strecke gebracht ist und hat einen Killer engagiert, dessen Äußeres niemand kennt. Hin und wieder gibt es ein paar Enthüllungen zu Fragen wie „Wie viel wusste Nick?“ oder „Wer hat Jimmy Boy wirklich veraten?“, die allerdings ein bisschen verpuffen – die Fragen, die „Mike & Nick & Nick & Alice“ stellt, sind leider oft spannender als die Antworten, aber was vielleicht auch daran liegt, dass Grabinski bei all dem viel zu sehr an der Oberfläche bleibt.
Überraschend elaboriert fallen dagegen die Set Pieces aus. Vielleicht keine „John Wick“-Qualität, aber merklich spektakulärer und dynamischer, als man es angesichts von Regie und Besetzung erwarten würde. Von dem Moment an, in dem sich Mike und Gegenwarts-Nick bei der versuchten Entführung das erste Mal prügeln, fährt „Mike & Nick & Nick & Alice“ ziemlich gut choreographierte, wenn auch meist eher kurze Kampfszenen auf. Im Finale dürfen Fight Coordinator Michael Lehr („Day Shift“) und Stunt Coordinator Justin Yu („The Killer’s Game“) dann noch deutlich mehr ran, wenn sich Mike und die beiden Nicks mit Körper- und Schusswaffeneinsatz durch eine Gangstervilla kämpfen. Hier ballt sich die meiste Action, diese sieht aber auch entsprechend gut aus. Ein paar derbe, meist CGI-generierte Einlagen hat „Mike & Nick & Nick & Alice“ auch zu bieten, wobei vor allem der Blick durch die frisch durchlöcherte Rübe eines Kopfschussopfers im Gedächtnis bleibt.
Ein großer Pluspunkt ist die Besetzung. Vince Vaughn („Freaky“) kann Nick zwischen gutem Freund und hartem Gangster, noch dazu mit zwei verschiedenen Zeitebenen-Personae, facettenreich darstellen. James Marsden („Red Machine“) stattet Mike dagegen mit genug Charme aus, dass man ihm den aufrichtigen Lover und den Gangster, der zu nett fürs Milieu ist, mühelos abkauft. Eiza González („In the Grey“) hat als Frau zwischen zwei Männern die etwas undankbarere und eindimensionalere Rolle, macht sich aber auch recht gut. Keith David („Nope“) ist okayer Support, wirkt aber immer etwas zu zahm für einen Haupt-Baddie, Jimmy Tatro („Scream 7“) als sein Adoptivsohn ist eher mittelprächtig. Markante Nebenrollen mit wenigen Szenen, aber starker Akzentsetzung haben Dolph Lundgren („Hellfire“), Stephen Root („The Wrecking Crew“) und Ben Schwartz („Die Hart 2: Die Harter“). Lewis Tan („Mortal Kombat II“) als Gangster ist dagegen verschenkt und darf zudem nie seine Actionkompetenzen zeigen.
Die Zeit der Tarantino-Klone, die in den 1990ern noch die Videotheken füllten, ist also noch nicht ganz vorbei, heute kommen sie halt nur weiteren Genreanreicherungen wie Zeitreise-Twists daher. „Mike & Nick & Nick & Alice“ hat eine tolle Besetzung und kompetent gemachte Actionszenen zu bieten, geht außerdem flott ins Ziel, ist aber nie ganz so smart und clever wie gedacht. Manche Coolness wirkt eher aufgesetzt, mancher Storyverlauf riecht nach reiner Drehbuchentscheidung und ergibt sich nicht organisch aus der Geschichte. Die Prämisse klingt aufregend und originell, das Ergebnis ist dann doch eher Streamingfutter zum Weggucken.
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„Mike & Nick & Nick & Alice“ ist eine reine Streaming-Produktion für Disney+ und daher aktuell nur dort zu sehen. Von der FSK wurde der Film bisher nicht geprüft.
© Nils Bothmann (McClane)
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