| Originaltitel: Backrooms__Herstellungsland: USA/Kanada__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Kane Parsons__Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Finn Bennett, Lukita Maxwell u.a. |
Ist YouTube die neue Bezugsquelle für die Horrorfilmer von morgen? Nach den Philippou-Brüdern („Talk to Me“) und Chris Stuckman („Shelby Oaks“) war es nun an Kane Parsons, der mit „Backrooms“ seine eigene Kurzfilm-Serie über einen Internet-Creepypasta-Mythos in Spielfilmform bringen darf.
Wie auch die Vorlage ist die Filmversion von „Backrooms“ in der Zeit vor Handys und flächendeckendem Internet angesiedelt, was dem Horrorgenre ja manche Logikfrage ersparen kann. Eine Einblendung beim Found-Footage-Opener verortet das Ganze im Jahr 1990. Eine Person, offensichtlich Teil einer Forschergruppe, trottet durch unwirkliche Locations mit der Kamera in der Hand, die natürlich auch nicht aus der Hand gelegt wird, als ihn jemand – oder etwas – verfolgt. Alles Wegrennen nutzt allerdings nichts, der Knilch wird gestellt und dann bricht die Aufnahme ab. Quasi ein Clip, wie er auch in der YouTube-Serie vorkommen könnte.
Anschließend lernt man die beiden Hauptfiguren kennen. Zum einen ist da Clark (Chiwetel Ejiofor), der Besitzer eines Möbelladens, zum anderen seine Therapeutin Mary (Renate Reinsve). In den Therapiestunden gibt Clark mehr zu seiner Hintergrundgeschichte preis: Er versucht sein Alkoholproblem in den Griff zu bekommen, das ihn seine Ehe und sein Haus kostete. Er lebt übergangsweise im Laden, versucht seinen Jähzorn und seine Kommunikationsprobleme zu therapieren. Mary kämpft ebenfalls mit Dämonen der Vergangenheit, denn auch das ist ein bekanntes Klischee, dass Psychotherapeuten im Film oft selbst Psychotherapie brauchen.
Als Clark eines Nachts mal wieder dem Geheimnis der plötzlich flackernden Lampen auf den Grund gehen will, findet im Untergeschoss einen versteckten Zugang zu den Backrooms – einer Parallelwelt voller Räume, die allerdings so designt sind, als hätten die Schöpfer klassische Raumarchitektur nicht verstanden…
Schaut euch den Trailer zu „Backrooms“ an
Schaut man auf die Produktionsseite von „Backrooms“, dann zogen gerade mal 20 Jahre alte Spielfilmdebütant Parsons und seine Webserie, die er im Alter von 16 Jahren begann, einige klangvolle Namen an, finden sich dort unter anderem James Wan („Malignant“) mit seiner Produktionsfirma Atomic Monster, „Stranger Things“-Produzent Shawn Levy und „Longlegs“-Regisseur Osgood Perkins. Ein mehrfacher Kollaborateur von Perkins wiederum ist Set Decorator Trevor Johnston („Sniper: Assassin’s End“), der mit seinem Team ein famoses Szenenbild erschafft, ohne großes Budget. An einer Stelle beschreibt Clark das Design der Räume so: Man beschreibt jemanden, der noch nie einen Hund gesehen hat, einen Hund und bietet ihn das Tier zu zeichnen. Er wird es teilweise richtig machen, aber das Ergebnis wird falsch aussehen. Genauso ist es auch bei den titelgebenden Hinterzimmern, die reale Locations auf bizarre Weise spiegeln. Gerade Details von Clarks Möbelladen tauchen dort in verzerrter Form wieder auf.
So bauen Parsons und Drehbuchautor Will Soodik, der zuvor nur für TV-Serien wie „Homeland“, „Westworld“ und „Ash vs Evil Dead“ schrieb, in der ersten Hälfte ein Mysterium auf, unterstützt von einem starken Sounddesign von Eugenio Battaglia („Heretic“) – ein weiterer Perkins-Regular. Je weiter der Film fortschreitet, desto eher hat man allerdings auch das Gefühl, dass Regie und Drehbuch nur bedingt etwas von Spielfilmdramaturgie verstehen. Selbst, als die Handlung sich zuspitzt, läuft „Backrooms“ im gleichen Tempo wie vorher, erzeugt keinen Sinn von Dringlichkeit. Der Plot ist wenig pointiert erzählt, verweigert sich zudem Erklärungen, was eine bewusste Entscheidung sein mag, das Ergebnis aber nicht befriedigender macht. Ein paar vulgärpsychologische Ansätze hier, etwas Erforschung paranormaler Phänomene dort, da darf sich jeder seine eigene Interpretation basteln oder es direkt sein lassen.
Leider fehlt es dann auch an Figuren, die einen so richtig mitgehen lassen. Clark ist ein runder Charakter, aber eben auch keine Identifikationsfigur: Seine Aggressionen hat er nur bedingt im Griff, was sowohl seine Therapeuten als auch seine Angestellten zu spüren bekommen. Dass die Suche in den Backrooms auch eine Sinnsuche für den gescheiterten Architekten ist, der verzweifelt seine Frau zurückwill, das wird klar. Bei Mary hingegen bekommt man ein paar handelsübliche Brocken zur traumatischen Kindheit via Rückblende hingeworfen, das macht aber noch keinen runden Charakter aus ihr. Alle anderen Figuren sind bessere Stichwortgeber und reine Schablonen. Und der Status als gehobener Thinking-Man’s-Horror wird spätestens dann fraglich, wenn eine Figur gegen Ende des zweiten Drittels eine Entscheidung gegen jede Logik trifft, für welche die Kritik jeden Teenieslasher dreimal kreuzigen würde.
Darstellerisch geht das alles durchaus in Ordnung. Gerade Chiwetel Ejiofor („The Old Guard 2“) meistert seinen facettenreichen Charakter, mit dem man durchaus mitfiebert, auch wenn man ihn nur bedingt mag und seine Fehler sieht. Clark will sich bessern, steht sich selbst im Weg, und nie ist klar, welcher Clark dieses innere Kräftemessen gewinnen wird. Renate Reinsve („Der schlimmste Mensch der Welt“), der nächste Euro-Star auf Hollywoodausflug, hat die weniger dankbare Rolle, macht das aber ziemlich solide im Rahmen der Möglichkeiten, die das Drehbuch ihr lässt. Mumblecore-Größe Mark Duplass („The Lazarus Effect“) hat eine Nebenrolle als Geheimdienst-Wissenschaftler-Honcho, ist in seinen wenigen Szenen aber einfach nur da, ohne groß etwas zu reißen.
„Backrooms“ hat ein starkes Sounddesign und ein famoses Szenenbild zu bieten, steigt vielversprechend ein, wird in der zweiten Hälfte zunehmend unbefriedigend und in manchen Szenen unerfreulich geschwätzig. Für das Werk eines 20-jährigen Autodidakten teilweise durchaus beeindruckend, aber seinen Hype auch nicht ganz wert. Vielleicht auch ein Grund, warum die anfangs famosen US-Besucherzahlen schnell stark einbrachen.
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Constantin Film bringt „Backrooms“ am 18. Juni 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.
© Nils Bothmann (McClane)
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| Copyright aller Filmbilder/Label: Constantin Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 18.6.2026 in den deutschen Kinos |








