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The Protector

Originaltitel: Protector__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1998__Regie: Boon Collins, Jeff Frey__Darsteller: Frank Zagarino, Matthias Hues, Steven Nijjar, Joe Costa, Lindsay Collins, Meeka Schiro u.a.
The Protector mit Frank Zagarino und Matthias Hues DVD Cover

Matthias Hues und Frank Zagarino schwenken sich in “The Protector” gegenseitig eine ein.

Wer mich kennt, weiß, dass ich mit Actionheld Frank Zagarino („Armstrong“) nie so wirklich warm geworden bin. Trotzdem juckt es immer in meinen Fingern, wenn ich vor einem Zagarino-Film stehe. So auch dieses Mal: „The Protector“ stand vor mir im Regal. Ich wusste, ich kenne ihn, aber nur die geschnittene Fassung. War das hier eine Uncut-Version? Schnell das Handy gezückt und ja, diese Fassung sollte uncut sein. Für einen schmalen Taler das gute Stück eingesackt und trotz Hassliebe zum Frank sofort nach dem Heimkommen in den Player geworfen.

Und ich konnte mich an rein gar nichts mehr erinnern. Irgendwas in meinem Hirn hat, vermutlich um sich selbst zu schützen, nach der Erstsichtung den Mantel des Vergessens über dem Werk ausgebreitet. Mir wurde auch schnell wieder bewusst, warum…

Ein Typ, nennen wir ihn Fuller, kommt in eine Bar. Hier löst er eine Rechenaufgabe schneller als die installierte Kasse und bringt mit diesen Fähigkeiten alle Barinsassen zum Staunen. Auf einmal fliegt die Tür auf und eine Horde Killermiezen beginnt das Feuer zu eröffnen. *Rattatattatatattaaaa* macht es und alle Gäste der Bar werden erbarmungslos umgenietet – zumindest die männlichen. Eine Bedienung überlebt trotz wildem Sperrfeuers unverletzt. Wie auch immer sie das machte. So geht Feminismus. Wo war ich? Achja.

Auch Fuller kann entkommen. Zumindest bis zum nächsten Schrottplatz, wo die Killermiezen ihn wieder aufspüren und erneut das Feuer eröffnen. *Ratatattaaattatata* und *bumm bumm* macht es daraufhin, denn diesmal haben die Miezen auch Panzerfäuste mit. Egal, Fuller entkommt trotzdem und rettet sich auf einen vorbei kutschierenden Transporter für Chicks … also Hühnchen. Hier knallt er so hart mit dem Kopf auf, dass er fortan unter Amnesie leidet.

Keine guten Voraussetzungen, wenn man von Hinz und Kunz gejagt wird, weil man angeblich Kopien einer CD habe, mit der man das weltweite Wirtschaftssystem zu Fall bringen beziehungsweise es kontrollieren könne. Glücklicherweise lernt Fuller bald eine Type namens Cole kennen, der ihm helfen will. Doch wieso hat Fuller Träume, in denen Cole Fullers Sohn Eric umbringt? Und was labert der Oberbädass Sanchez eigentlich immer für gequirlte Kacke, von wegen Cole habe auch seinen Sohn um die Ecke gebracht?

Schaut in den Actionfilm mit Frank Zagarino und Matthias Hues hinein

Voll spannend, wa’? Glücklicherweise setzt „The Protector“ diese atemberaubende Story etwas gesetzter um, als es hier anklingt, so dass man nicht Gefahr läuft, vor Anspannung einen Herzkasper zu bekommen. Und trotzdem wird wohl kaum jemand das Ende dieses filmischen Unrates erleben. Denn entweder hat man nach 15 Minuten dem Treiben ein Ende gesetzt oder schlummert bereits friedlich vor sich hin.

Denn „The Protector“ ist derart kaputter Actionmüll, dass man mit jeder weiteren Filmminute mehr und mehr geneigt ist, in den „Actionfilme sind blöd“-Kanon diverser Gazetten oder Frauenchöre einzustimmen. Richtig übel wird es, wenn der Film nicht nur seine altbekannte Story vollkommen inspirationslos runterleiert, sondern auch noch versucht, schlau zu sein und sich betont verrätselt über die großen Zusammenhänge gibt. Wer diese Zusammenhänge allerdings nach fünf Minuten immer noch nicht beisammen hat, sollte weiterhin die Sendung mit der Maus gucken.

Diese ist dann hinsichtlich der Frage, ob sich Elefant und Maus irgendwann doch noch kriegen, sicher auch tausendmal spannender als „The Protector“. Nebenher bestätigt „The Protector“ auch die Regel, dass immer wenn man meint, bereits die schlimmsten Frank-Zagarino-Streifen gesehen zu haben, schon der nächste Zagarino-Streifen einen eines Besseren belehrt. Dabei kommt der gute Frank noch am Besten weg, muss er doch in seiner Rolle als Cole nur das machen, was er allgemein immer auf dem Kasten hat: Geradeaus stieren und aussehen wie Frank Zagarino.

Interessant ist, dass irgendwer, der nach den Dreharbeiten das belichtete Material zusammengekehrt hat, den Film unbedingt auf Herrn Zagarino drehen wollte. Vermutlich, weil er eben der einzig sinnig zu vermarktende Aspekt des Actionfilmes war. Infolgedessen gibt es unter dem Vorspann tatsächlich eine Montage, in der Zagarinos Betongesicht (und nur das!) aus unterschiedlichen Winkeln gefilmt wird. Und ist der Film dann zu Ende, erklärt Zagarinos Nebenfigur, dass der Held der Chose inzwischen glücklich vor sich hin lebt und er, also Zagarino, jetzt auch Mittel und Wege gefunden habe, um glücklich zu werden. Dazu gibt es Frank Zagarino im Gegenlicht. Wer war hier nochmal der Star?

Der Rest des Castes dilettiert ebenfalls einfach munter vor sich hin. Matthias Hues („Ultimate Justice“) wirkt wie in den meisten seiner Streifen seltsam dauerverwirrt und steht eh nur in irgendeiner Ecke, wo er seine beeindruckenden Muskelberge anspannt. Als Bädass geht er damit zwar nicht durch, aber der Film erwähnt diesen Umstand verbal, so dass man zumindest eine Ahnung in Bezug auf die Anlage seines Charakters hat.

Hauptdarsteller Stephen Nijjar hat den Streifen gleich noch mitproduziert. Auch eine Möglichkeit, ein Zeugnis seiner körperlichen Fitness zu produzieren. Viel mehr kann er nicht im Sinn gehabt haben, denn bis auf die Tatsache, dass er gerne mal oben ohne rumrennt, bleibt von seiner Figur gleich mal gar nichts in Erinnerung.

Kickt denn wenigstens die Action? Bedingt. Die Balleraction im Film ist, bis auf eine Ausnahme, unfassbar steif, bewegungslos, langweilig, null choreographiert und echt grottig inszeniert. Mein persönliches Highlight waren die Actioneinlagen von Matthias Hues im Showdown, wo er vor einer Steinwand stehend immer wieder mit einem Sturmgewehr irgendwohin feuert. Dabei scheint er dann irgendwann Buchstaben mit der feuernden Waffe in die Luft zu schneiden, richtig mit Serifen und edlen Rundungen. Und der Editor dachte nicht mal daran, einen Gegenschnitt mit eventuellen Opfern zu präsentieren. Und das passiert dann vier bis fünf mal. Mieser geht einfach nicht mehr.

Allgemein spielt der gesamte Showdown vor ebenjener Wand. Mal laufen die Helden daran vorbei, mal die Bäddies. Mal wird davor geballert, mal davor gekickt. Und man lässt sich sterbend an der Wand heruntergleiten. Diese Wand scheint es den Regisseuren Collins und Frey echt angetan zu haben. Und trotzdem wechseln sie mitten im Showdown auch noch total sinnlos den Schauplatz. Es wirkt daher immer mal, als habe man hier großräumig ein neues Ende zusammengefilmt, weil das eigentliche genauso beschissen war wie der Rest vom Fest.

Um fair zu bleiben, muss erwähnt werden, dass es mit der Eingangsballerei in der Bar eine gute Feuerwaffen-Actionszene gibt, in der es einerseits ordentlich saftet und die andererseits nicht zu statisch geraten ist. Des Weiteren ist die Prügelaction von einem etwas anderen Kaliber. Hier erkennt man tatsächlich Choreografien, das Editing und die Montage geraten deutlich rasanter. Da gibt es Übleres im Genre. Das Problem ist nur, dass recht wenig gekickt wird. Zudem liegt der Fokus hier auch deutlich auf Zagarino, der allerdings nunmal kein Martial Artist ist. Dennoch muss man auch ihm zugestehen, dass seine beiden Fights gegen Matthias Hues recht knorke ausfallen.

Protectet euch vor „The Protector“

„The Protector“ gehört definitiv zum Bodensatz des Actiongenres, der aufgrund seiner wirklich lähmend öden und verquast erzählten Story nicht einmal Hardcorefans empfohlen werden kann. Zwar kommt häufig Action auf, diese schwankt in ihrer Qualität aber gehörig und hat kaum Highlights zu bieten. Vor allem das Geballer ist eine echte Zumutung für Actionfans. Etwas gelungener, aber leider weniger zahlreich, sind die Kickerszenen. Hier erkennt man, dass den Machern so etwas wie ein Actionfilm vorschwebte. Der präsentiert sich am Ende im höchst schäbigen Look und haut einem eine Filmmusik um die Ohren, die unpassender kaum sein könnte. Da geht einem sogar der genretypische Besuch im Stripschuppen schnell auf den Zünder.

2 von 10

„The Protector“ ist erst seit der Veröffentlichung durch das Label WMM uncut auf DVD zu haben. Die hatten eine VHS als Master, das sie nur unwesentlich gepimpt haben. Zudem wird der Film als eine Art Voice Over angeboten. Ergo tönt hier unter den immer unpassenden deutschen Stimmen die Originaltonspur mit den Originalstimmen durch! Dickes Ding.

In diesem Sinne:
freeman

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