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Ticker

Originaltitel: Ticker__ Herstellungsland: USA_ Erscheinungsjahr: 2001__ Regie: Albert Pyun__ Darsteller: Tom Sizemore, Dennis Hopper, Steven Seagal, Jaime Pressly, Nas, Peter Greene, Kevin Gage, Michael Halsey, Norbert Weisser, Joe Spano, Rozonda ‘Chilli’ Thomas, Romany Malco, Linda Castro, Mimi Rose, Yuji Okumoto, Ice-T, Vincent Klyn, …

Ticker

Das deutsche Covermotiv von “Ticker”…

Ticker

…sowie die entsprechende US-Variante.

Bei “Ticker” haben wir es mit einen Action-Thriller aus dem Jahr 2001 zutun, der von dem Fernsehserien-erfahrenen Skript-Schreiberling Paul B. Margolis (“T.J. Hooker”, “MacGyver”, “Pacific Blue” etc.) verfasst wurde sowie ursprünglich mal (in den späten ’90ern) in Form eines TV-Films für “Turner Broadcasting” mit Chuck Norris in der Hauptrolle realisiert werden sollte – bevor das Projekt letzten Endes bei der B-Movie-Schmiede “Nu Image” landete und man Albert Pyun (u.a. “Nemesis” und “Mean Guns“) mit der Regie betraute. $11 Millionen wurden dafür eingeplant. Während die Pre-Production-Phase noch ordentlich anlief – inklusive der Verpflichtung einer durchaus namhaften Besetzung – wurde das Budget zwei Wochen bevor es “vor die Kameras ging” dann aber plötzlich auf 7 Millionen Dollar gekürzt sowie die veranschlagte Dreh-Zeit von 30 auf gerade einmal knapp über ein Drittel dieser Tage reduziert! Ein weiteres gewichtiges, daraus entstandenes Problem: Die Gagen der Schauspieler schlugen bereits mit etwa $6,2 Millionen zu Buche – ergänzt um zusätzliche Kosten (wie z.B. Bank-Gebühren) in Höhe von zirka 300.000 Dollar. Kurzum: “Unterm Strich” standen Pyun bloß nur noch rund eineinhalb Wochen und ungefähr $500.000 zur Verfügung…

Det. Ray Nettles (Tom Sizemore) hat die Ermordung seiner Familie noch immer nicht richtig verarbeitet, als er eines Abends gemeinsam mit seinem Partner ‘Fuzzy’ Rice (Nas) einige “verdächtige Gestalten” bemerkt und ihnen in ein Lager-Gebäude folgt – wo es stracks zu einer Konfrontation kommt, welche darin resultiert, dass der Anführer der Gruppe (Dennis Hopper als Alex Swan) Rice erschießt sowie mit einem Komplizen-Duo (Michael Halsey und Norbert Weisser) zu entkommen vermag. Einzig Swan´s mysteriöse Begleiterin Claire (Jaime Pressly) kann gefasst werden – doch verweigert die jedwede Aussage. Es dauert nicht lange, da nimmt Swan Kontakt zu den Cops auf, um ihre Freilassung zu fordern – ansonsten würde er mit dem Verüben von Anschlägen beginnen. Den Ernst seiner Worte beweisend, zündet er nach dem Verstreichen eines ersten Ultimatums sogleich eine Bombe in einer Bar: Diverse Unschuldige sterben. Da Nettles’ Ansehen im Department inzwischen nicht mehr allzu hoch ist, genehmigt man ihm keine weiteren Ressourcen für seine individuellen Ermittlungen – also tut er sich stattdessen mit der “Bomb Squad” und ihrem Leiter Frank Glass (Steven Seagal) zusammen, um Swan möglichst rasch auf die Spur zu gelangen und aufzuhalten…

Story-technisch bietet einem “Ticker” nichts neues – im Gegenteil: Als Zuschauer erhält man eine unoriginelle Aneinanderreihung von “Standard-Situationen” und Genre-Klischees (samt entsprechender Dialoge) präsentiert – á la dass Nettles die gewaltsamen Tode seines Kindes, seiner Frau und seines Partners “schwer mitgenommen” haben, dass er den Fall nicht abgeben will, obwohl er das wegen Rice eigentlich müsste, dass es einen (von Peter Greene gemimten) Kollegen gibt, mit dem er regelmäßig aneinander gerät, oder dass sich Bomben scheinbar nur dann entschärfen lassen, wenn sich der Countdown “bedrohlich” der Null nähert. Vereinzelte sich um die “undurchsichtige” Claire rankende Gegebenheiten sind zumindest im Ansatz reizvoll – aber das war´s dann schon. Per se muss man ja nicht sofort vom Schlimmsten ausgehen, sobald ein Streifen dieser Art mit solch konventionellen, altbekannten inhaltlichen Elementen aufwartet – schließlich überzeugen (bspw.) Stephen Hopkins’ “Blown Away” und Roger Christian´s “the Final Cut” ebenfalls nicht gerade prächtig in den Bereichen Charakter-Zeichnung und Plot-Ausgestaltung. Nein, dem geneigten Publikum kommt es da viel stärker auf “Dramatik” sowie die gebotene Action an…

Feuerbälle, gesprengte Gebäude, umhergeschleuderte Menschen, Shootouts und Fights gibt es im Vorliegenden reichlich – doch ist Quantität bekanntlich nicht automatisch gleich Qualität; zumal das meiste in dieser Hinsicht nicht einmal von Pyun stammt, sondern sich als “Stock Footage” anderer Veröffentlichungen entpuppt – und das leider auch nicht erst bei genauerer Betrachtung! Nach dem anstrengenden, u.a. von Zeit- und Geld-Knappheit geprägten Dreh hatte sich Pyun ans Editing begeben – bis gewisse Verantwortliche bei “Nu Image” ihm irgendwann erneut “dazwischen grätschten” und gravierende Änderungen an der von ihm in Arbeit befindlichen Version des Films verlangten: Vorrangig ging es ihnen darum, Neben-Darsteller Seagal mehr Screen-Time zu geben – seiner Figur also einen “dominanteren Part” zukommen zu lassen – sowie überdies den Action-Grad deutlich zu erhöhen, um eine bessere Vermarktbarkeit zu erzielen. Nunja, letztlich lief es darauf hinaus, dass Pyun die Vollendung verwehrt bzw. entzogen wurde – ähnlich wie Jahre zuvor bereits mal bei “Cyborg“, wo Jean-Claude van Damme die Produzenten Menahem und Yoram Globus dazu überreden konnte, höchstpersönlich eine neue Schnitt-Fassung des Werks anzufertigen…

In beiden Fällen war es Pyun später tatsächlich noch gelungen, seine (sich wahrlich merklich unterscheidenden) “Workprints” herauszubringen. Glass z.B. sollte in “Ticker” ursprünglich bloß rein in Nettles’ Kopf existieren – quasi als ein “Mechanismus seines Verstands”, um ihm bei der Bewältigung seiner phobischen Furcht vor Bomben zu helfen. Des Weiteren war Chicago Schauplatz der Entfaltung und hatte Anthony Riparetti (“Road to Hell“) bereits einen Score angefertigt – der dann aber durch andere Musik von Serge Colbert (“Derailed”) ausgetauscht wurde, während man mit ein paar eingefügten Stadt-Aufnahmen (samt Cable-Cars und so) die Geschehnisse kurzerhand nach San Francisco verlegte. Wer darauf achtet, kann bei den Pkws allerdings noch die Illinois-Kennzeichen ausmachen – obgleich eh alles in Downtown Los Angeles gefilmt wurde; aber halt mit Sets, die man wie Chicago (und nicht wie die betreffende Metropole im nördlichen Kalifornien) hergerichtet hatte. Doch hey: Im Rahmen der “Stock Footage”-Sequenzen erhält man obendrein auch Locations in Südafrika sowie im Ostblock zu sehen – plus eine extravagante Halloween-Party, die einen ohnehin schon verwundert, da ansonsten überhaupt nichts auf eben jene Zeit Ende Oktober hindeutet…

Wem Genre-B-Movies aus jener “Ära” gut vertraut sind, der könnte Action-Momente u.a. aus “Red Zone”, “Deadly Takeover” und “Sweepers” wiedererkennen – ebenso wie eine Szene mit Dennis Hopper aus “Frankie the Fly”. Das wilde “Zusammenschustern” des Materials hat zu diversen Anschluss-Fehlern und sonstigen “Irritationen” geführt – etwa wenn plötzlich ganz andere Fahrzeuge oder Gebäude als die gerade zuvor noch erblickten explodieren. Zudem lässt einen eine technisch mies arrangierte und abgestimmte Green-Screen-Autofahrt unweigerlich mit den Augen rollen, bei der Hopper und Pressly vorne im Innenraum nebeneinander sitzen – sich jene allerdings nie begegnet sind! Die angespannte finanzielle Lage wirkte sich nämlich auch auf die Termin-Buchungen aus: Seagal war immerhin sechs Tage vor Ort – Hopper indes gar nur an einem; wobei er kein einziges Mal auf Pressly, Seagal oder Sizemore traf! Ihm und Pyun ist es durchaus anzurechnen, was sie aus diesen wenigen Stunden “herausholen” konnten – wobei es sicherlich fast nie über einen ersten Take hinausging. Per Editing und dem punktuellen Einsatz von Doubles vermochte dieser missliche Umstand insgesamt noch brauchbar gemeistert bzw. “kaschiert” zu werden…

An sich weist “Ticker” eine ordentliche Besetzung auf – welche ihrerseits aber nicht sonderlich viel zu “reißen” vermag. Tom Sizemore (“Atomica“), der damals noch regelmäßig in Hollywood-Produktionen auftrat, liefert eine “lustlos” anmutende Performance ab, bei der er in keinerlei Weise irgendwie gefordert wurde – weder physisch noch vom Skript her. Dennis Hopper (“the Last Ride“) spult seine übliche “Baddie-Routine” runter – klar schwächer als bspw. in “Speed” sowie hier zu allem Überfluss einen miesen irischen Akzent präsentierend – Jaime Pressly (“Evel Knievel“) sieht gewohnt attraktiv aus und hat tatsächlich einen tendenziell “mehrdimensionalen” Part abbekommen, Peter Greene (“Out in Fifty“) gibt mal wieder einen “arschigen Typen” zum Besten und nicht nur Kevin Gage (“Fear Clinic“) mangelt es hier an der “Screen Presence”, für die er normalerweise ja bekannt ist. Die Nebenrollen werden unterdessen u.a. von Romany Malco (TV´s “Weeds”), Joe Spano (TV´s “Navy CIS”), den “Pyun-Regulars” Michael Halsey (“Postmortem“), Norbert Weisser (“Cool Air“), Yuji Okumoto (“Blast“), Ice-T (“New Jack City“) und Vincent Klyn (“Knights“) sowie den beiden Musikern Rozonda ‘Chilli’ Thomas (der Band TLC) und Nas (“John Q”) ausgefüllt…

Letzterer agiert arg “hölzern” – und sein Ableben im Film, im Zuge dessen er Sizemore´s Figur noch einige “weise Worte” hinterlässt, ist dermaßen schlecht gespielt, dass es schon unfreiwillig komisch ist. Apropos: Auch Glass sorgt sich um Nettles’ Wohlergehen und offeriert ihm im Verlauf so einige Tipps in Sachen “Zen” sowie in der Art von “Understand that death is just another stage on the playground”,“Love is eternal… and that’s a long time” oder “Well, you know one thing about hitting the bottom: After that there’s only one way you can go – and that’s up”. Total philosophisch und echt “großes Kino” – speziell als er mit einer solchen Rede loslegt, während Nettles eigentlich dringend Unterstützung bei der Entschärfung einer Bombe benötigt. Steven Seagal (“Marked for Death“) verkörpert Glass passabel – mitunter bebrillt sowie nur zum Showdown hin plötzlich vom ruhig-gefassten Sprengstoff-Experten zu einem “1-Mann-Terroristen-Aufräum-Kommando” werdend – und das keineswegs rein “auf Autopilot geschaltet”. Genau genommen hat er sich in mehrerlei Hinsicht in das Projekt mit eingebracht: Sein Schäferhund Kaos ist ebenfalls mit von der Partie, samt Hut und Bart tritt er kurioserweise überdies als Sänger auf (sogar in derselben Szene wie Glass) und selbst das Lied im Abspann (mit dem Titel “Love Doctor”) stammt von ihm himself…

Darüber hinaus war es Seagal´s Wunsch, eine Location von einem Strip-Club hin zu einer Blues-Bar abzuändern – da das mal “eine Abwechslung” markieren würde – wobei er dann gleich das besagte “Cameo” mit einbauen konnte. Irgendwie “stimmungsvoller” wurde dadurch jedoch nichts: Einfach alles (Kulissen, Ausstattung etc.) sieht billig aus – inklusive der Optik von Cinematographer Philip Alan Waters (“Captain America“). Die meisten Einstellungen wirken schlecht geplant und “eilig abgehandelt”, zwecks Geld-Sparen gab es nur wenige Außendrehs, die spärliche “eigene” Action wurde uninspiriert arrangiert und “coole” Momente erhofft man sich vergebens (zumindest amüsiert einen der, als Glass so hart gegen die Stoßstange eines Wagens tritt, dass drinnen der Airbag auslöst). Alles in allem ein ziemlicher “Komplett-Ausfall” also – kostengünstig, lahm und voller “Stock Footage”. Ironischerweise war der Streifen für “Artisan Entertainment” die zweit-lukrativste Veröffentlichung überhaupt (nach “the Blair Witch Project”) und stieg er in den japanischen Kinos direkt vor “Exit Wounds” in die Top-10 ein. Pyun jedenfalls hasst “Ticker” bis zum heutigen Tage – reagiert stets verärgert, wenn man ihn auf das Werk anspricht, und hat sich bereits mehrfach dafür “entschuldigt”…

Hierzulande ist “Ticker” auf DVD erhältlich. BluRay-Veröffentlichungen des Streifens lassen sich u.a. in Norwegen und Frankreich finden. Seinen “Director´s Cut” hat Pyun eine Zeit lang direkt über die eigene Website vertrieben – allerdings ist das inzwischen nicht mehr möglich…

Stefan SeidlTicker

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Copyright der “Ticker” Covermotive und Pics: Artisan Ent. / EFO Films / Kings Road Ent. / Nu Image / Millennium Films / Highlight (D)__ Infos zur dt. VÖ:__ Freigabe: FSK-16__ DVD/BluRay: ja/nein

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