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Wildcat

In „Wildcat“ muss Ex-Special-Forces-Soldatin Kate Beckinsale schnell Geld auftreiben, um die Schulden ihres Bruders zu begleichen und das Leben ihrer Tochter zu retten. Mit Ex-Lover Lewis Tan zieht sie einen Coup durch, der sie jedoch ins Visier verfeindeter Londoner Gangsterbosse und einer Straßengang bringt, weshalb sie bald um die Beute und ihr Leben kämpfen müssen.

Originaltitel: Wildcat__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: James Nunn__Darsteller: Kate Beckinsale, Lewis Tan, Charles Dance, Alice Krige, Rasmus Hardiker, Bailey Patrick, Tom Bennett, Mathilde Warnier, Edmund Kingsley, Isabelle Moxley, Martin Razpopov, Roxy Striar u.a.
Wildcat

In „Wildcat“ schickt James Nunn seine Hauptdarsteller Kate Beckinsale und Lewis Tan auf eine gefährliche Unternehmung

James Nunn hat sich durch seine Sequels „The Marine 5“ und „The Marine 6“ sowie seine Arbeiten mit Scott Adkins (z.B. „Eliminators“, „One Shot“ und dessen Sequel) einen gewissen Ruf im B-Actiongenre erarbeitet. Für „Wildcat“ konnte er sogar eine semi-prominente Besetzung verpflichten, größtenteils aus seiner britischen Heimat stammend, in der er auch drehte.

„Wildcat“ wirft sein Publikum mitten ins Geschehen, mit einem Off-Kommentar der titelgebenden Wildkatze, Ex-Special-Forces-Soldatin Ada (Kate Beckinsale). Sie beschreibt die Verhältnisse in London, wo Frasier Mahoney (Charles Dance) und Mrs. Christina Vine (Alice Krige) die größten, miteinander verfeindeten Gangsterbosse sind. Hinzu kommt eine Straßengang, die sich nichts sagen lässt und ihr Territorium verteidigt. Aktuell herrscht Krieg auf den Straßen, Ada mittendrin. Eine leicht apokalyptische Vision, passend dazu die eher gräuliche, triste Optik des Films, der manchmal etwas von einem Endzeitfilm hat, eigentlich aber ein in der Gegenwart angesiedelter Gangster- und Heist-Actionthriller ist.

Auslöser ist nämlich ein Coup, den Ada gemeinsam mit ihrem Ex-Lover Roman (Lewis Tan), ihrem psychisch kranken Bruder Edward (Rasmus Hardiker) und ihrem ehemaligen Weggefährten Curtis (Bailey Patrick) durchzieht. In Rückblenden mit Guy-Ritchie-Anmutung wird die Vergangenheit durchgespielt: 10 Jahre, 10 Tage, 10 Stunden vor dem Coup. Roman und Ada waren einst ein Paar, trennten sich wegen unterschiedlicher Familienplanung. Vor zehn Tagen trat Roman wieder in das Leben der alleinerziehenden Ada, pünktlich dazu hat der Bruder massive Schulden bei Frasier, der Adas Tochter als Druckmittel entführt. Das mag erzählerisch vielleicht ein bisschen gewollt wirken, verdichtet die Exposition allerdings und lässt gleichzeitig den Heist als Auftaktactionsequenz stehen.

Der eigentliche Heist gelingt, doch auf der Flucht gibt es Komplikationen, wodurch Ada und ihre Crew ihr Vehikel verlieren und ins Visier der Straßengang geraten. Derweil wartet Frasier auf seine Kohle, während Christina nach den Dieben sucht, denn die überfallene Diamantenbörse gehörte zu ihrem Imperium…

Schaut euch den Trailer zu „Wildcat“ an

Eine kleine Truppe auf sich allein gestellt in einem feindseligen Gebiet, das gab es im Klassiker „The Warriors“ von Walter Hill, aber auch in gelungenen B-Filmen wie „Jungleground“ oder „Night of Terror“. Dummerweise scheinen weder Regisseur Nunn noch Drehbuchautor Dominic Burns („U.F.O.“) dem Ganzen so richtig zu trauen oder sie hatten nicht das Geld dazu, um das Szenario entsprechend umzusetzen. Manchmal gibt es kurze, aufstandartige Situationen auf der Straße, mal trabt die Straßengang in Mannschaftsstärke an, mal ist dagegen fast gar nichts los im angeblich umkämpften Gebiet. Die Polizei kommt nie vor, ein paar Nachrichtensendungen im Hintergrund sollen den Ausnahmezustand simulieren, gegen Ende auch ein paar CGI-Rauchsäulen über Londons Skyline, doch so wirklich kauft man dies „Wildcat“ nicht. Noch grottiger als der CGI-Rauch ist eine CGI-Explosion im Finale, vor allem grottig ist aber das Script, das keinerlei Spannungsbogen hinbekommt und keinen einheitlichen Ton findet.

So gibt es diese Guy-Ritchie-artigen Momente, in den Spielereien mit der Erzählstruktur, skurrilen Locations wie dem Sexclub von Informationshändlerin Cia (Mathilde Warnier) oder einigen Comedy-Einlagen, etwa um den Verkehrspolizisten, der Edward ausgerechnet während des Heists zum Umparken zwingen will. An anderer Stelle will „Wildcat“ dann ernst sein, wenn es einzelne Crewmitglieder erwischt oder Ada und Roman ihre Gefühle füreinander entdecken, doch nichts davon funktioniert, da die meisten Figuren blasse Pappkameraden bleiben. So kommt der Film weit ab von seiner eigentlich angenehm fettfreien Überlebenskampfprämisse. Ein bisschen Familien- und Behindertendrama hier, etwas Gangsterkomödie dort, ein bisschen grimmiger Gangsterfilm da. Noch dazu beißen sich diese Strömungen teilweise, denn die angeblich so professionellen Gangster mit Special-Forces-Vergangenheit verlieren ihre Karre durch einen Comedy-Zufall, der aus „Snatch“ und Co. stammen könnte. Regelrecht comichaft wirkt die Szene in einem Pub, in dem jeder Gast ein Gangster ist und im richtigen Moment die Wumme zieht, als wäre man in der Erstverfilmung von „The Punisher“.

Die zahlreichen Rückblenden und Nebenschauplätze wirken eh wie ein Klotz am Bein, bringen den Film nie weiter und sind erschreckend schlecht durchdacht, gerade mit Blick auf eine Storytwists. Viele Szenen bleiben in der Luft stehen und könnten problemlos aus dem Film geschnitten werde, etwa jene, die Christina als Großmutter zeigt, die mit ihrer Enkelin über Alpträume spricht. So mäandert „Wildcat“ hin und her, kann keine seiner Parteien so richtig erklären oder in Stellung bringen. Die Hauptfiguren werden getrennt und auf eigene Quests geschickt, wodurch der Film noch mehr zerfasert: Desinformationen säen, die Diamanten verscherbeln oder einfach abwarten, was allerdings eine wohnungszerstörende Kampfszene führt. Am Ende laufen die Fäden dann in einem kreuzerbärmlichen Showdown zusammen, der hastig zusammengeklatscht und erbärmlich geschrieben wirkt, vor allem aber auch sehr mäßige Action bietet.

So sieht man Nunns Händchen für leinwandfähigen Krawall eher in den vorigen Konfrontationen: Bei dem Abwehren der zahlenmäßig überlegenen Straßengang, bei der Wohnungsprügelei oder bei Szenen auf den Straßen, in denen Roman und Ada irgendwelche random Lappen verwemmsen müssen, die zu frech werden. Die Fights und Shoot-Outs sind meist eher kurz, aber immerhin versiert gemacht – auch wenn man allen Ada-Kampfszenen anmerkt, dass Kate Beckinsale öfters gedoubelt werden muss. Stunt Coordinator Antoni Davidov („The Expendables 4“) tut jedoch sein Bestes, Nunn filmt das meist sauber ab, der Schnitt von Ben Mills („Fight or Flight“) vollbringt keine Wunder, geht aber meist in Ordnung. Allerdings bleibt die Actionmenge insgesamt übersichtlich, mit dem versaubeutelten Finale als besonderem Schandfleck.

Ansonsten ist „Wildcat“ auch die Geschichte zweier Karrierepfade. Auf der einen Seite ist Kate Beckinsale, die immer noch von ihrer „Underworld“-Action-Credibility zählt, in denen letzten Jahren aber eigentlich nur in mauen Direct-to-Video- und Streaming-Produktionen wie „Jolt“ oder „Canary Black“ zu sehen war. Auch hier wirkt sie eher redlich bemüht als wirklich überzeugend und sieht zudem so aus, als habe sie Schönheitseingriffe oder ungesunde Diäten hinter sich. Auf der anderen Seite wiederum steht Lewis Tan, der durch Rollen in „Cobra Kai“, „Deadpool & Wolverine“ oder „Mortal Kombat“ gerade auf dem aufsteigenden Ast ist und B-Hauptrollen wie diese als weiteres Karrieresprungbrett nutzt. In Sachen Drehbuch ist er die zweite Geige, macht seine Sache aber mit Elan. Für Nebenrollenprominenz sorgen Charles Dance („Iron Mask“) und Alice Krige („Texas Chainsaw Massacre“), absolvieren dies mit mehr Elan als beispielweise Harvey Keitel in „Hellfire“, können aber nicht so wirklich glänzen.

So bleibt ein enttäuschend langweiliges Actionfilmchen, dessen größte Schwäche das spannungsarme, uneinheitliche und in Sachen Plausibilität lausige Drehbuch ist. Doch auch Nunns Inszenierung kriegt den Spagat zwischen Guy-Ritchie-Imitat, grimmigem Gangsterfilm und B-Action nicht hin, sodass „Wildcat“ nur in den Actionszenen das Können seines Machers zeigt. Davon gibt es allerdings viel zu wenige, um diesen trist aussehenden, merklich unterfinanzierten und mit einem kreuzerbärmlichen Finale aufwartenden Reißer noch zu retten.

© Nils Bothmann (McClane)

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