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The Prey – Die Menschenjagd

Originaltitel: The Prey__Herstellungsland: Kambodscha__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Jimmy Henderson__Darsteller: Gu Shangwei, Byron Bishop, Sahajak Boonthanakit, Nophand Boonyai, Rous Mony, Vithaya Pansringarm, Dy Sonita u.a.
The Prey - Die Menschenjagd DVD Cover

“The Prey – Die Menschenjagd” kommt von Nameless Media in Form mehrerer Mediabooks.

Undercover-Agent Xin ist in Kambodscha unterwegs, um eine mafiöse Vereinigung zu sprengen. Eines Tages gerät er mitten in eine Razzia der kambodschanischen Polizei und wird festgesetzt. Aus nicht näher erläuterten Gründen gibt Xin allerdings nicht seine Tarnung auf und lässt sich mit den anderen Halunken inhaftieren.

Er landet in einem Moloch von einem kambodschanischen Knast, dessen Direktor sich ausgerechnet Xin als Spielzeug aussucht. Brechen wolle er den jungen Mann, das Tier in ihm an die Oberfläche holen. Weit kommt der Knast-Direktor allerdings nicht, denn auf einmal tauchen Geschäftspartner von ihm auf. Und die suchen nach Beute. Beute für ihre Menschenjagd, die sie in regelmäßigen Abständen zelebrieren.

Natürlich suchen sie sich auch Xin für ihre Jagd aus. Gemeinsam mit neun anderen Häftlingen wird er an den Rand des kambodschanischen Dschungels verfrachtet. Hier beginnt sogleich der Überlebenskampf, denn die Jäger denken gar nicht daran, die Gefangenen das schützende Dickicht erreichen zu lassen. Mann um Mann metzeln sie nieder. Doch Xin und zwei Weggefährten schaffen es in den Wald. Die Jäger müssen dementsprechend zur Jagd blasen. Eine Jagd, in der Xin mehr und mehr die Kräfteverhältnisse zu seinen Gunsten zu drehen versteht.

Schaut in den Menschenjagdfilm aus Kambodscha hinein

Menschenjagden sind ein nicht allzu oft aufgenommenes, dafür aber meist umso dankbarer von den Fans entgegengenommenes Topoi des Actionfilmes. „Night Hunter“, „Hard Target“ oder „Surviving the Game“ haben das von „Graf Zaroff“ begründete Subgenre richtig groß gemacht. In deren Liga kann „The Prey – Die Menschenjagd“ aber zu keiner Sekunde mitmischen. Dafür macht der Film zu viele dämliche Fehler.

Der gröbste: Er bringt dem Zuschauer Agent Xin überhaupt nicht näher. Der Held des Filmes spielt für selbigen gar keine Rolle. Seine Motive (etwa rund um das Nicht-Aufgeben-Wollen seiner Tarnidentität) bleiben vollkommen schleierhaft. Man erfährt überhaupt nicht, wer Xin eigentlich ist oder was er drauf hat. Xin gerät so vollkommen egal und man fightet niemals auf dem heimischen Sofa mit ihm mit. Nicht einmal ein vollkommen blass bleibender Sidekick schafft es, den Helden auch nur ansatzweise aufzubrechen. Anstatt uns also Xin vorzustellen, arbeitet sich „The Prey“ daran ab, immer noch mehr Halunken in den Wald zu kutschieren.

Folgen zunächst nur drei Jäger den Spuren der drei Entkommenen, stoßen alsbald zwei Treiber hinzu, die dann plötzlich von einer ganzen Abordnung an Treibern flankiert werden – einige davon sogar auf Motorrädern. Wer die Kerle sind? Keine Ahnung. Irgendwann ist auch noch der Knast-Direktor an der Jagd beteiligt, der gleich noch eine ganze Handvoll weiterer Jäger mitbringt. Und am Ende ist eigentlich das ganze Knast-Personal mit automatischen Waffen im Dschungel unterwegs. Inzwischen an Xins Seite: Eine in den Film gestolperte Interpol-Agentin und ein fröhlich in die Handlung geschmissener, tauber Junge. SO geht Drama!

Wer sich jetzt angesichts der immer größer werdenden Opfermasse schon einspeichelt, der sei direkt gewarnt: Xin tötet die wenigsten der Fieswichte. Selbst von den Oberlumpen darf Xin kaum einen killen. Denn die Schurken sind den ganzen Film über damit beschäftigt, sich gegenseitig abzumurksen. Weil, ja, weil sie untereinander einen sinnlosen Wettbewerb austragen und weil, ja, äh, egal. Obendrein lässt „The Prey“ einen der Obermuftis ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach munter vor sich hin halluzinieren und irgendetwas stammeln. Warum und weshalb? Wumpe, Hauptsache er killt auch ein paar seiner Fieswichtkollegen. Und rollt endlich der Showdown an und verspricht aufgrund der Gegnerzahl ein lustiges Gemetzel, bekommt Xin auch noch viel zu viel Hilfe von zig Einheimischen, die ihrerseits zahllose Lumpen umnieten.

Wie gesagt: Viele dämliche Fehler, die aus Xin einen lustlosen Helden-Totalausfall machen. Erschwerend kommt hinzu, dass Schauspieldebütant Gu Shangwei als Held eine total charismabefreite Zone darstellt und obendrein nicht wirklich spielen kann. Eine Schau dagegen sind seine Gegner. Gegner, die von psychotisch durchgeknallt über bedrohlich ruhig bis total enthemmt so gut wie alle Gemütszustände abdecken, die man von Fieswichtkroppzeugs allgemein erwartet. Zudem agieren die Badasses von Vithaya Pansringarm („Operation Mekong“), Nophand Boonyai („No Escape“) und Byron Bishop („Kate“) öfters gar nicht mal so dämlich. Etwa wenn einer einen Einheimischen und dessen Sohn vom Fleck weg als Fährtenleser engagiert und so den Flüchtenden sehr schnell auf die Spur kommt.

Leider hat keiner der drei actiontechnisch etwas auf dem Kasten. Dementsprechend unterfordert bleiben auch Gu Shangweis spürbar vorhandene Martial-Arts-Skills. Darf er mal hinlangen, geht es meist recht grob choreografiert zu. Die Action wirkt sehr auf Effizienz getrimmt, lässt es aber an spektakulärem Augenfutter komplett missen. Sowohl was die choreografische Finesse als auch die Härte angeht.

Ja, es werden mal Menschen durchbohrt, Beine weggesprengt, Lumpen angezündet und Körper von Kugeln zerrissen. Das begrenzte Budget lässt all das aber wenig Impact entwickeln. Fette Explosionen, Feuerbälle oder anderweitig spektakuläre Einlagen – etwa rund um die motorisierten Treiber – bleiben weitgehend aus.

Zumindest die Optik versucht, gegen das schmale Budget anzukämpfen. In langen Einstellungen darf die Kamera durch die Schauplätze schweben und die Actioneinlagen bebildern. Der gedeckte, erdige Look lässt einen die Temperaturen des Dschungelschauplatzes beinahe körperlich spüren. Und auch die Musik übt sich in atmosphärisch stimmigen Einlagen. Obendrein gewinnt der Knast durch das niedrige Budget, wirkt er doch wundervoll abgeranzt und wie eine Hölle auf Erden. Zumindest in Sachen Optik funktioniert „The Prey“ also ganz ordentlich – immerhin.

„The Prey – Die Menschenjagd“ hinterlässt keinen bleibenden Eindruck

Zugegeben, so ganz überraschend kam das eher enttäuschende Abschneiden von „The Prey“ für mich nicht, hatten mich die Macher um Regisseur Jimmy Henderson doch schon mit ihrem „Jailbreak“ nicht wirklich erreicht. Im Vergleich zu dem Knastactioner fahren Henderson und sein Action-Choreograph Jean-Paul Ly, der im Vorgängerfilm noch eine Hauptrolle begleiten durfte, die Action doch deutlich herunter. Vor allem, was die Quantität betrifft. Qualitätsmäßig bleibt man ungefähr auf dem eher flachen Niveau des Vorgängerstreifens.

Was am Ende bleibt, ist ein leider komplett unspannender, nicht mitreißender und belanglos vor dem inneren Auge vorbei tuckernder Vertreter des Menschenjagdfilmes, der niemals richtig Fahrt aufnimmt. Das Dschungelsetting böte soviel Raum für Rambazamba und „The Prey“ fährt eine so endgeil große Anzahl an Gegnern auf, aber der Film lässt seinen Helden nie in den Rage-Modus verfallen und das machen, wofür man ihn in den Dschungel verfrachtet hat: Lumpen killen! So geht Menschenjagd – nicht.

4 von 10

Nameless Media hat sich die Rechte an dem Film gesichert und bringt ihn am 29. September 2021 ungeprüft im Mediabook heraus. Eine Amaray wird sicherlich bald folgen. Auch angesichts der ordentlichen Synchronisation, die Nameless Media den einen oder anderen Taler gekostet haben wird. Beispielsweise spricht der Oberlump mit Anthony Hopkins deutscher Stimme. Die Amarays dürften dann sicher problemlos mit einer FSK 18 durchrutschen. Bei verschiedenen VoD-Plattformen wie Amazon Prime kann man den Film bereits jetzt digital leihen/erwerben – Freigabe hier: ab 18.

In diesem Sinne:
freeman

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