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The FP

Originaltitel: The FP__ Herstellungsland: USA_ Erscheinungsjahr: 2011__ Regie: Jason & Brandon Trost__ Darsteller: Jason Trost, Lee Valmassy, Brandon Barrera, Art Hsu, Caitlyn Folley, Nick Principe, James DeBello, Sean Whalen, Clifton Collins Jr., Dash Mihok, …

The FP

Ein Kino-Postermotiv von “The FP”…

The FP

…sowie das, das auch zum Covermotiv wurde.

“The FP” (2011) ist ein schräges Micro-Budget-Movie der Gebrüder Brandon und Jason Trost, welches auf ihrem gleichnamigen “Short” aus dem Jahr 2007 aufbaut sowie für rund $45.000 primär mit Hilfe von Freunden und Bekannten fast vollständig auf dem Grundstück ihres Vaters Ron gedreht wurde – seines Zeichens übrigens ein erfahrener Special Effects Koordinator (u.a. bei “Deadfall”, “Scream 2” und “Crash”). Nach Screenings auf dem “South by Southwest”- und dem “Fantasia”-Festival wurde der Streifen 2012 sogar von “Drafthouse Films” in 28 US-Kinos gebracht. Einige Kritiker bemängelten damals, ihnen käme das Werk wie ein “Wannabe-Kult-Flick” vor – also dass es die “Trost Bros.” zu offenkundig auf eben jenes “Status-Label” abgesehen hätten. In Wahrheit ging es ihnen jedoch vorrangig um den Spaß, das Projekt mit all seinen “ungehemmten Ideen” im Rahmen ihrer limitierten Mittel überhaupt zu realisieren – worüber hinaus sich seither eine treue, sich 2020 tatsächlich auch noch über eine erste Fortsetzung freuen dürfende “Anhängerschaft” um das Geschaffene formiert hat…

Der Titel bezieht sich auf die Gemeinde, in der die Trosts aufwuchsen, welche nach dem Start der TV-Serie “The O.C.” von jüngeren Einwohnern des Öfteren entsprechend genannt wurde: Frazier Park – ungefähr 80 Meilen nordwestlich von Los Angeles gelegen. Der Story-Gedanke kam Jason, als er im Teenager-Alter mitbekam, wie verbissen so mancher das Konami-Arcade-Game “Dance Dance Revolution” spielte. Als Fan von Veröffentlichungen wie “Rocky” und “the Karate Kid” ließen er und sein Bruder sich gewichtig von deren “Ablauf-Struktur” inspirieren – ebenso wie von post-apokalyptischer Genre-Kost sowie persönlich erlebten Alltags-Situationen: “The movie was actually written as a satire about how fucked the people from my racist white trash home town were that used to bully my friends and I.” Ein weiterer Klassiker, dem Tribut gezollt wird, ist Walter Hill´s “the Warriors” (1979), der inzwischen ja als Teil der amerikanischen Popkultur gilt. In ihm bekleidete James Remar eine der zentralen Rollen – welchen die Trosts wiederum dafür gewinnen konnten, ein kurzes einleitendes Voiceover beizusteuern:

“For years an underground war has raged for dominance over the small town of Frazer Park between two clans: The 248 from the North and the 245 from the South. Now… with a skirmish between the two clan leaders imminent, the battle for The FP has only just begun…”

In einer nicht genauer verorteten Zukunft tragen verfeindete Banden ihre Konflikte maßgeblich via “Beat Beat Revolution”-Dance-Fight-Matches aus. Als BTRO (Brandon Barrera) – Anführer der 248 – während eines solchen (intensiven) Duells gegen seinen “Nemesis” L Dubba E (Lee Valmassy) plötzlich tot auf seiner kleinen “Plattform” zusammenbricht – 187! – resultiert das darin, dass die 245 fortan die Kontrolle über The FP übernimmt. Geschockt, verlässt sein jüngerer Bruder JTRO (Jason Trost) daraufhin die Gegend: Geht quasi in ein “spirituelles Exil” und wird Forst-Arbeiter. Monate später spürt ihn dort allerdings sein Kumpel KCDC (Art Hsu) auf, berichtet ihm von den “erbärmlichen Zuständen” daheim und kann ihn dazu überreden, zurückzukehren und sich L Dubba E zu stellen – so wie es BTRO gewollt hätte. Als Vorbereitung auf diese entscheidende Konfrontation beginnt er stracks ein hartes Training unter Anleitung des “Gurus” BLT (Nick Principe). Um “offiziell” gegen L Dubba E antreten zu dürfen, muss sich JTRO jedoch erst einmal beweisen, indem er Triple Decka 1K (Dov Tiefenbach) besiegt…

Im Prinzip ist “The FP” wie ein Scherz, den nicht jeder versteht oder überhaupt als einen solchen registriert. Vom Gebotenen her nimmt sich der Film an sich vollkommen ernst – verzieht bei aller Absurdität sozusagen keine Mine – ist aber dennoch (eigentlich) klar als Parodie erkennbar. Das fängt bereits bei der eröffnenden Text-Einblendung an: “This program is presented as originally created. It may contain some satire of outdated cultural depictions. Several drinks may be required.” Ja, so einiges mag man durchaus als rassistisch, homophob, geschmacksarm und/oder misogyn betrachten können – doch sind viele dieser Elemente (und Klischees) nichts weiter als “Überspitzungen” jener, wie sie in den ursprünglichen “Vorbilder-Streifen” ebenfalls zu finden sind. Per Ironie und Übertreibung wird die Lächerlichkeit bestimmter Konventionen, Eigenheiten und Gebaren akzentuiert, wie sie einem aus einschlägigen Tanz-, Kampfsport-, Banden-, Hiphop- und Gangsta-Flicks vertraut sind. Demgemäß schreit JTRO (geradezu selbstredend) bspw. auch lautstark “Nooooooo!” gen Himmel hinauf, als sein Bruder in seinen Armen verstirbt…

Gelegentlich wird gar ein “South Park”-artiger “Wahnwitz” erreicht – etwa als KCDC JTRO zur Wiederkehr und “Auflehnung” gegenüber L Dubba E zu animieren versucht, indem er ihm davon erzählt, dass letzterer mittlerweile den örtlichen Schnaps-Laden übernommen hat und somit nun den Verkauf von Alkohol kontrolliert: “L Dubba E has even more street-cred now, ‘cuz his pops took a dirt-nap and left him Dawn´s liquor mart.” Weniger Menschen betrinken sich – greifen stattdessen aber zu härteren Drogen. “It´s the end of days out there, JTRO! The darkness has come!” Eine weitere Besorgnis erregende Folge der Lage: Ohne verfügbarem Booze gibt es keine Penner mehr, die im Park die Enten füttern – welche sich inzwischen nicht einmal mehr dort ansiedeln! “What´s a fucking town with no ducks, JTRO?!? It´s nothing! It ain´t nothin’! How´s a nigga supposed to sort his shit out without those ducks?!?” Die “soziale Ordnung” ist also zusammengebrochen; der gestiegene Konsum von “Meth” hat zu einem erhöhten Gewalt-Aufkommen geführt; Hüter von Recht und Gesetz sind nirgends auszumachen…

Darum, was die Leute in “The FP” tragen, hat sich Brandon´s und Jason´s Schwester Sarah Trost (“Lightning Bug“) gekümmert: Als Kostüm-Designerin konnte sie sich hemmungslos austoben – im Prinzip so, als würde sie die Partizipanten einer wüsten Achtziger-Bad-Taste-Party einkleiden. Das Ergebnis ist ein wilder Mix aus bunten Klamotten (Jumpsuits, auffällige Jacken, Moonboots etc.) und Accessoires (wie Stirnbänder, Mützen, Brillen und Schmuck), bei dem die Outfits aber trotzdem keineswegs unüberlegt-wahllos kombiniert anmuten. Selbst ein olivgrüner Bundeswehr-Pulli gehört zu JTRO´s Garderobe. Jason´s Augenklappe ist allerdings echt: Das hat nichts mit einer Anspielung auf “Escape from New York” (oder so) zutun. Und dann wäre da noch der von allen genutzte Slang – voller Schimpfwörter (Fuck ist über 250x zu hören), schräger Grammatik und veränderter Bedeutungen (z.B. ist Nigga hier auch ein Akronym für Never Ignorant Getting Goals Accomplished). Die betreffenden Dialoge sind amüsant-irrer Natur – erfordern seitens des Zuschauers jedoch ein paar Minuten “Eingewöhnungszeit”…

Beim Verfassen dieser speziellen Redeform griffen die “Trost Bros.” u.a. auf die Sprechweise im Hip-Hop-Milieu, in Games wie “Def Jam: Fight for NY” und “Grand Theft Auto: San Andreas” sowie auf vernommene Konversationen in ihrem Umfeld zurück. Es ist schon erstaunlich, wie “authentisch” klingend die Darsteller diese oft schier abstrusen Rapid-Fire-Textzeilen raushauen. Generell sind die Mitwirkenden mit merklichem Spaß und Engagement bei der Sache – was dem Ganzen evident zugutekommt. Als Lead überzeugt ein sympathischer Jason Trost (“Hatchet 3“) – und das mit aufgrund seines Könnens, unabhängig JTRO´s Ernst und Entschlossenheit stets den Ansatz eines “Zwinkerns” (in Richtung des Publikums) zu vermitteln. Mit seinem Bart und Irokesenschnitt ist Lee Valmassy (“the Hidden Soldier”) als boshafter L Dubba E kaum wiederzuerkennen – liefert aber eine herrlich “überheblich-feindselig-abgedrehte” Performance ab – während Brandon Barrera (“Dawn Patrol”) BTRO als “geerdet-erfahrenen” älteren Bruder ohne einer Notwendigkeit zur Klage portraitiert…

Art Hsu (“Crank 2: High Voltage“) sorgt indes für einige Highlight-Momente – allen voran der erwähnte köstliche Monolog über die aktuellen Zustände in The FP – Nick Principe (“American Muscle“) leitet JTRO´s Training – steht ihm mit Weisheiten und Lehren á la “You have to dance with your mind, not your legs!” zur Seite – und Caitlyn Folley (“SX_Tape“) verkörpert unseres Helden´s “Love-Interest” Stacey noch trashiger als Brittany Murphy Alex in “8 Mile”. Überdies in Nebenparts mit von der Partie: Sean Whalen (“Slayer: The Repentless Killogy“) als Stacey´s widerlicher, häufig betrunkener und in Frauenkleidern herumlaufender Daddy, Dash Mihok (“Kiss Kiss Bang Bang“) und James DeBello (“Urge“) sowie Clifton Collins Jr. (“Running with the Devil“) als Black-Dick-Ecstasy vertickender Dealer C.C. Jam (in Gestalt eines lässigen Cameos – samt groß-buschig-blau-gelb-roter Afro-Perücke auf dem Kopf). Facettenreiche oder subtile schauspielerische Leistungen gibt es keine zu verzeichnen – was bei einem Werk und einer Materie wie dieser aber auch nicht zu erwarten war…

“The FP” vermag einen netten “Retro-Score” von George Holdcroft (“the Ballad of Danko Jones”) aufzubieten – ebenso wie eine kompetente Kamera-Arbeit von Brandon Trost, dessen Karriere als Cinematographer durchaus beachtenswert ist (u.a. hat er “Ghost Rider: Spirit of Vengeance” und “the Disaster Artist” bebildert). Entsprechend konzentrierte er sich beim Regie-Führen mehr aufs “Visuelle” – Jason dagegen stärker auf die Umsetzung konkreter Details und Eigenschaften (z.B. in Bezug auf die erdachten Charaktere). Ihnen war es wichtig, getreu ihrer vorhandenen Ressourcen zu planen und vorzugehen – keiner dieser “Low-Budget-Flicks that try to be something they aren’t” zu sein. Bis auf Mündungsfeuer bei einer (lachhaften) Schießerei griff man auf fast keine CGIs zurück – sogar eine Explosion zum Ende hin ist “echt”. So etwas gehört definitiv mit zum “Charme” der Produktion. Man merkt den Trosts ihre “Leidenschaft” für das Geschaffene an, welches sie gemeinsam mit einer Gruppe “Gleichgesinnter” vollbrachten. Kleine Notiz am Rande: Jason Blum (“the Purge“) war hier als Executive Producer mit beteiligt…

Bei aller Anerkennung muss man jedoch auch konstatieren, dass der Streifen das “Absurditäts-Level” einzelner Augenblicke und Ideen insgesamt nicht konstant genug aufrecht erhalten kann. U.a. mit zwei Trainings-Montagen, einer Verfolgungsjagd sowie einer durch Drogen erzeugten Zombie-Sequenz fahren die Trosts eine Menge Verschiedenes auf – wovon allerdings nicht alles optimal “funktioniert”. Letzteres gilt ebenfalls für den Humor: Ich denke da spontan an ein geworfenes benutztes Kondom – oder als Stacey auf einem Spielplatz im Sand nach einem Tampon sucht. “Unterm Strich” hat man das Gefühl, dass das Potential, die betreffenden “Genre-Idole” (speziell angesichts der herrlich abstrusen Plot-Prämisse) so richtig kräftig “aufs Korn zu nehmen”, bloß bedingt ausgeschöpft wurde – was einfach schade ist. Immerhin ist die finale Einstellung grandios: Nach JTRO´s Sieg gehen er und Stacey im warmen Sonnenschein in den Park, wo sie sich an einem Flussufer auf die Knie niederlässt und ihn oral zu befriedigen beginnt, während über ihnen ein Schwarm Enten in V-förmiger Formation zurückkehrt…

Hierzulande ist “The FP” bislang noch immer nicht erschienen. In den USA sind die DVDs und BluRays von “Draft House Films” indes out-of-print. Alternative: Jason Trost bietet hier eine eigene BluRay-Edition an (region-free)…

Stefan SeidlThe FP

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The FP

Copyright der “The FP” Cover-/Postermotive und Pics: 248 Productions / Secret Identity Productions / Trost Productions / Drafthouse Films / Image Ent. __ Infos zur amerikanischen VÖ:__ Freigabe: Rated R__ DVD/BluRay: ja/ja

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