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The Mercenary

Mit „The Mercenary“, der ursprünglich als „Legion Maxx“ erscheinen sollte, setzt Jesse V. Johnson das Traumprojekt seines langjährigen Weggefährten Dominiquie Vandenberg um. Der ehemalige Fremdenlegionär spielt einen ehemaligen Fremdlegionär und jetzigen Söldner, der nach schweren Verletzungen sein Gewissen entdeckt und eine kleine Gemeinde vor früheren Kameraden beschützt.

Originaltitel: The Mercenary__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Jesse V. Johnson__Darsteller: Dominiquie Vandenberg, Louis Mandylor, Carmen Argenziano, Manny Alva, Brad Ashten, Robb Zbacnik, Jeremiah B. McQueen, Geordie Robinson, Alina Andrei, Luke LaFontaine, Robert Dill u.a.
The Mercenary

Jesse V. Johnson setzt das Herzensprojekt seines Spezis Dominiquie Vandenberg um: “The Mercenary”

Jesse V. Johnson setzt nicht nur eigene Wunschprojekte wie „Charlie Valentine“ oder „The Beautiful Ones“ um, sondern hilft auch Weggefährten bei der Realisation ihrer Traumfilme. Für seinen Spezi Scott Adkins drehte er die Comic-Adaption „Accident Man“, für seinen wohl langjährigsten Kollaborateur, den ehemaligen Fremdenlegionär Dominiquie Vandenberg, „The Mercenary“.

Angekündigt war der Film ursprünglich als „Legion Maxx“; ein Titel mit Blick auf den Protagonisten, in dem sich der Hauptdarsteller und ausführende Produzent wohl selbst sehen dürfte. Denn Maxx (Dominiquie Vandenberg) ist ehemaliger Fremdenlegionär, nun Teil der Söldnertruppe von LeClerc (Louis Mandylor) und einer der besten seines Faches. Davon zeugen gleich drei gezeigte Einsätze zu Beginn des Films, bei denen eine Miliz in Zentralafrika, islamistische Terroristen in Afghanistan und Drogenschmuggler in Kolumbien mit Scharfschützengewehren, Maschinenpistolen, Kampfmessern und Nahkampftechniken formvollendet zur Strecke gebracht werden.

Am Ende der geballten Appetizer-Action steht dann allerdings der Moment, in dem Maxx zeigt, dass er sich durch ein Gewissen von seinen Mitstreitern unterscheidet. Als er einen davon von einer Vergewaltigung abhalten will, kassiert er erst einen Kehlenschnitt, danach eine Granatenexplosion und bleibt scheinbar tot im Dschungel liegen. Doch der harte Hund überlebt, als er von dem Pater Elias (Carmen Argenziano) aufgelesen wird. Das Setting der katholischen Community unterstreicht noch einmal offensichtlich den Aspekt der quasi-religiösen Läuterung des Sünders, der sich von nun an vom Saulus zum Paulus wird.

Während Maxx wieder zu Kräften kommt, muss er feststellen, dass seine früheren Kollegen auch nicht untätig waren: LeClerc hat die Kontrolle über den Drogenschmuggel in dieser Region übernommen, während seine Kartellkiller die Zivilbevölkerung terrorisieren. Doch die hat jetzt einen mächtigen Beschützer an ihrer Seite…

The Mercenary

Söldner Maxx (Dominiquie Vandenberg) entdeckt sein Gewissen

Der Krieger, der im Schoße einer zivilisierten und zivilisierenden Gemeinschaft seine Menschlichkeit wiederentdeckt und schließlich zum Beschützer selbiger werden muss, gerade im Kampf gegen seine alten Kumpane – ein uralte Story, in diversen Western ebenso aufbereitet wie in Actionfilmen wie beispielsweise Paul W.S. Andersons „Soldier“, der ja auch eine Art Weltraum-Western war. Auch „The Mercenary“ trägt seine Bezüge zum amerikanischsten aller Genres mit sich herum, mit staubigen Straßen und ausgebleichten Bildkompositionen, die nur bei zwei Maxx‘ Einsätzen durch ein satteres Dschungelgrün etwas Farbe bekommen. Die Musik von Sean Murray („Boone – Der Kopfgeldjäger“) hat etwas von Genrestücken wie „Der letzte Mohikaner“, während der Mix aus Drogenhandel, Western-Bezügen und Actiongenre Erinnerungen an Walter Hills „Ausgelöscht“ aufkommen lässt. Die Rückbesinnung des Actionfilms auf seine Westernwurzeln liegt derzeit im Trend, wie etwa auch „Rambo: Last Blood“ oder „Sicario 2“ jüngst bewiesen.

Wobei sich „The Mercenary“ dann in erster Linie auf eine Pflichterfüllung in Sachen Genrestandards beschränkt. Warum Maxx vom eiskalten Superkiller zum gottesfürchtigen Beschützer der Armen und Schwachen wird, ist nur begrenzt nachvollziehbar – es passiert halt, weil es in Filmen dieser Art immer passiert. Insofern hängt „The Mercenary“ dann vor allem im Mittelteil, in dem es um Maxx‘ Erweckungserlebnisse und das Leben unter gläubigen Christen geht, in dem aber wenig an äußerer und innerer Handlung geschieht. Maxx beschützt eine holde Maid vor schmierigen Kartellwichten, die Crew von dereinst wird auf ihn aufmerksam, er und die Padres Elias und Thiago (Manny Alva) reden über Gott und die Welt – naja, mehr über Gott bzw. die Wege zum ihm.

The Mercenary

Vom Kumpel zum Feind: LeClerc (Louis Mandylor)

So ist auch die Action im Mittelteil abgesehen von ein, zwei Scharmützeln kaum vorhanden, sodass „The Mercenary“ zwischen dem Auftaktrabatz und dem letzten Drittel etwas hängt. Dafür geht es auf der Schlussgeraden dann ordentlich rund, wenn sich Maxx mit seinen ehemaligen Kollegen und deren Kartellhandlagern in Fights und Shoot-Outs zofft, bei denen der Regisseur, sein Fight Choreographer Malay Kim („Female Fight Club“) und sein Stunt Coordinator Luke LaFontaine („Pay Day“) für zünftige B-Action sorgen. Der Härtegrad ist mit blutigen Einschüssen, eingematschten Schädeln und herausfallendem Gedärm ordentlich, zumal Maxx seine Gegner auf unterschiedliche Weise erledigt, vom Durchsieben mit dem MG über Nahkämpfe bis hin zu Sprengfallen. Schade nur, dass er einzig und allein im Klingenduell mit LeClerc einen Gegner vorgesetzt bekommt, der mal ausgiebiger dagegen hält. Außerdem haben die einzelnen Mitglieder der Söldnertruppe merklich weniger Profil als ihre markigen Pendants aus Johnsons artverwandtem „Triple Threat“.

Wobei man sagen muss, dass „Triple Threat“ auch auf die größeren Namen bauen konnte. In „The Mercenary“ tummeln sich größtenteils No-Names, die alle okay agieren, aber wenig bleibenden Eindruck hinterlassen, selbst wenn man die Gesichter von Leuten wie Carmen Argenziano („Future World“) oder Alina Andrei („Fast & Furious 7“) vielleicht schon mal woanders gesehen hat. So sind es die bekannteren Leute im Cast, die am ehesten in Erinnerung bleiben: Dominiquie Vandenberg („Alien Agent“) als schweigsamer, aber zupackender Held mit Charisma sowie Louis Mandylor („The Brave“), der einen überzeugenden wie brutalen Schurken abgibt und derzeit in Kooperation mit Regisseuren wie Johnson oder William Kaufman wohl daran arbeitet eine feste (Nebenrollen-)Größe im B-Actionfilm zu werden.

Erzählerisch und figurentechnisch reißt „The Mercenary“ sicher keine Bäume aus und hängt in der Mitte etwas, ein ganz kurzweiliger B-Actionfilm mit Western-Attitüde, gutem Soundtrack und stark inszenierten Krawallszenen ist dem Duo Vandenberg/Johnson aber dennoch gelungen. Zufriedenstellende Hausmannskost für alle, die ihr Steak auch gern mal blutig essen.

„The Mercenary“ ist in den USA bei Uncork’d Entertainment auf DVD und Blu-Ray in ungekürzter, ungeprüfter Form erschienen. Über Veröffentlichungspläne in Deutschland ist mir nichts bekannt.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Uncork’d Entertainment__Freigabe: Not Rated__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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