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Sheba Baby

Originaltitel: Sheba, Baby__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1975__Regie: William Girdler__Darsteller: Pam Grier, Austin Stoker, D’Urville Martin, Rudy Challenger, Dick Merrifield, Christopher Joy, Charles Kissinger, Charles Broaddus, Maurice Downs, Ernest Cooley, Edward Reece Jr., William Foster Jr., Bobby Cooley, Paul Grayber, Sylvia Jacobson, Leroy Clark Jr., Mike Clifford u.a.

Sheba Baby Banner

Sheba Baby

Das Cover von „Sheba Baby“ in der „Black Cinema Collection #21“.

Guess Who’s Back in Town!

Keine spaziert so lässig durch die Straßen der Großstadt, zieht dabei ihren maßgeschneiderten Soundtrack wie einen Schweif Parfüm hinter sich her und macht dazu so eine adrette Figur wie Pam Grier. Wenn Barbara Manson ihr im funky Titelsong die „Dangerous Lady“ nachpfeift, meint man mit eigenen Augen zu sehen, wie sie das Kompliment direkt mit einem breiten Lächeln annimmt. In ihrem ausgefallenen Kostüm, derer sie in den folgenden 90 Minuten noch so einige auftragen wird, verströmt sie nicht nur grenzenloses Selbstbewusstsein, sondern auch gerade den nötigen Schlag gespielter Naivität, damit ihre Ausstrahlung endgültig durch die Decke schießt.

Hat man eine solche Ablenkung im Zentrum, braucht es drumherum oft gar nicht viel mehr. Entsprechend spartanisch ist „Sheba Baby“ ganz und gar um seine Protagonistin Sheba Shayne herum aufgebaut, die von Grier ähnlich wie ihre Friday Foster aus dem gleichen Jahr als weichere, konsensfähigere Version ihrer ikonischen Coffy– und Foxy-Brown-Charaktere aus den beiden Vorjahren angelegt wird.

Diesmal verschlägt es sie als Chicagoer Privatdetektivin zurück in ihre Geburtsstadt Louisville, wo ihr Vater Andy (Rudy Challenger) ein Kreditunternehmen betreibt und von Gangstern gewaltsam dazu gedrängt wird, sein Geschäft aufzugeben. Über die harten Basics hinaus hat der stark vom klassischen Western beeinflusste Plot kaum Verstrickungen zu bieten, also konzentriert er sich voll und ganz auf seine Kernkompetenzen: Einschüchterungen und Schießereien im Viertel, Widerstand gegen den Mob und Rachefeldzüge der Gerechtigkeit, nur dass hier eben die verchromten Kühlergrills stylischer Karossen des 70er-Baujahrs dekorativ vor der Kamera parken anstatt von Pferden.

Mit Beharrlichkeit gegen den Widerstand

Über alldem schwebt der Kampf gegen Windmühlen, den eine weibliche Ermittlerin in einer Stadt von außerhalb annehmen muss, um Fortschritte zu erzielen. Selbst im Kreis ihrer Verbündeten, bis hin zu dem Mann, mit dem sie ein Bett teilt, ist sie gezwungen, Zweifel mit handfesten Taten zu zerstreuen. Das heute weitgehend anerkannte Dogma der toughen Superfrau war seinerzeit noch nicht etabliert; die Spannungen, die aus dem permanenten Kampf um Respekt entstehen, beschäftigen einen Löwenanteil der investigativen Routine, mit der die einzelnen Stationen bis zum Kopf der kriminellen Organisation abgearbeitet werden, der wie so oft selbstherrlich auf einer großkotzigen Yacht am Hafen sitzt, fern von all dem Trubel im Zentrum, wo Glasfassaden zerschossen und Autos in die Luft gesprengt werden.

Aufgrund dieser Umstände ist Sheba, ähnlich eben wie Friday, mit einer gewissen Tendenz zur Aufdringlichkeit ausgestattet. Die Personen, die sich ihr in den Weg stellen, zermürbt sie mit purer Penetranz, die auch einhergeht mit der immer noch wandlungsfähigen, diesmal jedoch vergleichsweise zugeknöpften Garderobe, die in Kombination mit der piefigen Frisur in die Welt zu schreien scheint, dass diese Frau es nicht mehr nötig hat, Sex als Waffe einzusetzen. So manche Figur scheint innerlich mit den Augen zu rollen, wenn sie die Bühne betritt, oder es gar zu bevorzugen, den Otto zu machen und sich zu verdünnisieren, solange sie noch nicht entdeckt sind; ansonsten bestünde schließlich die Gefahr, dass ihnen die Visage in Sahnetorten, Chlorgranulat oder in die Bürsten einer laufenden Autowaschanlage gedrückt wird.

Dann wiederum neutralisiert Grier den Effekt der strengen, unerbittlichen Ermittlerin durch ihre ungestellte Natürlichkeit, was ihre Figur ein wenig ambivalent erscheinen lässt. Rein schauspielerisch wirkt sie selbst in den wenigen Situationen überfordert, in denen ihr ein paar Grundlagen der Emotionalität abgerungen werden, und doch trägt sie das magere Gerüst des Films schon aufgrund ihrer Aura praktisch im Alleingang. Die Vater-Tochter-Konstellation hätte man allerdings definitiv gerne vertieft gesehen, letztlich bleibt sie lediglich der Kickstart für eine relativ geradlinige Solo-Mission, die sich von Hinweis zu Hinweis hangelt und am Ende der Reise fast vergessen zu haben scheint, was die ursprüngliche Motivation für den Feldzug war.

Vom recht blassen Austin Stoker als Love Interest ist allgemein ohnehin nicht viel Support zu erwarten; Yaphet Kotto machte in „Friday Foster“ als Griers Sidekick wesentlich mehr her. Auf der Gegenseite versammelt sich wiederum das typische Wurzelgemüse aus überwiegend schwarzen Thugs, die von einem weißen Hai an der Spitze der Nahrungskette kontrolliert werden. D’Urville Martin macht als windiger Angelköder mal wieder besonders viel Wind, insbesondere, wenn er mit gezückter Knarre über den Jahrmarkt rennt und mit großen Augen von der weitgehend weißen Besucherschaft gemustert wird.

Genre-Handwerk im groben Stil

Der drei Jahre später tragisch bei einem Hubschrauberabsturz gestorbene Regisseur und Autor William Girdler, der bereits mit seinen früheren, ebenfalls in und um Louisville gedrehten Filmen wie „Three on a Meathook“ (1972), „Abby“ (1974) oder „The Zebra Killer“ (1974) seinen Hang zu reißerischer Genreware auslebte und auch anschließend mit „Grizzly“ (1976), „Panik in der Sierra Nova“ (1977) oder seinem Abschiedswerk „Der Manitou“ (1978) an dieser Marschrichtung festhielt, wird auch im vergleichsweise zahmen „Sheba Baby“ noch von einem gewissen Hang zur Theatralik angetrieben.

Das Handeln einer jeden Figur kommt stets einem Statement gleich, still und heimlich beseitigt wird hier niemand. Manches artet dabei auch in Zitaterie aus; wenn gegen Ende ein Schurke per Seil von einem Motorboot über einen See gezogen wird, dann darf man das wohl als direkten Verweis auf die Asphalt-Version derselben Art von Folter in „Coffy“ (1973) betrachten. Dass es dabei auch mal ein wenig merkwürdig zugeht, lässt sich wohl mit dem Übermut erklären, mit dem die Figuren ihren Trieben folgen. Bei dem unkoordinierten Einbruch ins Kreditbüro von Shebas Vater verhalten sich Einbrecher wie Besitzer beispielsweise hochgradig unbeholfen, und auch Shebas Einlage auf der Yacht hat mehr von einem Bitchfight in einem Untergrund-Boxring als vom selbstbeherrschten Gala-Auftritt eines Bondgirls, trotz des dynamischen Wechsels aus Neoprenanzug und Abendgarderobe.

Die Regie dürfte bei alldem manchmal gerne etwas dynamischer sein, denn die durchaus abwechslungsreichen Sets werden doch am Ende relativ monoton in Szene gesetzt. Louisville darf zwar viele seiner Facetten zeigen, aber wenn, dann doch eher im Postkarten-Modus. Der nachlassende Fokus des Drehbuchs schlägt sich letztlich auch auf die Schauwerte nieder, die nicht mit der nötigen Sorgfalt behandelt werden, um notfalls mögliche Schlaglöcher im Skript ausbessern zu können.

„Sheba Baby“: Pam Grier auf dem Weg zur Heldin ihrer Generation

Es reicht immerhin für einen relativ klassischen enzyklopädischen Eintrag ins Blaxploitationfach mitten aus der Hochphase, der von seiner unvergleichlich charismatischen Hauptdarstellerin gerettet wird, die noch jeden Rohrkrepierer zwei Klassen besser zu machen wusste, selbst wenn sie mal nur eine Light-Variante von sich selbst liefert. Aber ohne einen zugkräftigen Lead wie Pam Grier wäre diese Produktion ohnehin obsolet gewesen, denn wie so viele Filme der 70er um schwarze Helden und Heldinnen zelebriert auch „Sheba Baby“ den Personenkult an sich gewissermaßen als Proto-Version des zeitgenössischen Superheldenfilms – in diesem Fall nur eben im Urban-Crime-Story-Gewand, ganz ohne große Schauwerte und Spektakel – sieht man einmal davon ab, was Pam Griers Kleiderschrank alles Buntes zu bieten hat.

05 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von „Sheba Baby“

Black Cinema Collection #21

Black Cinema lebt. Und das mitten unter uns. Wer hätte beim Start im Dezember 2020 gedacht, dass die „Black Cinema Collection“ fünf Jahre später bereits in ihre dritte Staffel gehen würde? Aber hier sind wir nun, drauf und dran, das dritte Box Set vollzumachen.

Der Schuber

„Sheba Baby“ bringt als 21. Titel der Reihe dazu auch den notwendigen Schuber mit, der nicht nur für sich selbst Platz bietet, sondern auf für die kommenden neun Teile. Bei der Aufmachung und der Verarbeitung hat man selbstverständlich auf Einheitlichkeit geachtet, so dass fleißige Sammler über die Staffeln hinweg auf ein nahtloses Erscheinungsbild im Regal hoffen dürfen. Das grauweiße Grunddesign ist eben auch zeitlos elegant und beschwört die Nostalgie einer kurzlebigen, aber umso feurigeren Vergangenheit.

Die vielen Köpfe, die sich auf den fünf festen Seiten des Würfels tummeln, geben wie üblich einen Vorgeschmack auf das Kommende. Kenner dürfen also gerne schon mal Tipps abgeben, was als nächstes kommt; transparent in Spotlack abgedruckte Zitate geben dabei unaufdringliche, stilvolle Hilfestellung. Auf die stolz gereckte schwarze Faust hebt sich wieder in Hochglanz hervor, diesmal begleitet von der fetten „3“ hinter dem Schriftzug „Black Cinema Collection“. Ein weiteres Prunkstück, das laut Unterseite auf 1.500 Stück limitiert ist.

Box Set

Schuber mit Amaray Case, Blu-ray, DVD und Booklet. Auf den Flügeln zum Vergleich: die abgeschlossenen ersten beiden „Black Cinema Collections“.

Die Verpackung

Während die restlichen neun Titel nach und nach ihren Weg in das schicke Zuhause finden müssen, hält „Sheba Baby“ bei Auslieferung bereits das Wohnzimmer warm. Unverändert setzt Wicked Vision auch diesmal wieder auf ein hochwertig verarbeitetes Scanavo Case, das auf der rechten Seite sicheren Platz bietet für die Unterbringung zweier Discs, in diesem Fall einer Blu-ray und einer DVD.

Beim Artwork entschied man sich für ein eher rares Poster, auf dem Grier in einem roten Einteiler mit Vertikalausschnitt und reichlich Schlag mit einem Colt posiert. Links und rechts von ihr tummeln sich ein paar Nebenfiguren und vermitteln dem Betrachter, dass es in dem Streifen wohl actionreich zur Sache gehen muss. Die monochrome Collage wirkt allerdings vor dem knallweißen Hintergrund doch ein wenig zerstückelt. Der Titel in kursiver Metallic-Schrift mit „Pam Grier is“-Einleitung und Kussmund ist nach Grier selbst der zweite Hingucker. Insgesamt wirkt das Motiv nicht zuletzt aufgrund des leeren Hintergrunds allerdings seltsam unspektakulär. Das verbreitetere US-Poster von Grier im Abendkleid in sitzender Pose mit dem Büro des Vaters im Hintergrund hätte da mehr hergemacht, aber schon die englische Arrow-Disc von 2016 hat auf ein alternatives Motiv zurückgegriffen; warum, bleibt reine Spekulation.

Auch am Rahmen-Layout mit schwarzem Balken samt Nummerierung am oberen Rand hat man festgehalten. Im Gegensatz zu den anderen laufenden Scanavo-Reihen des Labels gibt es hier weiter kein Wendecover mit Poster auf voller Fläche, sondern erneut ein grauweißes Szenenbild, diesmal von einem Pimp, der telefonierend mit drei Grazien im Bett liegt.

Das Booklet

Das US-Poster begegnet uns dann doch noch, und zwar auf dem Frontcover des Booklets, das diesmal stolze 32 Seiten umfasst. Einmal mehr stellt die schreibende Zunft Christoph N. Kellerbach ab, der somit seine Abhandlung über das Black Cinema weiter ausbauen darf. Bevor er mit seinem Haupttext beginnt, heißt er die Leser auf der ersten Seite zunächst einmal zur dritten Kollektion willkommen. Gleichwohl man sich diese einleitenden Worte vielleicht doch eher vom Label-Chef gewünscht hätte, mangelt es sicher auch Kellerbach nicht an der nötigen Euphorie, um für die entsprechende Einstimmung zu sorgen. Das gedenkt er vor allem dadurch zu tun, dass er die stilistische und inhaltliche Vielfalt der kommenden Werke betont, ohne sie jedoch beim Namen zu nennen.

Als Dosenöffner für den Essay fungiert eine Abhandlung der Biografie von Pam Grier, deren besondere Ausstrahlung auch Kellerbach nicht entgangen ist. Nun ist es ja bereits der vierte Film der Reihe mit Grier in der Hauptrolle, aber in zwei Fällen lieferte Lio Schlösser einen eher akademischen Text und beim dritten Film teilte sich der Autor den Platz mit einem Interview, insofern darf er nun so richtig ausholen. Weil die Persona Grier eng mit dem Aufschwung des schwarzen Powerhouse-Kinos verknüpft ist, gelingt ihm ein müheloser Übergang zu den Wechselwirkungen zwischen Kino und Lebensrealität in jener Zeit, angetrieben eben auch durch starke Frauenfiguren, wie sie Grier erschuf. Weshalb sich „Sheba Baby“ im Vergleich mit den früheren Rollen weicher anfühlt, wird dabei zu einem der zentralen Themen, bevor sich der Autor konkret auf die Entwicklung, Produktion und Veröffentlichung des Films selbst stürzt und im Zuge dessen wie üblich etliche interessante Fakten streut.

Schwarzweiß-Stills lockern den Text durchgehend auf. Am Ende sind auf zwei Einzelseiten noch einmal das US-Kinoposter sowie das für diese Edition verwendete Cover separat abgedruckt.

Das Bild

Die Blu-ray bietet ein farblich kräftiges, in vielen Passagen sehr körniges Bild in 1,85:1 mit 1080p-Auflösung, das gegenüber der ebenfalls im Set enthaltenen DVD auch ein spürbares Plus an Schärfe aufweist. Das ist auch deswegen von Belang, weil das Bild insgesamt sehr dunkel wirkt und selbst auf der Blu-ray Details in schwarzen Flächen verloren gehen können. Durch die präzise Darstellung von Konturen bleibt wenigstens die Raumaufteilung intakt. Der Look des Films entspricht dem Standard der AIP-Produktionen jener Zeit: viel Grau und Braun, dazwischen leuchtend bunte Kostüme.

Der Ton

Beim Ton gibt es wenig Überraschendes. Arrow bot im Ausland eine Linear-PCM-Monospur, bei Wicked Vision setzt man traditionell auf DTS-HD Master Audio, hier in Zweikanal-Mono. Schießereien, Explosionen, Musik und Dialoge spielen sich daher auf einer Ebene ab, lassen sich aber gut voneinander lösen. Der englische Ton klingt noch etwas organischer als der deutsche, die Unterschiede sind aber marginal. Wenn man sich für den O-Ton entscheidet, dann eher der Authentizität der Dialoge wegen. Verpassen würde man dann unter anderem Heidi Treutler (Jeannie in „Bezaubernde Jeannie“) auf Pam Grier, Rüdiger Bahr (Al Bundy in „Eine schrecklich nette Familie“) auf Austin Stoker oder Michael Brennicke („Aktenzeichen XY… ungelöst“) auf D’Urville Martin.

Die Audiokommentare

Schon die Arrow-Disc hatte vor zehn Jahren zwei Audiokommentare zu bieten – Wicked Vision erhöht nun auf drei. Hören wir jedoch erst einmal in die Archive hinein. Da hätten wir nämlich zum einen Nathaniel Thompson von Mondo Digital im Gespräch mit David Sheldon, der bei „Sheba Baby“ als Produzent und Drehbuchautor fungierte.

Thompson ist ein erfahrener Moderator solcher Konversationen, der mit viel Hintergrundwissen glänzen kann, wenn es erforderlich ist, allerdings ist Sheldon zugleich ein sehr dankbarer Gesprächspartner, denn er geht immer wieder in Selbstinitiative mit spürbarem Elan ins Detail und berichtet mit erstaunlicher Präzision von seinen Erfahrungen als Produzent am Set dieses Films im Speziellen und auch im Allgemeinen. Obwohl das Gespräch praktisch komplett am laufenden Film vorbeigeht, macht das Zuhören durch den natürlichen Fluss wirklich Spaß, weil es Informationsgehalt und Philosophie organisch auf einen Punkt bringt – wie ein guter Podcast über die Arbeit in der Filmindustrie in den 70ern im Vergleich mit der Gegenwart.

Eine Chance sollte man definitiv auch dem zweiten Kommentar geben, der mit einer ungewöhnlichen Besetzung aufwartet. Patty Breen ist nämlich Webmasterin einer Internetseite, die sich WilliamGridler.com nennt. Eigener Einschätzung zufolge habe sie „Sheba Baby“ öfter gesehen als jeder andere Mensch auf dem Planeten; auf die Plätze 2 und 3 verweist sie damit Quentin Tarantino und den Cutter des Films. Breen schlägt einen heiteren, oftmals stark ins Ironische gleitenden Ton an. Ihr Passion für den Film spürt man nicht nur daran, dass sie offenbar jede einzelne Szene intensiv studiert hat, mehrmals persönlich an den Drehorten war und Unmengen an Fakten rezitieren kann, sondern auch daran, dass sie sich mit diebischer Freude über die vielen kleinen und großen Unzulänglichkeiten des Films lustig machen kann.

Wenn man nicht übermäßig begeistert aus dem Film gegangen ist und ihn gerne mehr gemocht hätte, sollte man hier definitiv einschalten, denn da kann man sich glatt zum Fan bekehren lassen. Aufgenommen wurde der Kommentar offenbar nicht in einem Zug, sondern abschnittweise, wie man an der dezent wechselnden Audioqualität hören kann, das tut dem Enthusiasmus für den Stoff aber keinen Abbruch. Deutsche Untertitel stehen für beide Kommentare zur Verfügung.

Auch wenn damit im Grunde bereits für genug Filmsitzungen gesorgt ist, dass sich Patty Been bald Gedanken machen muss, Konkurrenz bei der Anzahl der Sichtungen zu bekommen, so lassen es sich Dr. Gerd Naumann und Christopher Klaese nicht nehmen, auch bei dieser Edition für das Alleinstellungsmerkmal zu sorgen. Gegenüber den anderen beiden Kommentaren erweist sich diese erneut angenehm ausgewogene, das Filmhistorische und das Analytische streifende Konversation als perfekte Ergänzung und zusätzlicher Mehrwert. Auch wenn bei mindestens 20 vorherigen Gelegenheiten bereits viel über das Black Cinema, über AIP und Pam Grier gesagt wurde, es gibt eben immer noch Bücher zu füllen über die Nische, die Thema dieser Filmreihe ist. Naumann und Klaese stellen das ein weiteres Mal unter Beweis und nehmen auch bei einem der schwächeren Einträge in die Blaxploitationwelle kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, ihn ohne unnötige Überhöhungen realistisch einzuordnen.

Schaut in den Trailer von „Sheba Baby“

Die Featurettes

Die Arrow-Scheibe hatte darüber hinaus auch ein paar selbstproduzierte Featurettes im Gepäck, die für diesen Release erfreulicherweise übernommen werden konnten. Dazu gehört zum einen ein viertelstündiges Interview mit David Sheldon, das man naheliegend „Sheldon Baby“ taufte. Darin rollt der Produzent und Co-Autor von „Sheba Baby“ den für den Film relevanten Teil seiner Karriere in Hollywood auf, zeichnet die Vertriebsstrukturen bei AIP nach und erinnert sich zurück, wie sich seine Wege mit denen von William Girdler kreuzten. Wo sich ihre Wege wieder trennten, da endet auch das Interview; im Bedauern über den frühen Unfalltod eines Regisseurs, der nach Sheldons Ansicht zwar bei der Auswahl seiner Stoffe Unterstützung gebraucht habe, der allerdings das Regiehandwerk betreffend das Zeug gehabt habe, der nächste Spielberg zu werden.

Featurettes

Das Bonusmaterial beinhaltet ein Interview mit Produzent / Drehbuchautor David Sheldon (links) sowie ein Rückblick auf die Karriere von Pam Grier mit Filmhistoriker Chris Poggiali (rechts).

Zum anderen wäre da noch ein rund 12-minütiger Abriss der Karriere Pam Griers von Filmhistoriker Chris Poggiali. Vom Job als Telefonistin über kleine Supportrollen zum Aufstieg als Blaxploitation-Ikone wird ihr Aufstieg etappenweise nachgezeichnet. Der Versuch, mit Übergangsfilmen wie „Friday Foster“ oder eben „Sheba Baby“ den Sprung zum Major-Film zu schaffen, wird mit einem schleichenden Verlust an Bedeutung verknüpft, der sie zunehmend in kleinere Nebenrollen gedrängt habe; ein Schicksal, dem sie mit Ausnahme von Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ (1997) nie wieder entrinnen würde. Dass man sich dennoch heute recht intensiv mit ihr auseinandersetzt, zeugt von ihrer filmhistorischen Relevanz.

Trailer und Bildergalerie

Ein Muss ist selbstverständlich auch der englische Trailer, alleine schon wegen des schmierigen Off-Kommentators, der den Fokus mit seiner Zuhälterstimme doch wieder zu hundert Prozent auf den Sex legt, von dem die Hauptdarstellerin mit diesem Film eigentlich wegkommen wollte. Eine großzügige Bildergalerie, die binnen zehn Minuten allerhand Poster, Aushang-, Promo- und Szenenfotos aus dem Archiv kramt, macht das Paket rund.

Damit wäre nun also auch die Taufe der dritten Box aus der „Black Cinema Collection“-Reihe vollzogen. Mal sehen, wie weit die Reise noch führt. Zumindest neun weitere Stationen dürften hiermit aber gesichert sein.

Bildergalerie

Sheba Baby

Das Ende der kleinen Familienunternehmen.

Sheba Baby

Sheba (Pam Grier) sorgt sich um ihren Vater Andy (Rudy Challenger).

Sheba Baby

Fürs Whitewashing braucht es 1975 keine Weißen mehr.

Sheba Baby

Da sprudelt die Leidenschaft: Pam Grier mit Co-Star Austin Stoker.

Sheba Baby

Aus dem Handbuch „Wie man protzigen Gangstern die Yachtparty versaut“.

Sheba Baby

Wenn irgendwo was explodiert, sind die Actionfreunde nicht fern.

Sheba Baby

Was wäre Blaxploitation ohne einen Paradiesvogel mit großer Klappe?

Sheba Baby

Wird er plaudern oder übernimmt die anrollende Achterbahn den Job?

Die Black Cinema Collection bei den Actionfreunden:

01: Slaughter [1972]
02: Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs [1970]
03: Strasse zum Jenseits [1972]
04: Ghetto Busters [1988]
05: Die Organisation [1971]
06: Foxy Brown [1974]
07: Car Wash [1976]
08: Coffy [1973]
09: Visum für die Hölle [1972]
10: Black Caesar – Der Pate von Harlem [1973]
11: Cotton Comes to Harlem [1970]
12: Riot – Ausbruch der Verdammten [1969]
13: Hit! [1973]
14: Vampira [1974]
15: Sugar Hill [1974]
16: Hell Up In Harlem [1973]
17: Friday Foster [1975]
18: In the Heat of the Night [1967]
19: Cooley High [1975]
20: Hammer [1972]
21: Sheba Baby [1975]
22: Superfly [1972] (coming soon)

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Wicked Vision / Arrow Films__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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