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Stealth Fighter – Raketen auf Washington

„Stealth Fighter“ ist ein ganz besonders dreistes Beispiel für Jim Wynorskis B-Actionfilme aus den späten 1990ern und frühen 2000ern: Nicht nur wird massiv Stock Footage aus Werken wie „Flug durch die Hölle“ und „Navy Seals“ verwendet, der Film ist quasi um diese Passagen gestrickt. Da helfen auch bekannte Gesichter wie Ice-T, William Sadler, Ernie Hudson und Andrew Divoff nur wenig.

Originaltitel: Stealth Fighter__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1999__Regie: Jim Wynorski__Darsteller: Ice-T, Costas Mandylor, Erika Eleniak, Sarah Dampf, William Sadler, Ernie Hudson, Andrew Divoff, William G. Schilling, John Enos III, Alex Meneses, Tommy ‘Tiny’ Lister, Jon Huertas u.a.
Stealth Fighter

Stock-Footage-verseuchte Action, unter anderem mit Costas Mandylor, Ice-T und Erika Eleniak: “Stealth Fighter – Raketen auf Washington”

Wer Jim Wynorskis („Piranhaconda“) Actionschaffen aus der Zeit um die Jahrtausendwende kennt, der weiß schnell worauf er sich einlassen muss: Ein paar Nasen aus Hollywoods zweiter Reihe oder dem B-Bereich in einem Film, dessen Höhepunkte meist von woanders entliehen sind.

„Stealth Fighter“ fällt da kaum aus dem Rahmen, ist aber eines der dreisteren Exemplare. Schon der anfängliche Luftangriff stammt aus John Milius‘ „Flug durch die Hölle“, was halbwegs dadurch kaschiert werden soll, dass die Szene 1986 spielt. Den Unterschied im Filmmaterial sieht man trotzdem klar, wenn die Piloten Owen Turner (Ice-T) und Ryan Mitchell (Costas Mandylor) mit ihren Co-Piloten die Attacke fliegen. Beim Armdrücken im Speisesaal hat sich Owen bereits als linker Vogel erwiesen, der betrügt, sodass es keine Überraschung ist, wenn er seinem Co-Piloten die Grütze aus dem Schädel pustet und den eigenen Tod durch Abschuss simuliert.

In der Gegenwart angekommen haben beide Karrieren unterschiedliche Wege genommen. Ryan ist immer noch als Held für Onkel Sam tätig, hat aber Stress mit Gattin Erin (Erika Eleniak) und Tochter J.P. (Sarah Dampf), da er andauernd wichtige Termine wegen irgendwelcher Einsätze verpasst. Owen hingegen betätigt sich als freischaffender Mordbube und klaut in der vielleicht am lächerlichsten gesicherten Basis aller Zeiten einen Stealth-Bomber, den er zu seinem Auftraggeber, dem Drogenbaron Roberto Menendez (Andrew Divoff) bringt. Der hat zudem einen Killersatteliten in seine Hände gebracht – anscheinend kriegt der Geheimdienst in diesem Film auch wirklich gar nichts hin, sonst würden die Regierungsgeheimnisse nicht noch und nöcher gemopst.

Natürlich kommt nur einer für die Rückholung der Wunderwaffen in Frage: Ryan. Der stellt also sein Team für den Einsatz zusammen und ahnt noch nicht wen er da wiedertreffen wird. Die Zeit drängt bei der Mission, denn Menendez stellt der Regierung ein Ultimatum…

Stealth Fighter

Pilot Ryan Mitchell (Costas Mandylor) und Gattin Erin (Erika Eleniak) haben Stress wegen zeitraubendem Heldentum

Mit einigermaßen filmgeschultem Blick erkennt man hier gern verwendete Szenen aus Werken wie „Das Kartell“, „Jagd auf Roter Oktober“ und „Navy Seals“ wieder, aber das ist noch nicht alles. Selbst ein Privatflug von Ryan mit seiner Tochter entstammt aus „Der stählerne Adler“, für manche U-Boot-Szene griff man gar auf Material aus der Komödie „Mission: Rohr frei!“ zurück. Selbst das Drehbuch hat man um das Stock Footage gestrickt. Damit zwischendrin etwas passiert, fliegt Owen also immer wieder für den Film vollkommen unwichtige Angriffe auf Feinde von Menendez, die dann beispielsweise auf einem Boot residieren, welches dann (ebenso wie seine Explosion) aus dem Film „Explosiv – Blown Away“ stammt. Warum Menendez den Stealth Fighter überhaupt braucht, wenn der Killersatellit eigentlich alles (und alles besser) kann, das ist eine der Dutzenden von Logikfragen, die man dem Film lieber nicht stellt. Vor der Erstürmung von Menendez‘ Lager ziehen sich Ryan und Kollegen natürlich die gleichen Outfits wie Eingreiftruppe aus „Hunde des Krieges“ an, damit man Material von dort verwenden kann.

Und wenn ein Film natürlich allein um eingekauftes Material gestrickt ist, dann holpert die Behelfsstory natürlich an allen Ecken und Enden. Es passiert nicht viel, da Ryans Einsatz an sich direkt ein voller Erfolg ist, aber mit genug Füllmaterial wie den dämlich-kitschigen Subplot um die kaputte Ehe kriegt man die Laufzeit natürlich trotzdem irgendwie voll. Zwischendrin sieht man den Präsidenten Westwood (Ernie Hudson) und seinen Beraterstab beim Verhandeln, doch auch all das pseudopolitische Gefummel ist bloß langweiliger Lückenfüller bis zur nächsten Stock-Footage-Actionszene.

Stealth Fighter

Unterforderte Baddie-Darsteller: Tommy ‘Tiny’ Lister und Andrew Divoff

Nicht alles ist eingekauft, ein paar Fäusteleien und Schießereien hat man tatsächlich noch selbst gedreht, jedoch – so wie den Rest vom Film – ohne Budget und ohne Elan. Getroffene fallen einfach um (natürlich ohne Einschüsse), die Wemmsereien sind dagegen mit der Eleganz und Finesse einer Pausenhofprügelei choreographiert. Und viel Eigenes hat der Film eh nicht zu bieten, da Held und Schurke eigentlich nur beim Bomberklau und im Showdown mal etwas Rabatz machen.

Das einzig Wunderliche an diesem Film ist die Tatsache, dass man trotz kaum vorhandener finanzieller Mittel noch ein paar halbwegs namhafte Nebendarsteller gewann und wenn auch nur für ein paar Drehtage. So sind die Auftritte der gewohnt charismatischen William Sadler („Edge“), Andrew Divoff („Boy Soldiers“) und Ernie Hudson („Leviathan“) kleine Lichtblicke in einem anderweitig kreuzöden Film. Costas Mandylor („The Horde“) betätigt sich als extralahmer Actionheld, der auch körperlich nicht in Form scheint, Ice-T („Mean Guns“) guckt den ganzen Film über bloß angepisst und Erika Eleniak (die mit Wynorski im gleichen Jahr noch „Final Voyage“ drehte) ist in der Rolle der gekränkten Ehefrau eher unfreiwillig komisch. Als Bodyguard des Drogenbosses hat man das verlässliche B-Gesicht Tommy ‘Tiny‘ Lister („Resort to Kill“) verpflichtet, der aber weder darstellerisch noch körperlich viel zu tun hat. In einer ganz frühen Rolle ist außerdem „Castle“-Cop Jon Huertas als Teil einer U-Boot-Crew zu sehen.

Was bleibt, ist ein verschnarchter Pseudoactionfilm, dessen unlogisch-egale Handlung vollends um jede Menge eingekauftes Stock Footage gestrickt ist, das optisch oft gar nicht zum Restfilm passt (die Satellitenaufnahmen stammen etwa aus dem 1971er James-Bond-Film „Diamantenfieber“!). Die Hauptdarsteller sind schlecht, der Film an sich arschlahmes Füllmaterial für Szenen aus besseren Filmen – da helfen auch William Sadler, Andrew Divoff und Ernie Hudson wenig, die tapfer den Blödsinn ertragen, in den sie hiermit hineingeraten sind.

Hierzulande ist „Stealth Fighter“ mit der viel zu hoch angesetzten Freigabe ab 18 Jahren freigegeben und ungekürzt, während es auch eine gekürzte FSK-16-Fassung gibt. Die DVD von Laser Paradise hat nur deutschen Ton, die Neuauflage von Laser Paradise/Schröder Media deutschen und englischen Ton. In Sachen Bonus liefern beide bloß Filmographien und Infos über Stealth Fighter auf Texttafeln.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Laser Paradise/Schröder Media__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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