Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Blade – The Iron Cross

Originaltitel: Blade the Iron Cross__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: John Lechago__Darsteller: Tania Fox, Vincent Cusimano, Griffin Blazi, Roy Abramsohn, Bobby Reed, Angelica Briones, Todd Gajdusek, Nihilist Gelo, Noel Jason Scott, Lee Sargent, Cyrus Hobbi, J. Eamon Roche u.a.

Banner

Poster

Das Poster von „Blade – The Iron Cross“

Versuchen wir doch mal, den Betrachtungsgegenstand so aufzuwiegen wie es sein Macher tun würde: in Zahlen. Full Moon präsentiert: Output Nr. dreihundertvierundzwanzig. Aber wer zählt schon mit (außer Full Moon selbst am Ende des Abspanns). Die Chancen standen gar nicht so schlecht, dass es wieder ein neuer Teil der Puppet-Master-Saga werden würde; statistisch gehört schließlich jeder neunundzwanzigste Film des Studios zu dieser Reihe. Schlussstriche wurden schon viele gezogen, nach der ursprünglichen Pentalogie zum Beispiel oder nach der Stock-Footage-Party „Puppet Master – The Legacy [2003]“. Zuletzt gab es eine Trilogie, die sich wieder nach Deckel auf dem Glas anfühlte. Endlich Ende im Gelände? Letztlich alles Wunschdenken. Kaum ist das Grundfarbenmassaker aus der Axis-Digitalhölle verdaut, kommt Charles Band auch gleich schon wieder mit zwei neuen Vermarktungskonzepten um die Ecke, um seine Puppen endgültig in Duracell-Hasen zu verwandeln.

Konzept Nummer eins: Solo-Spin-Off! „Blade: The Iron Cross“ ist der erste Film der Reihe, in dem sich alles um eine einzelne Puppe dreht. Wo früher im Ensemble gemordet wurde, da ist nun also Lonesome-Cowboy-Kult angesagt. Damit wäre theoretisch auf Jahre hinweg für Nachschub gesorgt. In der Originalreihe kamen bislang Pi mal Daumen sechsundzwanzig Puppen vor. Wenn die alle durchexerziert werden, na dann aber Halleluja. Sollte sich Band dann auch noch Marvel zum Vorbild nehmen und sämtliche Solo-Abenteuer auf eigene Trilogien pumpen… Halleluja³!

Konzept Nummer zwei: The Deadly Ten. Dahinter stecken zehn Filme, bei denen die Dreharbeiten für interessierte Fans, Hobby-Filmer und angehende Meisterregisseure gratis gestreamt wurden, mit all ihren versemmelten Takes und sonstigen Unzulänglichkeiten. Die Blade-Auskopplung sollte den Reigen eröffnen, gefolgt von Fortsetzungen zu vermeintlichen Kultstreifen wie „Sorority Babes in the Slimeball Bowl-O-Rama“, „Head of the Family“ und „Subspecies“.

Blade - The Iron Cross

Wer mal als Kind einen Rennwagen mit Fernsteuerung geschenkt bekommen hat, wird den Enthusiasmus sicher nachvollziehen können.

Gerade diese doppelt belegte, aggressive Vermarktungsstrategie vermittelt das Gefühl, dass es in „Blade: The Iron Cross“ weder um Blade geht noch um das Eiserne Kreuz, sondern dass man es mit einem unverhohlenen Instrument zur schnellen Firmenexpansion zu tun hat. Ein Stück weit ist das normal für ein Studio, das Geld verdienen möchte. Doch hier wird tatsächlich nicht einmal mehr so getan, als wenn auch nur ein Funken filmische Inspiration in die Produktion geflossen sei.

So reibt man sich auch nicht mehr unbedingt verwundert die Augen, dass „Blade: The Iron Cross“ keineswegs einen Neustart sucht, sondern vielmehr direkt an das Ende von „Puppet Master: Axis Termination“ anknüpft. Eigentlich muss man da vom vierten Teil einer Tetralogie sprechen, wenn man ehrlich ist. Warum auch die gerade erst dekorierten Sets und frisch gebauten Miniaturen wieder abreißen, wenn man sie noch für mindestens einen weiteren Film verwenden kann? Der Zuschauer hat von der breitgetretenen Nazi-Thematik zu diesem Zeitpunkt zwar längst die Nase voll, aber in der Kosten-Nutzen-Rechnung war es eben wohl profitabler, einfach in den Kulissen weiterzumachen, in denen man es sich gemütlich gemacht hatte… auch wenn man sich inzwischen wirklich nach einer Rückkehr in die Gegenwart (oder gar nach einem SciFi-Slasher in Outer Space der Marke „Jason X“!?) sehnt.

Blade - The Iron Cross

Blade wird von seiner Seelenverwandten ordentlich scharfgemacht.

So bleibt also eine gewisse Kontinuität gewahrt, wenn auch mit der gewohnten Inkonsistenz in der Ausführung. Tania Fox kehrt nach „Puppet Master: Axis Termination [2017]“ wieder als Elisa zurück, ohne aber dabei auf ihre Co-Stars von damals zählen zu können. Motive der Vorgänger werden wieder aufgenommen, aber auch mal nach Lust und Laune über den Haufen geworfen. Sets und Bauten werden wiederverwertet, jedoch ganz anders inszeniert. Letzteres hat dann wohl auch mit dem Wechsel auf dem Regieposten zu tun, denn John Lechago, der vorher drei Teile zur „Killjoy“-Reihe beisteuerte, übernimmt diesmal das Ruder.

Bei aller Aufregung darüber, mit was für einem seelenlosen, im Morast aufgestauter Billigkeit hoffnungslos versunkenen Fabrikat wir es hier zu tun haben… es übertrifft immerhin die Qualität der vorausgehenden Trilogie. Auch wenn das alleine noch kein Kompliment darstellt. All das verschwörerische Gequatsche in irgendwelchen Nazi-Laboren deutet immer noch eher auf eine Episode einer schlecht ausgestatteten Webserie hin (was selbst die knappen 70 Minuten eigentlich noch zu lang macht), zumindest hat man aber nicht den Eindruck, sie sei von einem unkonzentrierten Grundschüler inszeniert worden, der beim Dreh permanent mit Eiscreme und Videospielen abgelenkt wurde.

Blade - The Iron Cross

Also so ein bisschen Detective Noir können sie ja durchaus, die Herrschaften von Full Moon.

Die erste Hälfte gestaltet sich mal wieder ziemlich puppenarm. Da der kalkweiße Minikiller im schwarzen Ledermantel diesmal alles selbst erledigen muss, war das auch irgendwo abzusehen. Lechago frönt lieber seiner alternativen Geschichtsschreibung aus der Perspektive eines Billigstreifens, in dem Naziploitation, Zombiefilm, esoterische Fantasy und 30er-Jahre-Journalisten- und Detektivfilm sich zu einem eigenwilligen Kosmos vereinen, in dem nicht einmal mehr die Establishing Shots einer sehr nach Gegenwart aussehenden Großstadt irritieren.

Die auch im Erotikbereich aktive Hauptdarstellerin Tania Fox hält den Zuschauer mit so mancher Nackteinlage bei der Stange – wenn von ihren Brüsten direkt auf Blades tote Augenhöhlen geschnitten wird, erwartet man unweigerlich, seine spitzen Spezialwaffen daraus hervorschießen zu sehen. Den Part mit den Glupschaugen übernimmt dann ein mit Fernglas ausgestatteter Cop (Noel Jason Scott), der aussieht wie eine trottelige Schmalspur-Ausgabe von „Shield“-Cop Vic Mackey. Roy Abramsohn sorgt derweil als Nazi-Fiesling dafür, dass das Kanonenfutter in Form sabbernder Zombies nicht ausgeht, die hirnlos durch die Kanalisation wanken und verirrte Flüchtige anknabbern.

Die Argento-Bava-Farbfilter wurden zum Glück wieder deutlich heruntergefahren (das Malen überlässt man dann doch lieber den wahren Künstlern) und ganz allgemein kann man sagen, dass die Wertigkeit der Bilder zumindest wieder leicht gestiegen ist. Andererseits ist das Set-Recycling der Axis-Trilogie mehr als offensichtlich. Was den Umweltschutz freut, lässt den Zuschauer in Ungeduld schmoren. Auch die Trickkiste würgt immer wieder dasselbe Kaninchen hervor. Hässliche digitale Dunstwolken, die eine Verbindung zwischen Blade und dem Medium behaupten, dominieren die Effektsparte, dazu kommen ein paar Liebling-ich-habe-die-Puppen-geschrumpft-Effekte, die für kostspielige Stop-Motion-Tricks Schmiere stehen.

Glücklicherweise gewinnt „Blade: The Iron Cross“ im letzten Drittel an Fahrt, weil er den Titelhelden in dieser Phase endlich mal von der Kette lässt. Nicht so sehr sind es die Slasher-Einlagen als solche, die hervorstechen (abgesehen vielleicht vom letzten blutigen Ausrufezeichen), sondern das Verständnis des Regisseurs dafür, wie man das Ikonische hervorkitzelt, das seit über 30 Jahren in dem Winzling begraben liegt. Mit martialischer Kraft werden da Symbole bearbeitet, Staubpartikel fliegen in Zeitlupe durch die Luft, und man hat tatsächlich für ein paar Sekunden das wohlige Gefühl, dass da eine Fußnote der Filmgeschichte mit dem Hammer geschmiedet und für die Ewigkeit geformt wird. Wenn auch nur eine klitzekleine.

Blade - The Iron Cross

Mehr habt ihr nicht auf der Pfanne? Ok, jetzt bin ich dran.

Viel besser als die Axis-Trilogie ist das zwar nicht. Weil der metallische Geschmack des zwischenzeitlich erschienenen Remakes noch nicht ganz verschwunden ist, kann man sogar von einem erneuten Downer sprechen. Fairerweise muss man aber auch sagen: An der Seite seiner Kumpels hat Blade auch schon schlechtere Zeiten durchgemacht.

04 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von „Blade – The Iron Cross“

Schaut in den Trailer

Deutsche Erstveröffentlichung

Ein wenig Mut zur Lücke kann nie schaden. Das jedenfalls muss das Credo gewesen sein bei der Konzeption des Puppet-Master-Trunks, der für die Sammlergemeinde nicht nur alle elf Filme der Hauptserie bereithielt, sondern auch noch etwas Luft für zwei weitere Hüllen. Denn Charles Band ist ja noch längst nicht fertig mit seinem Puppentheater. Die ersten beiden Spin-Offs waren zu jener Zeit bereits im Kasten.

Die Verpackung

Es war demnach von einem Scanavo Case auszugehen, würde Wicked Vision irgendwann mal „Blade – The Iron Cross“ veröffentlichen, auf dass man es Spine an Spine auf die restlichen Cases legen möge und der innere Einheitlichkeitsfanatiker vor Glück jubilieren möge. Und tatsächlich werden die Erwartungen erfüllt. Im gewohnten Plastikdress kommt der kleine Messerschwinger daher, das Poster eingefasst in den üblichen Silberrahmen, dem Design nach ganz wie in der „Full Moon Classic Selection“, nur ohne tatsächlich zu der Reihe zu gehören; zumindest fehlt der Hinweis auf die Reihe und die entsprechende Nummerierung. Trotzdem ist es wie beim Alten, auch wenn man das Cover dreht: Da bekommt man das Poster, einen Close-Up der Titelfigur mit leuchtenden Augen und blutigem Messer samt Spiegelung des Eisernen Kreuzes, ohne den lästigen Rahmen und auf voller Fläche. Für den Spine macht’s keinen Unterschied, der sieht in den Trunk gelegt oder einzeln ins Regal eingeordnet gleich aus.

Besprochen wird hier aber ein Mediabook, das tatsächlich parallel zum Scanavo Case auf den Markt kam. Eine eher ungewöhnliche Strategie, aber vermutlich wären die Trunk-Besitzer Sturm gelaufen, wenn man ihnen hier nur ein Mediabook vorgesetzt hätte, und umgekehrt wollte man wohl kein Mediabook als Zweitauflage bringen, sondern gleich die entsprechende Kundschaft abholen.

Verpackung

Sammlerfreundliche Veröffentlichungsstrategie: „Blade – The Iron Cross“ erscheint parallel im Scanavo Case und in drei Mediabook-Ausführungen.

Also hat man bei der „deutschen Erstveröffentlichung“, wie ein gelbes Banner auf der Front des Deckblatts verkündet, von Beginn an die Qual der Wahl, und das gilt selbst, wenn man sich schon für die Mediabook-Variante entschieden hat. Die kommt nämlich auch wieder fachgerecht in drei verschiedenen Ausführungen, so wie es eben zumeist gehandhabt wird. Zur Ansicht liegt Cover C vor, das wie die Scanavo-Ausgabe auf dem Originalposter basiert. Im Hochglanzfinish leuchten nicht nur Augen und Klinge des stummen Wüterichs, sondern die gesamte Fläche, die durch und durch von Silber- und Rottönen bestimmt wird, wobei in die roten Hintergründe äußerst dezent einige Darsteller eingearbeitet sind sowie eine Gasmaske.

Das blaue FSK16-Siegel ist natürlich nur auf das Deckblatt abgedruckt, auf dessen Rückseite man übrigens einen weiteren Grund für die Mediabook-Entscheidung findet: Da wird nämlich „Puppet Master III“ angeteasert, der kürzlich UHD-Premiere feierte und zu diesem Anlass ebenfalls als Mediabook erschien – ebenso wie die ersten beiden Teile, so dass der kleine Blade gar keine Angst haben muss, einsam in die Sammlerecke verfrachtet zu werden. Auf dem Backcover findet man das übliche Kleingedruckte: Eine Inhaltsangabe, die Filmcredits, technische Spezifikationen zur enthaltenen Blu-ray und DVD, die Ausstattung und EAN-Code. Der Spine bleibt klassisch schwarz mit rot-silbernem Titel und dem obligatorischen Wicked-Vision-Augapfel.

Zachary Jackson Brown, der sein Kunstwerkzeug zuletzt auch für eine Dokumentation zu Stephen Kings „ES“ kreisen ließ, steuerte das Motiv von Cover A bei. Hier ergibt nicht nur das Kreuz eine Kreuzform, sondern auch Blade selbst weiß Klinge und Haken zu kreuzen wie ein Läufer auf einem Schachbrett, während das echte Kreuz sich hinter ihm ausbreitet wie ein paar Roboter-Schmetterlingsflügel. Das leuchtende Rot im Hintergrund scheint direkt aus der Hölle zu kommen und schmeichelt Blades Gesichtszügen doch sehr, wie man zugeben muss. Kurzum: Eine schlichte, aber effektive und vor allem nicht zu überladene Arbeit.

Deutlich mehr parkt da schon Timo Würz auf sein Cover B, das vor lauter Köpfen zu explodieren droht: Drei links, drei rechts, oben der riesige Puppenschädel und unten noch Tania Fox, die beinahe als Drei zählt, weil natürlich auch ihre Zwillinge noch Platz finden müssen. Dann noch das Titelkreuz irgendwo reingequetscht, und dann ist auch wirklich kein Platz mehr da. Unter dem Strich heißt der Gewinner zumindest für den Verfasser dieser Zeilen mit Nachnamen Brown, aber zum Glück hat jeder seine persönlichen Vorlieben, so dass wohl jedes Motiv wieder seine Fans gewinnt.

Das Booklet

Während die Mediabooks zu den ersten drei „Puppetmaster“-Teilen es im Grunde recht einfach haben, die Texte der Booklets zu füllen, da sie sich einfach bei Christoph N. Kellerbachs bereits fertig geschriebenem Büchlein aus der Gesamtbox bedienen konnten, gilt es bei diesem Spin-Off nun wieder aufs Neue erfinderisch zu werden. Und Kellerbach lässt es sich nicht nehmen, sein einmal angefangenes Langzeitprojekt auch persönlich zu beenden. Ist in dem einleitenden Satz „Vorhang auf für die nächste Nazijagd der kleinen Killerpuppen!“ nicht auch ein wenig Verdruss zu hören ob der niemals endenden Saga? Wenn dem so sein sollte, lässt er es sich zumindest nicht anmerken und bleibt zumindest neutral mit einer Tendenz zum positiven Fazit.

Ob man beim 13. Film einer Reihe allerdings nun unbedingt wieder den kompletten Familienstammbaum des Produzenten abarbeiten muss, sei mal dahingestellt. Und kaum ist der Werdegang der Band-Sippe bis ins Jahr 2020 hinein nachgezeichnet, wird die Überleitung zu Regisseur John Lechago gesucht… und prompt sind wir wieder in den 70er Jahren. Letztlich ist das halbe Booklet abgefrühstückt, bevor es um die Puppenmeisterei geht. Inhaltlich wird immerhin einiges herausgeholt aus einem Film, zu dem sich ja nun nicht gerade viele reichhaltige Quellen des Wissens anzapfen lassen. Es geht somit vor allem um Optik und Produktionsdesign sowie um Cast und Crew, ferner um die Story, den Drehplan und die Veröffentlichung.

Damit ist es dann auch schon Zeit, die Blu-ray aus der Verankerung zu lösen. Nachdem in den Copyright-Einblendungen mit Blades Schnetzelkünsten gedroht wurde, landen wir in einem mit sattem Stereo-Sound unterlegten Menü, in dem wir zwischen Filmstart, Kapitelauswahl, Einstellungen und Extras wählen können. Weil wir es natürlich alle nicht erwarten drücken, heißt es also nun „Film ab“.

Das Bild

Zu sehen bekommen wir eine offensichtlich aus dem Digitalzeitalter stammende Produktion, bei der man das Bild vergeblich nach Artefakten oder Filmkorn absucht. Es zeichnet sich vielmehr durch überragende Schärfe aus, die jede Maserung in Blades Gesicht sichtbar machen. Die Farben knallen massiv und sorgen dadurch für eine gewisse Künstlichkeit. Die Kontraste wirken bisweilen stark überdreht. Die Schwarzwerte erreichen wiederum eine beachtliche Tiefe, was auch dahingehend relevant ist, dass der Film insgesamt sehr dunkel geraten ist und die Kamera viele Hintergründe im Dunkeln versteckt, so dass die ausgeleuchteten Stellen umso stärker aus der Komposition ragen. Der daraus resultierende Look wirkt wie so viele jüngere Full-Moon-Produktionen leider recht billig, was in erster Linie an der wenig sorgfältigen Kameraarbeit und den anorganischen Spezialeffekten liegt. Der Transfer auf Disc allerdings gibt sich kaum Blöße.

Der Ton

Bei den Audio-Optionen hebt sich natürlich die extra für diesen Release erstellte Synchronisation hervor, die als DTS-HD-Abmischung in Stereo vorliegt. Bei der Besetzung bleibt vor allem Bernd Vollbrecht als wiederkehrender Stammgast im Ohr hängen, um ihn herum versammeln sich etliche weniger bekannte Kollegen, die aber fast durchgehend einen soliden Job machen. Der Qualität des Films wird Rechnung getragen, indem man die Dialoge durchgehend dezent ironisch wirken lässt, ohne das Ganze zum Kasperletheatrer zu machen. Die Musik tönt mitsamt der Effekte voluminös aus den Boxen; hier ergeben sich praktisch keine Unterschiede zur englischen Fassung, erst recht nicht in der Tonhöhe.

Der Originalton liegt sogar in zwei Abmischungen vor, und zwar in 5.1 und in 2.0 Stereo, so dass man je nach vorhandener Anlage ein optimiertes Setting zur Verfügung hat. Alle verfügbaren Tonspuren weisen letztlich den Makel auf, dass die Abmischung nicht immer homogen wirkt, was aber wiederum zur künstlichen Optik passt. Untertitel stehen in Deutsch und Englisch zur Verfügung.

Der Audiokommentar

Das erste Bonus-Feature läuft uns ebenfalls bei der Tonauswahl über den Weg, denn für die US-Disc wurde 2020 noch ein Audiokommentar mit Regisseur John Lechago aufgenommen. Der arbeitet sich mehr oder weniger Szene für Szene durch seinen Film und macht auch einfach mal Pause, wenn alles gesagt wurde, bis die nächste Szene beginnt. Einblicke in die Produktion werden natürlich geboten, meist als erklärende Begleitung zum Bildmaterial. Lechagos Audio-Setup dürfte nicht optimal gewesen sein für eine solche Sitzung, die Stimme wird von einem leichten Hall begleitet. Die Verständlichkeit beeinflusst diese Tatsache aber nicht. Und wem es an Sprachkenntnissen fehlt, der findet nicht nur für den Film, sondern auch für den Kommentar deutsche Untertitel vor.

Das Bonusmaterial

Begeben wir uns nun in das Untermenü für das eigentliche Bonusmaterial, staunen wir nicht schlecht ob der Menge an auswählbaren Features. Charles Band, der mit seinen „Videozone“-Featurettes schon zu VHS-Zeiten über den Film hinaus dachte, hat eben nie davon abgelassen, seine Produktionen auch als Event zu betrachten, die man entsprechend über die verfügbaren Werbekanäle bewerben muss. Nur das Medium hat sich geändert, nicht das Prinzip.

Entsprechend werbelastig fällt das Material natürlich aus. Das „Interview mit Regisseur John Lechago“ ist kein Interview im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine handliche Promo-Veranstaltung mit Clip-Laufzeit, in der die vermeintliche Neuartigkeit des „Deadly Ten“-Konzepts hervorgehoben wird, das zu Beginn dieser Kritik erwähnt wurde. Lechago steht vermutlich vor einer Greenscreen, während im Hintergrund Szenen aus etlichen Full-Moon-Filmen eingeblendet werden.

John Lechago

Achtung, John Lechago! Hinter dir ist ein Clown!

Etwas tiefer ins Handwerk taucht immerhin die „Casting Session“. Hinter dem 30-minütigen Video verbirgt sich genau das, was der Titel verspricht. Aus der Perspektive des Kameramanns stehen wir mitten in einem Büro auf einer höheren Etage. Produzent Charles Band und Regisseur John Lechago sitzen auf einer Couch, die Stimme der nicht sichtbaren Casting-Leiterin meldet sich gelegentlich aus dem Off. Nach und nach werden Schauspieler für mehrere Rollen in den Raum gerufen und um eine kurze Performance von je ein bis zwei Minuten gebeten, wobei meist zwei Schauspieler nacheinander für dieselbe Rolle vorspielen.

Wenn sie den Raum wieder verlassen haben, folgt in der Regel eine kurze Diskussion zur Performance, wobei Band hier offenbar derjenige ist, der für seinen Regisseur bestimmt, wer sich am besten für die jeweilige Rolle eignet. Zwischenzeitlich kommt auch die Meldung, dass sich in dieser für den Full-Moon-Kanal live gestreamten Sitzung 1400 Zuschauer zugeschaltet haben. Hin und wieder gibt es übrigens kurze Bild- und Ton-Aussetzer, worauf bereits beim Menü-Einsprung hingewiesen wird.

Weiter geht’s mit dem Hinter-den-Kulissen-Einblick, der mit sechs Minuten Laufzeit wieder eher knapp geraten ist. Das Format entspricht einer typischen Featurette: Schnitt und Musik zeugen von einem entsprechenden Aufwand in der Postproduktion, das Material selbst ist eine Mischung aus B-Rolls und kurzen Interviewfetzen. Der Informationsgehalt ist allerdings sehr niedrig, eher geht es darum, einen kurzen Eindruck von der Stimmung am Set einzufangen.

Monstermacher Tom Devlin führt anschließend durch zwei weitere Featurettes. In „Zombie Making“ (8 Min.) begleiten wir ihn beim Auftragen der Maske auf das Gesicht eines Statisten. Dabei gibt er Einblicke in die Realisierung einiger seiner Effekte und verteilt auch ein paar Ratschläge, unter denen der wichtigste wohl der sein dürfte, dass man einfach loslegen, experimentieren und seine eigenen Erfahrungen machen sollte, wenn man in den Bereich einsteigen will. Für „Working with Blade“ (6 Min.) geht es wiederum in die Puppenwerkstatt. Meister Eder hätte jedenfalls seine helle Freude bei den gezeigten Airbrush-Techniken. Devlin verrät hier übrigens, dass keineswegs Blade seine liebste Puppe ist, sondern vielmehr Pinhead sein „Seelentier“ sei.

Gerade mal zwei Minuten eurer Zeit nimmt „Am Set mit Tania Fox“ in Anspruch. Bei den Vorbereitungen für eine Szene im Apartment ihrer Rolle sitzt sie im Bett und lässt sich in ironischer Manier darüber aus, wie hart die Schauspielerei ist, mit all dem Herumliegen im Bett, den Massagen und all dem guten Zeug. Kann sie niemandem empfehlen.

Lighting & Art“ geht binnen 5 Minuten dann noch einmal auf die technischen Aspekte der Produktion ein. Kameramann Howard Wexler und seine Techniker erläutern darin in Kurzfassung, wie sie einige der optischen Effekte realisiert haben. Der Blick in einen türkis ausgeleuchteten Raum voller Ketten gibt dabei ein bisschen Imaginationshilfe.

Zum Abschluss folgt der obligatorische Trailer in Deutsch und Englisch sowie der Teaser-Trailer. Eine DVD mit dem Hauptfilm, dem Audiokommentar, der Einführung von John Lechago und den Trailern ist übrigens auch mit dabei, nur die Featurettes fehlen hier.

Fazit

Alles in allem kein schlechtes Paket für eine Produktion dieser Preisklasse, auch wenn eben sämtliches Zusatzmaterial von Full Moon selbst produziert wurde, wodurch der Promotion-Aspekt deutlich im Vordergrund steht. Aber bleiben wir realistisch: Für unabhängig produzierte Extras ist eine derartige dtv-Produktion schlichtweg nicht relevant genug. Man sollte das gesamte Paket einfach als das nehmen, was es ist: Anspruchsloses Creature-Entertainment, das für Interessierte als Bonus noch ein paar oberflächliche Einblicke in den Produktionsablauf gibt. Das kann manchmal genug sein.

Sascha Ganser (Vince)

Puppet-Master-Kritiken bei den Actionfreunden:

Puppetmaster [1989]
Puppetmaster 2 – Die Rückehr [1990]
Puppetmaster 3 – Toulons Rache [1991]
Puppetmaster IV [1993]
Puppetmaster V [1994]
Curse of the Puppetmaster [1998]
Retro Puppetmaster [1999]
Puppet Master – The Legacy [2003]
Dämonische Spiele – Puppet Master vs. Demonic Toys [2004]
Puppet Master: Axis of Evil [2010]
Puppet Master: Axis Rising [2012]
Puppet Master: Axis Termination [2017]
Puppet Master – Das tödlichste Reich [2018]
Blade – The Iron Cross [2020]
Doktor Death [2022]

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Wicked Vision / Full Moon Features__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 23028217 andere Actionnerds